Diese Methode ist auch sehr effizient. So erfährt es ein beträchtlicher Teil der Österreicher. Die Krone hat 43 Prozent Reichweite. Das erreicht keine der beiden Volksparteien. Das dürften sich Werner Faymann und Alfred Gusenbauer gedacht haben, als sie den dramatischen Schwenk der EU-Politik der SPÖ Krone-Herausgeber Hans Dichand in einem Brief mitteilten. Es reicht ja, wenn Dichand Bescheid weiß.
Praktischerweise soll der von Faymann "Onkel Hans" titulierte Herausgeber auch gleich selbst mitgeschrieben haben, damit alles auf Linie ist: Es muss eine Volksabstimmung für einen neuen EU-Vertrag geben! Der österreichische Arbeitsmarkt muss durch Übergangsfristen geschützt werden! Im Rahmen des Kampfes gegen den Klimawandel muss auch das Transitproblem endlich gemeinsam gelöst werden!
Das ist sehr praktisch gedacht: Mit so einem Vorgehen erspart man sich als Politiker Diskussionen, die die Demokratie mit sich bringt. Es reicht für ein kleines Land auch der Diskurs, der auf den Leserbriefseiten des Kleinformates ausgetragen wird.
Noch einfacher wird es, wenn Dichand alleine seine Sicht der Dinge diktiert und ins Blatt stellt. So wie am vergangenen Freitag, als er unter seinem Pseudonym Cato allen mitteilte, worin "unser Zorn", so der Titel des Kommentars, besteht. Der Volkszorn richtet sich bekanntlich gegen die EU: "Unser Zorn ist groß. Wir glauben jedoch fest, dass wir den Wettlauf gewinnen müssen, denn auf unserer Seite ist das Recht, wie es in der Verfassung steht."
Dichand ist also auch noch die übergeordnete Verfassungsinstanz in diesem Lande. Der effizientere Weg wäre, wenn Exekutive, Legislative und Judikative gleich ihren Platz räumten. Dann wäre endgültig klar: "Onkel Hans" regiert die Republik.
Das tat er bisher auch schon, wie Zuschauer wissen, die die Dokumentation "Kronen Zeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück" gesehen haben. Der Film der Belgierin Nathalie Borgers zeigt Dichand 2002 mit dem damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil in der Hofburg beim gemeinsamen Guglhupf-Essen. Bis heute hat der ORF den Film nicht ausgestrahlt.
Dass er "lieber zu Hause seinen Hund streichelt, als politische Macht auszuüben", wie Dichand einmal behauptete, hat ihm ohnehin niemand geglaubt. 1996 wähnte sich Dichand noch "Im Vorhof der Macht" - so der Titel des von ihm herausgegebenen Buches.
Jetzt scheint er schon weiter zu sein, dank des neuen SPÖ-Chefs Faymann. Dem soll er - als Gegenleistung für die 180-Grad-Wendung in der EU-Frage - versprochen haben, ihn zum Kanzler zu machen. Dauergast auf den Krone-Seiten ist er ohnehin schon. Nur noch ein paar bezahlte Inserate dazu, fertig ist die Kampagne!
Dass Gusenbauer diesen Kotau mitmacht, zeigt, dass er sich an sein Amt klammert. Seine dem Standard gegebene Begründung, dass dieser Schwenk "kein Kniefall vor der Kronen Zeitung, sondern eine Reaktion auf die geringe Zustimmung der Bevölkerung zur EU ist, wozu die Kronen Zeitung möglicherweise beigetragen hat", ist eine Beleidigung nicht nur für seine Intelligenz.
Womöglich ist das eine Vorbereitung auf eine rot-blaue Koalition. Wenn Dichand das will. Wir werden es erfahren. In der Kronen Zeitung. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2008)
ÖVP und SPÖ begeben sich auf einen Kurs, den Strache und die FPÖ vorgeben
Auch bei den Salzburger Festspielen hat niemand nichts Genaues wissen wollen
Politiker, Banker und Manager haben keine Lehren aus der Finanzkrise gezogen
Mit Glamour und Klamauk wird über die Inhaltslosigkeit hinweggetäuscht
Seit Jahrzehnten verhindern Parteien Aufklärung über ihre Geldflüsse
Vom fehlenden Mut zu einer Integrationspolitik profitieren die rechten Parteien
Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung werden Bürgerrechte beschnitten
Die Regierung muss erklären, wie sie das Budget sanieren will
Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!und dass eine zeitung mit 43 % reichweite
politik-MACHT ist auch nix neig`s...
der stand.arT sollte sich, insoferne er den selbstgestellten qualitätsanspruch nicht längst über bord geworfen hat, der finanzkritik...
vor allem aber der aufklärung über das
völlig korrupte geldsystem ( ! ) widmen.
unabhängig davon, ob der herausgeber...
sich bei den bilderber... instrumentalisieren lässt.
Fällt es Euch gar nicht auf, dass Ihr gerade dasselbe macht wie die Krone, nämlich massiv kampagnisieren, teils sogar mit irreführenden Überschriften?
Dürft Ihr das, weil Eure Sache die gerechte ist?
Oder ist es nicht so schlimm, weil Ihr nicht die Potenz (=Reichweite) habt?
Und so ein Zufall! Mein nagelneuer Nick trifft den Nagel auf den Kopf.
eigenartigerweise posten wir beide da in einem bereich der mit "kommentar" betitelt wird
wieso soll das da dieselbe schublade sein? oder ist es das nur weils nicht mit ihren ansichten übereinstimmt?
wenn ich nur meine eigene meinung bestätigt sehen möchte würd ich mit dem zeitungslesen aufhören
Wenn ich nur an genau einer Meinung interessiert bin, kann ich genau so gut die Krone lesen.
Es kommt Ihnen nicht fragwürdig vor, dass es hier keine einzige Stimme gibt, die hier keinen Kotau und keine Katastrophe erblicken kann, bzw. dass ein Artikel, überschrieben in etwa mit "Kritik aus den eigenen Reihen", mehrheitlich positive Reaktionen enthält?
Wenn nicht, dann interessiert Sie Meinungsfreiheit offenbar auch nur, so lang es sich um Ihre eigene Meinung handelt.
Der Alte im Vorhof bleibt der Alte im Vorhof, mag es dort noch so viele abgegriffene Türschnallen geben. Und mag Faymann ihn auch tatsächlich "Onkel" nennen.
Zweitens sind die LeserInnen der Krone nicht nur hinsichtlich ihrer Vielzahl und ihrer Ressentiments ein Phänomen. Im Unterschied zu LeserInnen so genannter Qualitätszeitungen, die über 90% ihrer Lektüre für wahr halten, glauben das nur zwei Drittel, wenn nicht weniger, LeserInnen der Kronen-Zeitung.
Weil so viele über die Krone schimpfen:
„Es gibt zu diesem Zeitpunkt der Weltgeschichte in Amerika nichts, was eine unabhängige Presse wäre. Das Gewerbe des Journalisten ist auf die Zerstörung von Wahrheit aus, umstandslos zu lügen, zu verdrehen, zu verleumden und zu Füßen de Mammons zu kuschen sowie sein Land und seine Leute für das tägliche Brot zu verkaufen. Sie liebe Freunde, wissen das, und ich weiß es ebenso. Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern im Hintergrund. Wir sind Marionetten; sie ziehen die Fäden, wir tanzen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unser Leben sind das Eigentum dieser Männer. Wir sind nichts als intellektuelle Prostituierte.“
Das schlimme an der Medienlandschaft im ganzen Westen (andere Regionen sollen jetzt kein Thema sein) ist, dass sie verfilzt ist, über komplizierte, teils verschleierte Besitzverhältnisse, teils über Netzwerke. Der Herr Dichand hat wenigstens ein Gesicht, man weiß woran man ist, was aber hat den zb der Herr Bronner bei den intransparenten Bilderbergern verloren? Im „Hintergrund“ der Krone zieht der Herr Dichand die Fäden, wobei die 50% Eigentümerin WAZ möglicherweise einen neuerlichen Versuch macht, auf die Blattlinie einzugreifen.
Dieser Filz ist das schlimme, nicht das der Verleger nur annähernd Gleichgesinnte duldet- das ist bei transparenter, pluralistischer Medienlandschaft auszuhalten.
John Swinton, früherer Herausgeber „The New York Times“, 1953 während des Abschiedsbanketts zu seinen Ehren im „New York Presse Club“
Mag das auch humoristisch gemeint gewesen sein, ich würde dass dann Galgenhumor nennen.
Oscar Bronner hat 2005 an der für seine Transparenz bekannten Veranstaltung der Bilderberger teilgenommen
Quelle für beides: „Der Welt-Geldbetrug erweiterte Ausgabe von „Wie kann der Mittelstand die Globalisierung bestehen“ “ Eberhard&Eike Hamer (Hrsg.) Aton Verlag.
Der grüne Co-Vorsitzende Daniel Cohn-Bendit nannte Gusenbauers Ankündigung "substanzlos". "Das ist einfach Null. Er weiß genau, dass es keine Änderungen am Lissabon-Vertrag geben wird." Dennoch sei er "sprachlos", so Cohn-Bendit: "Wenn Politiker anfangen, Politik mit dem Boulevard zu machen, sollen sie gleich abdanken."
Gusenbauer und Faymann=OO
Die Macht von Dichand besteht aus der Angst vor ihm. Schüssel hat sehr wohl gegen Dichand's Wünsche Politik gemacht - und wurde trotzdem wiedergewählt! Faymann wird schrecklich Schiffbruch erleiden mit seiner neuen angestrebten Position als Kisterl von Dichand's Hund. Zumal die Leute nicht vergessen haben, daß die SPÖ sowieso Jedem Alles verspricht - und dann bereit ist, jedes Versprechen zu brechen, wenn's nur dem eigenen Penthouse bzw dem Machterhalt nützt. Für jede Partei, die glaubwürdig und ehrlich Politik macht, ist die Chance groß wie nie - schade, daß es gerade jetzt keine (wirtschafts-)liberale Alternative gibt.
P.S.: Abgesehen von allem anderen löst sich das "Problem" Dichand bald sowieso rein biologisch...
Ich weiß nicht was schockierender ist, die Tatsache, dass die Kanzlerpartei den Anschluss an die Kronenzeitung vollzogen hat und damit denendgültigen Wechsel von der Demokratie zur Mediendiktatur, oder die Tatsache, dass die Menschen auf den Straßen stehen und den Anschluss bejubeln.
Dichand möchte sein Lebenswerk verwirklichen! Er will nicht im "Vorhof der Macht" enden! Sein Weg soll ihn "Ins Zentrum der Macht" führen!
Mit Faymann an der SPÖ-Spitze hat er es nun wohl oder übel geschafft! Ach du Österreich, dir bleibt aber auch wirklich nichts erspart (auch wenn es nur die klein-formatige Zeitung wäre)!
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