Ex-Premierminister flüchtet nach London

11. August 2008, 20:02
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Thaksin Shinawatra entzieht sich Korruptionsverfahren

Die Nachricht wurde an thailändische Medien gefaxt und war vom ehemaligen Premier Thailands per Hand geschrieben: Er, Thaksin Shinawatra, kehre nicht nach Thailand zurück. Er halte die gegen ihn laufenden Gerichtsverfahren für unfair und politisch motiviert. In England, wo er von nun an mit seiner Familie leben werde, habe die Demokratie einen höheren Stellenwert als in Thailand. In seiner Heimat wolle man ihn fertigmachen.

Damit wählte der 59-jährige Politiker zum zweiten Mal London als Exil. Schon nach dem Militärputsch im Herbst 2006, bei dem er wegen angeblicher Korruption aus dem Amt gejagt wurde, hatte er sich dorthin abgesetzt. Thaksin besitzt den Fußballklub Manchester City und in London Immobilien. Heuer im Frühjahr kehrte er nach Thailand zurück - wohl wissend, dass eine Reihe von Gerichtsverfahren gegen ihn und seine Frau eröffnet werden würden. Er hatte die Auflage vom Gericht, sich Montag früh nach einem Wochenendtrip zur Eröffnung der Olympischen Spiele zu einer Anhörung vor dem Obersten Gericht in Bangkok einzufinden. Er hätte zu dem Vorwurf Stellung nehmen sollen, ob er in seiner Amtszeit als Premierminister dafür gesorgt habe, dass seine Ehefrau Pojaman ein Grundstück in Staatsbesitz und in allerbester Lage zum Spottpreis erwerben konnte. Thaksin hat sämtliche Vorwürfe bestritten.

Das Oberste Gericht reagierte am Montag sofort auf die Flucht der Familie und erließ Haftbefehle. Die Verfahren werden nun in Abwesenheit fortgeführt. Mit der Flucht nach London tritt jener Selfmade-Milliardär von der politischen Bühne Thailands ab, der über Jahre die Geschicke und die Befindlichkeit des Landes dominiert hatte. Die Börse in Bangkok hat nach schweren Verlusten in den vergangenen Monaten sofort mit einem deutlichen Plus reagiert. Die jetzige Regierung unter Samak Sundaravej vereint aber nach wie vor jede Menge ehemalige Minister und Mitarbeiter Thaksins. (Andrea Waldbrunner aus Bangkok /DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2008)

 

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