Tödlichstes Vierteljahr für US-Truppen und Afghanen

8. August 2008, 14:43
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In Mai, Juni und Juli starben 65 US-Soldaten und mindestens 600 Zivilisten

Kabul - Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich im zweiten Quartal rapide verschlechtert: Für die dort stationierten US-Soldaten war es sogar das tödlichste Vierteljahr seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Oktober 2001. In Mai, Juni und Juli wurden in Afghanistan 65 US-Soldaten getötet. Die Zahl der Toten in der Zivilbevölkerung nahm in ersten Halbjahr um 30 Prozent zu: Mindestens 600 wurden bei Angriffen und Anschlägen getötet, 128 davon bei US- oder NATO-Einsätzen. Das geht aus Zahlen hervor, die die Nachrichtenagentur AP bei der internationalen Schutztruppe ISAF und afghanischen Behörden gesammelt hat.

Der Afghanistan-Einsatz ist inzwischen für US-Soldaten gefährlicher als der im Irak: Im Juli wurden erstmals seit fünf Jahren mehr US-Soldaten in Afghanistan als im Irak getötet. Mit 33.000 Mann sind so viele US-Soldaten in Afghanistan stationiert wie noch nie zuvor. Die Entwicklung hat in den USA Rufe laut werden lassen, die Truppenpräsenz aufzustocken - auch bei den Präsidentschaftsbewerbern.

Truppenverstärkung genehmigt

US-Verteidigungsminister Robert Gates stimmte unterdessen einem Vorschlag der Regierung in Kabul vor, die Zahl der afghanischen Soldaten von bisher geplanten 80.000 auf rund 122.000 zu erhöhen. Das würde die USA in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Dollar kosten, berichtete die Zeitung "New York Times" am Donnerstag.

In Nordafghanistan wurden Freitag früh Deutsche beschossen, meldete "Spiegel Online". Ein Jeep mit mehreren Mitarbeitern der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sei in der Nähe der Provinzhauptstadt Kundus, in der auch die Bundeswehr stationiert ist, von einem Schützen auf einem Motorrad beschossen und beschädigt worden. Verletzt worden sei niemand. Das Entwicklungsministerium in Berlin bestätigte einen Zwischenfall. Die Kreditanstalt fördert im sogenannten Regional Command North (RC North) mehrere Projekte, unter anderem zur Förderung der Bildung und des Ausbaus der Infrastruktur.

Erst am Mittwoch war in der Region ein Konvoi der Bundeswehr von einem Selbstmordattentäter angegriffen worden. Der Mann hatte sich den deutschen Fahrzeugen ebenfalls auf einem Motorrad genähert. Von der Explosion wurden drei Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer. Die Soldaten sind inzwischen zur medizinischen Behandlung zurück in Deutschland. (APA/AP)

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