Tschechien: Aufmarsch vor Roma-Schulen

von Redaktion  |  04. Juli 2008, 08:33

Nationalpartei grenzt sich von Neonazis ab

Egal, ob gewalttätige Ausschreitungen beim ersten öffentlichen Marsch von tschechischen Schwulen und Lesben in Brünn (Brno) vergangenes Wochenende oder Patrouillen von Mitgliedern der "Nationalen Garde" vor einer Schule im westböhmischen Karlovy Vary (Karlsbad): Tschechiens nationalistische Rechte schaffte es, in den vergangenen Tagen die Aufmerksamkeit auf sich zu richten.

Beide Ereignisse machten deutlich, dass es in Tschechiens extremer Rechten deutliche Unterschiede gibt. Bei den tätlichen Angriffen auf die Schwulenkundgebung waren vor allem Anhänger von neonazistischen Gruppen, insbesondere von "Odpor" ("Widerstand" ) federführend, deren ideologische Ausrichtung mit jener von deutschen Neonazis identisch ist. In Karlsbad wiederum "bewachten" Mitglieder der "Nationalen Garde", einer Schutztruppe der rechtsextremen tschechischen Nationalpartei, die Grundschule in einem Problemviertel, wo es in letzter Zeit zu Übergriffen von Roma auf Nichtroma gekommen ist.

Die Nationalpartei versucht sich auf diese Weise von der Neonaziszene zu unterscheiden. Besonderen Wert legt sie auf ihren "tschechischen Charakter" , womit der Unterschied zu den "großdeutschen Neonazis" hervorgehoben werden soll. Die von der Nationalpartei im Oktober 2007 gegründete Garde soll laut Eigendefinition "dort helfen, wo sich der Staat und das System zurückgezogen haben" . Nach eigenen Angaben hat sie 1000 Mitglieder. Extremismusforscher sind vorsichtiger und schätzen deren Zahl auf maximal mehrere Hundert.

Erstmals trat die Nationalpartei in Erscheinung, als sie gegen ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Roma-Holocaust im südböhmischen Lety protestierte, wo in der NS-Zeit ein Konzentrationslager für Roma errichtet wurde. Den Nationalisten gelang es damals, die öffentliche Debatte zu beherrschen. Am Ende meldete sogar Staatschef Václav Klaus Zweifel an, ob das Lager in Lety tatsächlich ein KZ oder "nur" ein Internierungslager war. (Robert Schuster aus Prag/DER STANDARD, Printausgabe, 3.7.2008)

druckenweitersagen:
posten
10 Postings
Adolf Ogi
07.07.2008 16:02
grossdeutsche Nazi-Tschechen

Sachen gibt's ...

Wlodzimierz b 
04.07.2008 09:57
Hmmm. Kein Aufruf unter den Usern Tschechien...

aber auch Ungarn aus der EU rauszuschmeißen? Ich bin nicht für so eine harte und an der Realität vorbeigehende Maßnahme, aber es muss auf der EU-Ebene sofort gehandelt werden. Man darf den braunen Sumpf (egal welche Tarnung sie verwenden links/rechts) keine Gelegenheit geben sich zu (und das noch vor den Augen der Politik) organisieren. Roma hin Roma her. Die Geschichte darf sich nicht mit den Anfängen wiederholen. Damals haben sie auch nur mit Fackeln marschiert. Dann flogen die Steine und brannten die Synagogen. Was kommt als nächste?. Es ist zum Kotzen immer wieder in 21- ten Jahrhundert zu hören, dass die Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben. Was sind das für Typen, die die Demokratie missbrauchen?. Wo sind die Gesetze?.

na habedere
06.07.2008 21:54
rauswurf

die rechte Szene in Tschechien ist zwar ärgerlich, aber um einiges kleiner als in den meisten anderen EU-Ländern

Wlodzimierz b 
07.07.2008 16:57
Mein Gedanke war allgemein ausgesprochen und...

habe nicht im Sinn meine tschechische Freunde beleidigen. Ich weiß, dass Tschechien nicht das grundsätzliche Problem ist, aber jede Erscheinung einer nicht Toleranz ist mit allen Mitteln zu bekämpfen. Das steht bei mir nicht zur Diskussion.

Raptor Jesus
04.07.2008 00:44
Raub ist Raub

Egal wer's verbrochen hat

Goran Markovic 
03.07.2008 02:54

Erklärt mir bitte jemand was die Roma dazu getrieben hat, die anderen (weißen) in letzter Zeit anzugreifen ?
Ich zähle mich mehr zum linken als zum rechten Lager, aber ich habe das Gefühl das hierzulande alles durch die rosarote Brille gesehen wird.
Wenn dies so war, und manche Roma sich strafbar gemacht haben, dann gehören die zusammen mit Ihren rechten Freunden weggesperrt und zwar für sehr lange, den beide Seiten schürren hier scheinbar Rassenhass der irgendwann explodieren kann

Herr und Frau Österreicher
03.07.2008 10:56

und wie kommen sie auf die idee, dass die roma aus rassistischen motiven angegriffen haben?

ueberleser 
03.07.2008 12:15

es ist rassistisch anzunehmen, dass roma nicht rassistisch sein könnten ... blödheit gibt's überall.

außerdem darf man nicht vergessen, dass die tschechen immer noch mit den nachwirkungen der verfehlten minderheitenpolitik der kommunisten zu kämpfen haben. da wurde brutalst zwangsassimiliert, wodurch das zusammelnleben roma-nichtroma defacto noch schwieriger wurde. denn die folgen sind eben, dass kriminalität und gewalttätigkeit unter den roma zur zeit wirklich sehr hoch sind.
der eigentliche skandal ist, dass die politik das feld privaten wachtrupps überlässt.

Joseph EU  
03.07.2008 09:45
Da haben sie 100 pro recht.....

ich zähl mich auch zum linksliberalen Lager aber alles mit der Opferthese erklären zu wollen bis hin zu tätlichen Angriffen, Raub etc.....das ist nicht rosarote Brille - das IST idiotisch .....und fördert den Rassismus zusätzlich -
pfui !!!

Ava Tar
02.07.2008 21:31
In allerhöchster Not können wir schüssel wieder ausgraben

Für den ist Berlusconi ein "lieber Silvio" und der Klaus auch ein Partner.

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.