Nationalpartei grenzt sich von Neonazis ab
Egal, ob gewalttätige Ausschreitungen beim ersten öffentlichen Marsch von tschechischen Schwulen und Lesben in Brünn (Brno) vergangenes Wochenende oder Patrouillen von Mitgliedern der "Nationalen Garde" vor einer Schule im westböhmischen Karlovy Vary (Karlsbad): Tschechiens nationalistische Rechte schaffte es, in den vergangenen Tagen die Aufmerksamkeit auf sich zu richten.
Beide Ereignisse machten deutlich, dass es in Tschechiens extremer Rechten deutliche Unterschiede gibt. Bei den tätlichen Angriffen auf die Schwulenkundgebung waren vor allem Anhänger von neonazistischen Gruppen, insbesondere von "Odpor" ("Widerstand" ) federführend, deren ideologische Ausrichtung mit jener von deutschen Neonazis identisch ist. In Karlsbad wiederum "bewachten" Mitglieder der "Nationalen Garde", einer Schutztruppe der rechtsextremen tschechischen Nationalpartei, die Grundschule in einem Problemviertel, wo es in letzter Zeit zu Übergriffen von Roma auf Nichtroma gekommen ist.
Die Nationalpartei versucht sich auf diese Weise von der Neonaziszene zu unterscheiden. Besonderen Wert legt sie auf ihren "tschechischen Charakter" , womit der Unterschied zu den "großdeutschen Neonazis" hervorgehoben werden soll. Die von der Nationalpartei im Oktober 2007 gegründete Garde soll laut Eigendefinition "dort helfen, wo sich der Staat und das System zurückgezogen haben" . Nach eigenen Angaben hat sie 1000 Mitglieder. Extremismusforscher sind vorsichtiger und schätzen deren Zahl auf maximal mehrere Hundert.
Erstmals trat die Nationalpartei in Erscheinung, als sie gegen ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Roma-Holocaust im südböhmischen Lety protestierte, wo in der NS-Zeit ein Konzentrationslager für Roma errichtet wurde. Den Nationalisten gelang es damals, die öffentliche Debatte zu beherrschen. Am Ende meldete sogar Staatschef Václav Klaus Zweifel an, ob das Lager in Lety tatsächlich ein KZ oder "nur" ein Internierungslager war. (Robert Schuster aus Prag/DER STANDARD, Printausgabe, 3.7.2008)