Marcello Lippi kehrt zurück auf die italienische Kommandobrücke - Der 60-Jährige will das Team verjüngen und rechnet mit langer Amtszeit
Rom – Der Vorgänger von Roberto Donadoni ist auch dessen Nachfolger. Marcello Lippi übernimmt nur eine Woche nach dem EM-Aus Italiens im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen Spanien (2:4) wieder das Amt des Nationaltrainers. Am kommenden Montag soll der 60-Jährige offiziell vorgestellt werden. Sein Auftrag ist es, das Team zur WM 2010 nach Südafrika zu führen.
Donadoni geht - Geld interessiert ihn nicht
Am Donnerstag hat Verbandschef Giancarlo Abete die Trennung von Donadoni bekannt geben. Der 44-Jährige, der sich bis zuletzt vehement gegen Rücktrittsaufforderungen gewehrt hatte, hat sich nach seiner Rückkehr aus Österreich in seine Wohnung in der Nähe Mailands zurückgezogen. In einem Telefongespräch mit Abete hat er auf seine Abfindung in Höhe von 550.000 Euro verzichtet.
"Geld interessiert mich nicht. Wenn ich nicht mehr Trainer der Nationalmannschaft bin, werde ich ohne Abfindung gehen" , sagte der gescheiterte Coach. An sich hatte Donadoni einen Vertrag bis 2010. Doch eine Klausel im Schriftwerk sah vor, dass er zu gehen hat, wenn Italien das Halbfinale der EURO verpasst.
Lippi coacht gegen Österreich
Marcello Lippi wird also schon im Länderspiel gegen Österreich (20. August) sein Comeback auf der Kommandobrücke der Squadra Azzurra geben. Der Weltmeistertrainer von 2006, der nach dem Finalsieg gegen Frankreich am 12. Juli zurückgetreten war, hatte sich zumindest die Option für seine Rückkehr offen gehalten. Chelsea, AC Milan, Juventus Turin, Real Madrid oder der FC Barcelona, sie alle hatten seitdem mit lukrativen Angeboten an die Tür seiner Villa im toskanischen Badeort Viareggio geklopft. Aber sie alle holten sich eine Absage. "Sag niemals nie" , antwortete er dagegen vielsagend auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr als Allenatore der Azzurri vorstellen könne.
1,2 Mille für Lippi
Nach Angaben der Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" vom Donnerstag wird der 60-jährige Lippi 1,2 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Zuvor war kolportiert worden, dass der Toskaner zwei Millionen Euro netto pro Jahr verlangt, doppelt so viel wie Donadoni. Und er will sein eigenes Team aus sieben Mitarbeitern einsetzen. Primäres Augenmerk will Lippi auf die Verjüngung des Teams legen. So soll der 18-jährige Inter-Star Mario Balotelli in die Mannschaft eingebaut werden.
Italienische Medien erwarten sich viel von den Plänen Lippis, der mit seinem Team 2006 bei der WM keinen Gegentreffer aus dem Spiel heraus kassierte. Und sie erwarten eine lange Amtszeit. "In einem Monat lässt sich keine Revolution in die Wege leiten" , schrieb etwa die Gazzetta dello Sport. (sid, krud, DER STANDARD Printausgabe 26.06.2008)