Botschafterinnen mit jeder Menge Topspin

Redaktion, 7. Juli 2008, 19:36
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    foto: reuters/danny moloshok

    Ana Ivanović und Jelena Janković

Das Frauentennis ist in serbischer Hand: Ana Ivanović und Jelena Janković haben es trotz ärmlicher Verhältnisse an die Weltspitze geschafft - Immer mehr junge Serbinnen wollen es ihnen nachmachen

Mit voller Kraft schlägt Iva Baničević den Ball. Vorhand, Rückhand, dann Volley. Und dann alles wieder von vorne. Keine Spur von Müdigkeit ist bei dem gerade dreizehn Jahre alten Mädchen zu merken. Trotz der Sommerhitze. Bei jedem Schlag ist sie voll dabei, ärgert sich jedes Mal, wenn sie einmal nicht richtig trifft. Fünf Stunden am Tag trainiert die dürre, hochgewachsene Teenagerin. Wenn sie nicht gerade in einem Turnier spielt.

Die Terrasse über den drei Plätzen des Klubs "Tennis Tennis" ist nur grob betoniert, das Eisengitter ziemlich oberflächlich gestrichen. Rund um wackelige Tische stehen wackelige Plastikstühle. Nur der Blick auf den Donaukanal Ada Huja ist wunderschön.

Es ist ein krasser Gegensatz zu den elitären Tennisklubs, in denen Kinder in Westeuropa mit strenger Disziplin zu Topspielern gedrillt werden. Und trotzdem sind es derzeit Tennisstars aus Serbien, die bei Männern wie bei Frauen ganz vorne mitspielen. Jelena Janković, die einst hier im Klub trainierte, ist Zweite in der Damenweltranglise. Vor ihr liegt nur Ana Ivanović, ebenfalls eine Serbin. Novak Djoković (Weltranglistenplatz drei bei den Männern) vervollständigt das erfolgreiche Trio. Seit die drei ihre Erfolge feiern, boomt das Tennis in ganz Serbien.

Zufall, Genetik oder der Krieg

Dabei entstand dieses "serbischen Tenniswunder" aus dem Nichts. Die Tennis-Infrastruktur gehört zu den am wenigsten entwickelten in Europa, es mangelt an Tennisplätzen und Hallen, es gibt keine staatlichen Programme für die Förderung dieses Sports.

Die Eltern beklagen sich untereinander, wie teuer alles ist, wie schwer es ist, das Geld für die Ausrüstung und die vielen Reisen aufzutreiben, wie kompliziert Visa für internationale Turniere zu bekommen sind. Sie müssen alles aus eigener Tasche zahlen, und es gibt keine Garantie dafür, dass aus einem talentierten Kind auch ein Weltklassespieler wird. Das war auch bei den Eltern von Ivanović und den anderen Weltstars aus Serbien nicht anders. Vom serbischen Tennisverband kam in den 1990er-Jahren, als Serbien international isoliert war, überhaupt keine Hilfe. Die Eltern mussten sich verschulden, um ihren Kindern das Tennis zu ermöglichen.

Wie das kleine Serbien über Nacht eine Tennisweltmacht geworden ist, darüber sind sich Fachleute nicht einig. Für die einen ist das einfach ein Zufall. Die anderen reden von Genetik. Dritte wieder meinen, serbische Tennisstars seien in einem von Kriegen erschütterten Land groß geworden, sie hätten als Kinder die Luftangriffe der Nato erlebt und würden deshalb heute mehr Kampfgeist als die Konkurrenz auf dem Spielplatz zeigen.

"Am Ende schaffen es nur diejenigen, die die Kraft haben, Krisen zu überwinden" , meint auch Velkjo Radojičić. Er ist einer der besten Trainer in Serbien. Heute übt er mit dem Nachwuchsstar Iva, früher mit der heutigen Weltranglistenzweiten Janković.

Der Tennisboom erreichte Serbien, nachdem Djoković den ersten Grand-Slam-Titel für Serbien in Australien geholt und Ivanović Roland Garros in Paris gewonnen hatte. Seither hat Serbien einen neuen Lieblingssport und die Jugend endlich neue Helden, die ein anderes Gesicht Serbiens zeigen.

Die Tennisstars sind sympathisch, sie sprechen gut Englisch, lachen oft auf dem Spielfeld und sind deshalb beliebt unter Kollegen. Ihr Patriotismus ist unbefangen. "Ich wollte immer nur mit dem Tennisschläger kämpfen" meinte etwa Djoković einmal. Ana Ivanović selbst gilt als die neue Schönheitskönigin des Damentennis. In Serbien werden beide manchmal schon als die neuen Botschafter des Landes bezeichnet. Aus Geldmangel mit dem Bus "Ana ist mein Vorbild, weil sie ein Angriffstennis spielt", sagt die braungebrannte Iva nach dem Training. Sie ist ein ausgesprochen hübsches Mädchen, was neben dem sportlichen Erfolg eine wichtige Voraussetzung für satte Sponsorenverträge im Damentennis ist. In ihrer Generation ist sie auf Platz 22 in Europa. Obwohl sie gute Noten hat, stößt sie in der Schule wegen des vielen Ausbleibens auf wenig Verständnis.

"Ich will professionell Tennis spielen", sagt Iva. "Es gibt kein Zurück mehr" , erklärt ihre Mutter Vanja, eine Bauingenieurin. Im schlimmsten Fall würde Iva ein Tennisstipendium in irgendeinem College in den USA bekommen. Derzeit sieht es aber so aus, als ob sich Iva noch ganz andere Träume erfüllen könnte. Am vergangenen Wochenende nahm sie an einem Juniorenturnier in Bergheim bei Salzburg teil. Begleitet von ihrem Vater, fuhr Iva nach Österreich. Wegen Geldmangels mussten die beiden den Bus nehmen. Und auch das klappte nur, weil das österreichische Konsulat in Belgrad der jungen Spielerin entgegenkam und der Familie kurzfristig die notwendigen Visa erteilte. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2008)

Kommentar posten
21 Postings
chilly76
 
00
12.7.2008, 00:39
serbien ist keine frage eine wahre sport nation

ausser den erfolgen beim tennis befindet sich serbien beim wasserball, basketball volleyball, handball schiessen, schwimmen, und einigen kampfsportarten, die oberen und obersten europa und weltranglisten, und das bei zehnfach weniger bevölkerrung als ein deutschland. bem fussbal spielen die meisten in den besten ligen europas und sind multimilonäre, jedoch hat es nur da noch leider keiner geschafft sie zu einer manschaft zusamenzuschweissen.

gert poelzl1
00
11.7.2008, 12:32

ich schau freilich lieber ein Match zwischen Ivanowic gegen Serena oder Venus Williams an, als eines von Davenport gegen Mauresmo.

Gar nicht zu reden von Ivanovic gegen Scharapowa...

Adolf Ogi
00
11.7.2008, 22:30
stimmt

die Ana ist wirklich eine sehr nette und fesche und noch dazu eine sehr gute Tennisspielerin.

Cp6uja .
00
die gründe sind einfach: ein neuer und felsenfester

nationalstolz (es sich eben nicht einfach zu machen und eine fremde staatsbürgerschaft plus handgeld anzunehmen, sondern mal 7 stunden vor einer botschaft zu warten) mit damit einhergehender reife und jüdische investoren.

kein mannschaftssport, ergo in serbien kein beliebter sport -> serbische staatsbetriebe und oligarchen winkten ab. nationale und internationale jüdische geschäftsleute sprangen ein.

der schweizer dan holzmann hat der 14jährigen ana ivanovic damals usd 50 000 gegeben und heute die freundschaft (und gratis-dienste) von der werbeikone des damentennis, der serbische oligarch hinter verano-motors mußte letztes jahr für 3 jahre ana ivanovic ca. eur 30 mio. hinblättern.

ein kleiner denkanstoß!

mfg

Drago+
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Was ist Nationalstolz? Mark Aurel sagte einst, man solle das Land, welches einen aufnimmt, genauso lieben wie das Land, aus dem man kommt, oder "Meine Natur aber ist eine vernünftige und für das Gemeinwesen bestimmte; meine Stadt und mein Vaterland aber ist, insofern ich Antonin heiße, Rom, insofern ich ein Mensch bin, die Welt. Nur das also, was diesen Staaten frommt, ist für mich ein Gut."

Adolf Ogi
00
11.7.2008, 22:28
Marc Aurel

das hat er aber gesagt, nachdem er vier Legionen über die Donau geführt hat und gegen die damals friedlichen Markomannen gehetzt hat. Als dann die verzweifelten Zivilisten versuchten ins römische Reich zu flüchten, hat er dann gemeint, sie sollen aufhören sich zu beschweren und froh sein, wenn sie überhaupt aufgenommen werden und nicht gleich an der Grenze abgeschlachtet werden.
Die verbrannten Oppida im Weinviertel und in Mähren geben übrigens archäologisches Zeugnis von diesen Ereignissen.

Der Wählerwille
 
00
26.7.2008, 19:02
die verbrannten oppida in mähren und im weinviertel waren boieroppida die von burebista niedergebrannt wurden

hat nichts mit den überhaupt nicht friedlichen markomannen zu tun.

Zürcher
00
mit Geld lässt sich halt nicht alles kaufen

Kardamom
03
Sie haben es GERADE WEIL

.. sie aus ärmlichen Verhältnissen stammen geschafft und nicht TROTZ...
diese NEGATIVE Schreiberei ist m.E. nach unnötig!

sennowise
01

Unsinn. Ärmliche Verhältnisse oder simple Armut sind zu gar nichts nütze.

p c2
01

jemand der nichts zu verlieren hat, nimmt automatisch grössere risiken in kauf.

Drago+
01
?us dem Nichts ist

es auch nicht gekommen.. ?s gab schon früher ab und zu gute TennisspielerInnen aus Serbien, z.B. Monika Seles oder Jelena Dokic. Hin und da kommt eine gute Generation, und dann wieder tut sich nicht viel. Wimbledon Doppel ging übrigens auch an Serbien, an Nenad Zimonjic und den Serbo-Kanadier Daniel Nestor. Mögen es Ivanovic, Jankovic und Djokovic in Wimbledon nicht geschafft haben, so gibt es trotzdem Gold.

Miki Smiljanic
13
seid gegrüßt

"kleines Serbien"? wer sagt das :)

Aber so klein es auch ist, hat es immer Größe in jedem Serben geweckt!

PS: die Serben waren schon immer eine Sportnation.

Ich hoffe nur das Europa - vor allem westeuropa - ein besseres Bild von den Serben und Serbien bekommt, was ja durch die westl. "propaganda" ziemlich rampuniert wurde...........

x-berg
43

durch die westliche propaganda...aha. wer mit dem finger auf andere zeigt, hat vier finger, die auf ihn zurück deuten.

das größte problem serbiens ist nicht die zum teil einseitige berichterstattung in westlichen medien (die ich gar nicht bestreiten will), sondern die fehlende selbsterkenntnis über die eigene mitschuld am geschehenen in den 90er jahren im ehemaligen jugoslawien.

Joe Dalton
01

Haben nicht die Kriege in Bosnien und Kosovo ein bisschen zu dem negativen Bild beigetragen?

p c2
32

nein. die medien die grösstenteils stuss schrieben.

Der_Klingone
03
Natürlich haben sie das.

Man muss sich nur fragen, wie diese Kriege das Ansehen einer Konfliktpartei total schädigen und das einer anderen verbessern konnten. Trotz manigfaltiger Hinweise darauf, daß eine Gleichbehandlung aller Parteien durchaus fair und angebracht wäre in Anbetracht dessen, wer sich was wann und wieso angetan hat.

Old Surehand
00
25.11.2008, 13:57
Gleichbehandlung

heisst allerdings nicht Gleichmachung.

Joe Dalton
00

Ich bemühe mich zumindest, mit den mir zur Verfügung stehenden Informationen ein einigermassen faires Bild zu machen. Srebrenica und Vukovar machen es schwer, in Serbien ein unschuldiges Medienopfer zu sehen. Wobei ich weit davon entfernt bin, alle Serben dafür haftbar zu machen. Die allermeisten waren wohl uninformiert, oder nahmen an, bei den Berichten handelte es sich um Propaganda der Gegenseite.

Stani83
00
14.7.2008, 14:25
Ihr Bemühen in aller Ehren aber das ganze Bemühen bringt nix wenn man immer nur die eine Seite hört und nie die Andere

Irgendwann fängt man an an das zu glauben obwohl man kritisch und objektiv sein will. Das beste Beispiel sind die von Ihnen angeführten Ortschaften. Keine Frage in Vukovar sind ganz schlimme Sachen passiert. Ein Verwandter von mir war dort als Wehrdiener in Reihen der JNA und selbst er meinte dass es ganz schlimm zuging allerdings auf beiden Seiten. Hört man aber von Vukovar wird nur auf die serbischen Verbrechen hingewiesen. Gleiches gilt für Srebrenica.bis 1995 kamen 100e, manche sprechen sogar von über 3000 serbischer Zivilisten bei Massakern rund um Srebrenica ums Leben. Davon weiß kein Schwein was. Wenn alle Verbrechen an Serben in den Medien untergehen ist es kein Wunder dass die Leute solch eine Meinung haben wie Sie

dr. kokos
 
00

bildbeschriftung ist verkehrt.

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