Empfehlungen aus den österreichischen Salon-Weinen 2008
Dieser Tage wurden jene 260 Weine vorgestellt, die in den erlauchten Kreis der Salon-Weine aufgenommen wurden bzw. es auch auf die Siegertreppe einer Kategorie geschafft haben. Dass jene Tropfen, die sich „Salon-Weine“ oder sogar „Salon-Sieger“ nennen dürfen, mehrere Verkostungsdurchgänge durchlaufen und sich gegen viele, viele Konkurrenten behauptet haben, wird von den Organisatoren, der Österreichischen Weinmarketing (ÖWM), oft und völlig zu Recht betont. Ebenso wie die Tatsache, dass sich immer viele aufstrebende Talente an dieser Prämierung beteiligen, sofern sie die Bedingungen erfüllen (Der Wein muss z.B. auch in einer gewissen Menge vorhanden sein, um Markt und etwaige Nachfrage auch noch über mehrere Monate hinweg bedienen zu können und um nicht nur Show-Wein zu sein).
Weißwein angekommen
Die Auswahl, die im Casino Baden präsentiert wurde, belegte jedenfalls, dass Österreichs Weinwirtschaft bei Weißweinen in der Oberliga angekommen ist und ihren Platz gefunden hat, auch wenn viele der absoluten Top-Winzer bei dieser Art von Wettbewerb nicht mehr mitmachen. Die Klarheit der Weinstile, Rebsortenausprägung - egal ob es sich um regionale Spezialitäten wie Veltliner, Zierfandler, Rotgipfler oder um internationale Sorten wie Chardonnay, Weiß-, Grauburgunder etc. handelt - und immer stärkere regionale Typizität sind alles in allem völlig überzeugend, auch wenn sehr vereinzelt Weine dabei waren, deren Salon-Wein-Status anhand dieser gestern verkosteten Probe nicht nachvollziehbar war (Betonung liegt übrigens auf „sehr“ vereinzelt).
Bitte warten!
Wünschenswert wäre in weiterer Folge nur noch, dass die Bemühungen verschiedener Winzer, „fertige“ im Sinne von voll durch den Weinwerdungsprozess gegangene Weine auf den Markt zu bringen, auch von den Weinfans stärker honoriert werden würde. Das heißt, dass man den Wein nicht nur wachsen und werden lassen muss, sondern ihm vielleicht auch noch etwas Zeit in der Flasche gönnt, um ihn nach Vinifikationsprozess und Füllung zu „beruhigen“. Das Beispiel von Gernot Leitners Weißburgunder 2002 und 2006 (vor einigen Wochen hier als Tipp abgehandelt) zeigte es: Beide Weine hatten Großartiges anzubieten, 2002, immerhin sechs Jahre „alt“, konnte mit der Frische des 2006-er Jungspundes problemlos mithalten. Bei 2006 kam allerdings, bei besten geschmacklichen Anlagen und einer freudvollen Zukunft, zum Zeitpunkt der Verkostung ein gewisser Schmirgelpapier-Faktor dazu, den ruhigere, gereiftere (nicht alte!) Weine einfach nicht mehr haben. Logischerweise bedeutet dies, dass Weißweine auch deutlich später als Jänner, Februar des auf die Ernte folgenden Jahres auf den Markt kommen dürfen.
Auch angesichts der immer stärkeren Bio-Welle im Weinbau sind die Präsentationszyklen und Markteintrittszeiten zu überlegen: Die Weine brauchen im Normalfall etwas länger für die Weinwerdung und sollen Weinfans vor allem schmecken und überzeugen, dass bio gut ist. Natürlich unter Einbeziehen der wirtschaftlichen Gegebenheiten in einem Betrieb.
Besonders schön bei der Verkostung im Casino Baden zeigten sich ein feinfruchtiger Grüner Veltliner Spiegel 2007 vom Weingut Rabl aus Langenlois (Kategorie Gr. Veltliner klassisch bis 12,5 % Alk), das übrigens auch mit einem Riesling Schenkenbichl 2007 beeindruckte. Unter den kräftigen Grünen Veltlinern gefielen Rudolf und Anita Schwarzböcks Veltliner Hölle 2007, der einiges Potenzial birgt, Josef Schmids Kremstal DAC Pfarrweingarten 2007 mit feiner Mineralik und viel Eleganz, sowie Ilse Maiers Geyerhof Grüner Veltliner Steinleithn 2007, der wieder einmal einfach ein schöner Prototyp dieser Klasse ist.
Sehr überzeugend auch Grüner Veltliner Steinberg 2007 vom Weinberghof Fritsch aus Kirchberg am Wagram, der schlicht so schmeckt wie er heißt: steinig-mineralisch, mit viel Tiefgang und Ausgewogenheit. Markus Huber belegte seinen Ruf als Traisental-Shooting Star mit dem Riesling Traisental DAC Berg 2007, der seine Restsüße elegant in die Mineralik einbaut.
Outstandig unter den klassischen Burgundersorten war Potzingers Weißburgunder Ratsch 2007 (Südsteiermark) in punkto Typizität und Balance, der die Kategorie auch gewann. In der Kategorie „Sortenvielfalt“ (die keinen Salon-Sieger kürt, da man Zierfandler, Gemischten Satz und Traminer nur ganz schwer vergleichen kann) höchst positiv: Stefan Hajszan aus Wien mit dem höchst lebendigen Gemischten Satz Weissleiten 2007, Karl Alpharts Rotgipfler Rodauner 2007 der Marke „Reife Birne mit zart-würzigem Exotik-Touch“ und der Gelbe Traminer Röhrl 2007 von Gießauf-Nell aus der südoststeirischen Traminer-Hochburg Klöch, der wie auch immer die numerischen Restzucker, Säure oder sonstigen Werte sein mögen äußerst ausgewogen, fast trocken anmutend schmeckt und hinreißend nach verblühenden Rosen duftet.
Rotwein „work in progress“
Nicht ganz so euphorisch fällt die Bilanz für die Rotweine aus. Rotwein in Österreich - bei aller internationalen Anerkennung, die derzeit für die Spitzenprodukte immer öfter kommt - ist immer noch „work in progress“. An der Spitze etabliert sich derzeit Blaufränkisch mit einem neuen Verständnis der Rebsorte in einem geradlinigeren, puristischeren und nicht „übervinifizierten“ Stil, gefolgt von Zweigelt und Sankt Laurent. Die Entwicklung ist eine logische und eine Frage von wachsender Erfahrung, Bewusstseins- und Vertrauensbildung in die eigenen Fähigkeiten und in eine Sorte, der man bis vor fünfzehn, zwanzig Jahren nur sehr vereinzelt Großes zugetraut hatte. In der Salon-Bewertung, wo man lieber noch an den bewährten Power-Weinen festhält, spiegelt sich dieser Stilwandel, der erst langsam in Gang kommt und wie gesagt nicht nur Blaufränkisch betrifft, noch nicht oft wieder.
Unter den in Baden präsentierten Rotweinen fielen vor allem jene auf, die aus den Reihen der „üblichen Verdächtigen“ stammten: z.B. Leithaberg rot 2005 von Erwin Tinhof, hochelegant, fein, zurückhaltend-mineralisch, aber nicht Kategorie-Sieger bei Blaufränkisch klassisch, ein ungefilterter Blaufränkisch Königsberg 2007 von Uwe Schiefer aus dem Südburgenland, der bei besten Anlagen und Aussichten derzeit noch etwas ruhebedürftig scheint, und Sankt Laurent Goldberg 2005 von Birgit Braunstein. Schiefer und Braunstein, deren Weinstile genau zu dieser neuen Rotwein-Richtung passen, wurden übrigens von Fachpresse und Sommeliers als „Salon-Auserwählte“ nominiert und sind in den Kategorien „Blaufränkisch Reserve“ bzw. „St. Laurent“ zu finden. „Legends“ 2005, Sieger der Cuvée-Kategorie, ist unerwartend zurückhaltend, da man von Erich Scheiblhofer durchaus Kraft-Weine erwarten darf. Bei den Pinot Noirs, die in der Kategorie „Sortenvielfalt rot“ antreten, zeigt sich mehr Mut zur hellen Farbe und feinen Struktur, was bei österreichischen Pinots nicht immer der Fall war: Hier gefiel Pinot Noir 2004 vom Weingut Zull, nicht zuletzt wegen seines verführerischen Zustandes der beginnenden Trinkreife. (Luzia Schrampf)