Stickler und Ludwig sind ein eingespieltes Team - von Johann Skocek
Österreichs Fußballteam hat sich, wie es strebsamen Kindern zusteht, während der EURO die Zuneigung der Großen erworben. Jetzt bewährt sich die Professionalität des
ÖFB-Präsidenten, des Generalsekretärs, der Bundesliga-Führung und des ÖFB-Präsidiums mit den Landesverbandspräsidenten. Was können Präsident Friedrich Stickler und Generalsekretär Alfred Ludwig denn dafür, dass Ex-Teamchef Josef Hickersberger während der EURO ein ÖFB-Angebot nicht annahm? Vielleicht war das Angebot so, dass man es nur ablehnen konnte?
Wer kann behaupten, ein "Plan B" im ÖFB existiere nicht? Kaum hatte Hickersberger nach der EURO die erste Gelegenheit zum Nachdenken ergriffen und das Ende seiner Teamcheftätigkeit erklärt, wurde eine Sitzung einberufen! Bis Ende Juli soll der neue Teamchef erkennbar sein. Bleibt mehr als ein Monat bis zur WM-Quali. Professionalität pur. Sie sollte nicht überraschen. Stickler und Ludwig sind ein eingespieltes Team. Im ÖFB spielt Stickler den Chef, der dem Generalsekretär Ludwig die Arbeit anschafft (die Gerüchte, es wäre - auch - umgekehrt, weisen auf eine moderne, flache Hierarchie hin). In den Österreichischen Lotterien werkt Stickler als Stellvertreter von Generaldirektor Karl Stoss. Ludwig wiederum sitzt im Aufsichtsrat der Lotterien, kontrolliert also praktischerweise seinen Chef. Wenn das kein Zeichen blinden Vertrauens ist, was dann?
Der Präsident des größten Sportverbandes des Landes, des ÖFB, ist einer der Chefs der staatlichen Glücksspielverwaltung, die sich von jeher als einer der Hauptfinanziers des organisierten Sports bewährt. Eben: Vor wenigen Wochen schloss die Fußball-Bundesliga einen Sponsorvertrag mit tipp3 ab. Das ist eine Aktivität der Österreichischen Sportwetten GmbH. Diese gehört zu 56 Prozent einer "Entertainment Glücks- und Unterhaltungsspiel GmbH", einer Tochter von Casinos Austria und Lotterien. Die Mediaprint hält an der Sportwetten GmbH 26 Prozent, eine "Bundesländerverlage Beteiligungsgesellschaft" unter Führung der Styria 18 Prozent. Einer der drei Sportwetten-Geschäftsführer heißt Stickler. So etwas heißt Synergie.
Insofern ist es verständlich, dass die Bundesliga bei der Teamchef-Bestellung mitredet. Sie kann nicht riskieren, dass der umtriebige ÖFB-Präsident und Chef des Ligasponsors den Teamchef allein kürt und dabei nicht einmal von seinem Generalsekretär beaufsichtigt wird. Sticklers vermeintliche Schwäche, die Weigerung, den Teamchef allein zu bestimmen, ist Rücksicht auf die Geschäftspartner. Die Teamchefkommission ist nur eine vorübergehende Aktivität einer Sozialpartnerschaft im Fußball, die ihn hoffentlich dauerhaft von einem Glücksspiel zum Glücksfall für alle Beteiligten macht. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 27. Juni 2008)