Zahlenmystik zwischen Fußball und Pommes - Von Eva Rossman
Es gibt welche, die denken bei 11er nur an Pommes Frittes, ein erdäpfelartiges Produkt, das gefroren aus großen Säcken geschüttet, bei Feuerwehr- und anderen Dorffesten verarbeitet wird. Und am 11. 11. um 11 Uhr 11 ist Faschingsbeginn. Warum? Das beschäftigt mich jedes Mal, wenn meine Digitaluhr 11 Uhr 11 zeigt, was ich seltsamerweise recht häufig bemerke. Ich habe es trotzdem nie recherchiert, weiß daher nicht, ob ich es herausgefunden hätte.
Und, ja natürlich, über den Elfer ist ein berühmtes Buch geschrieben worden, berühmt nicht, weil es so viele Menschen gelesen haben, sondern weil der Titel zum Zitat verkommen ist. Wurde wohl früh in eine der Sammlungen aufgenommen, auf die Politiker und launige Funktionäre gerne zurückgreifen. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Du ganz allein im Tor und da draußen einer, der einschießen will. Wie groß so ein Tor wird. Universumsgroß. Allein. Auf sich gestellt. Abwehren müssen.
Kennen nicht nur Ballprofis. Schlimmer nur, wenn die was verelfern, die eigentlich treffen müssten. Mathematura trotz beständigen Zweiers verhaut. Krimipreis, obwohl angeblich Favoritin, wieder nicht bekommen. Vielleicht fühle ich deswegen mehr mit den Elferschützen als mit dem Tormann. Weil es oft schwieriger ist, das beinahe Selbstverständliche zu schaffen als das jedenfalls Außergewöhnliche. Davor sicher ist nur der Funktionär. Einer, der weder verteidigt noch angreift, sondern einfach da ist und im Anzug, ohne zu schwitzen, Fragen nicht beantwortet, die wahrlich keine 11er-Fragen sind.
Vor kurzem, es war beim Match Italien - Spanien, das ich mir in einer venetischen Osteria angesehen habe: Elferschießen. Mit angehaltenem Atem sehen wir zu. Der entscheidende Schuss. Der Tormann in höchster Konzentration. Am Elfer - unser oberster Fußballfunktionär. Die Frisur leicht verrutscht. Schweißperlen auf der Oberlippe. Alle im Stadion sind aufgestanden. Der Bundespräsident wedelt mit seinem rot-weiß-roten Schal. Der Schütze nimmt Anlauf ...
... ich wache auf und frage mich, ob ich zu viel Porchetta gegessen habe. Wie sonst sollte ich im Traum dem Fußballpräsidenten begegnen? Ich bin mir übrigens sicher: Er hat danebengeschossen. Ich ahne, er wäre über seinen Rücktritt verwundert. Ich phantasiere: Von einem Pflicht-Elferschießen für angehende Fußballfunktionäre und alle, die sich sonst raushalten. Ich weiß, heut Abend esse ich Fisch.
Eva Rossmann ist Autorin und Köchin. Im September erscheint ihr zehnter Mira-Valensky-Krimi. Link: Eva Rossmanns Webseite