Hosenzwang im Erdbeerland

25. Juni 2008, 18:58
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Der Betreiber von zehn niederösterreichischen Erdbeerfarmen verbietet auf seinen Feldern das Tragen von Röcken - Dafür gebe es "hygienische Gründe"

Pottenstein - Es war ein warmer Junitag. Mit großem Appetit auf saftige Erdbeeren stiegen Mutter und Tochter in Wien ins Auto - mit nur einem Ziel: das Erdbeerland in Pottenstein. Doch die kulinarische Reise war direkt am Eingang zum Früchteparadies zu Ende. Die Verkäuferin erklärte den beiden Wienerinnen, dass sie nicht aufs Feld dürften. Der Zutritt werde nämlich "nur in Hosen gestattet - aus hygienischen Gründen".

Als Helmut H., der Ehemann der Mutter, am nächsten Tag hinfuhr und fragte, warum diese Vorschrift verhängt wurde, soll ihm einer der Gehilfen gesagt haben: "Natürlich wegen der Türken." Auf die Bemerkung, dass das fremdenfeindlich sei, soll H. beschimpft worden sein. Das alles schilderte H. dem Standard.

Dieser machte die Probe aufs Exempel: Eine mit einer Hose bekleidete Redakteurin und eine Fotografin im Rock fuhren zum Erdbeerland. Das Schild neben dem Eingang verriet bereits: "Achtung! Der Eintritt wird aus hygienischen Gründen nur in Hosen gestattet!" Bei dem Versuch, trotzdem zu den Erdbeeren zu gelangen, sagte eine Verkäuferin: "Die eine Dame kann ich hineinlassen, aber die andere im Rock nicht." Es folgte ein Hinweis auf die "Hygiene" und die knappe Erklärung, dass es da Vorfälle mit Türkinnen gegeben habe. Was genau damit gemeint sei, solle man den "Chef" fragen.

"Frauen in langen Röcken"

Der "Chef" ist Reinhard Piribauer. Der Landwirt betreibt in Niederösterreich zehn Erdbeerfelder. Auf allen gilt Hosenzwang. Piribauer erklärt, er habe sich die Kleiderordnung einfallen lassen, weil viele seiner Stammkunden ausgeblieben seien. Der Grund: "Sie haben beobachtet, wie Frauen in langen Röcken auf den Feldern ewig lange herumgesessen sind, und man hat nicht genau gesehen, was sie da machen." In den vergangenen vier bis fünf Jahren sei die Stammkundschaft nach und nach nicht mehr pflücken gekommen. Nun sei sie wieder da, und es gebe "jede Menge positiver Rückmeldungen", erzählt Piribauer.

Er habe sich dafür entschieden, dass sein Rockverbot ausnahmslos für alle Röcke gelte, weil er "niemanden diskriminieren" wolle. Muslimische Frauen blieben nun trotzdem nicht aus, sagt der Erdbeerfeld-Betreiber: "Die haben das kleinste Problem damit - sie sind gut informiert. Sie ziehen eine Hose an und dann einen Mantel drüber." Schwieriger sei es mit einigen Österreicherinnen, die wenig Verständnis für die Kleiderordnung auf dem Feld zeigten.

Auf die Begebenheit mit Herrn H. angesprochen, meint Piribauer: Wenn ein Mitarbeiter sich am Standl fremdenfeindlich äußere, sei das "natürlich" problematisch, und das dürfe eigentlich nicht vorkommen. Piribauer entschuldigte sich per E-Mail bei Helmut H. Doch das besänftigte diesen nicht: "Mit dem Rockverbot werden alle Frauen angegriffen", sagt er. Die Aktion sei eine "Frotzelei". Der Nicht-mehr-Kunde hat sich bei Bürgermeistern und beim Land beschwert und wartet auf deren Antworten.(Gudrun Springer/DER STANDARD Printausgabe, 26. Juni 2008)

  • Keine Hose, keine Erdbeeren: Wer auf den Feldern von Reinhard Piribauer Beeren pfücken will, hat eine Hose zu tragen, sonst verstößt er gegen die dortigen "Hygienevorschriften".
    hendrich

    Keine Hose, keine Erdbeeren: Wer auf den Feldern von Reinhard Piribauer Beeren pfücken will, hat eine Hose zu tragen, sonst verstößt er gegen die dortigen "Hygienevorschriften".

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