Wer anderen einen Tunnel gräbt

  • Überraschender Durchbruch beim unter-irdischen Bankbesuch: Räuber (Jason Statham, re.) mit Crew in  "Bank Job".
    foto: lunafilm

    Überraschender Durchbruch beim unter-irdischen Bankbesuch: Räuber (Jason Statham, re.) mit Crew in "Bank Job".

Roger Donaldsons Thriller "Bank Job" rekonstruiert den berühmt gewordenen Londoner "Walkie-Talkie-Bankeinbruch"

... an dem über die ausführenden Räuber hinaus noch etliche andere Interessenten beteiligt waren.


Wien – Einen ausgetüftelten Banküberfall durchzuführen verlangt langwierige Arbeitsprozesse. Von der Planung und Festlegung des Ablaufs über das Abwägen aller Eventualitäten bis zur tatsächlichen Aktion müssen unzählige kleine Schritte aufeinander abgestimmt werden. Das Kino hat mit dem "heist movie" – dem Überfallsfilm – eine Erzählform gefunden, die ihre Spannung aus der Darstellung der Ausführung bezieht. Wenn ein Rädchen blockiert, herrscht glanzloses Scheitern.

Beim sogenannten "Walkie-Talkie-Einbruch", der sich 1971 in London zugetragen hat und auf dem nun auch der Film "Bank Job" beruht, handelt es sich um einen speziellen Fall, weil man nicht richtig sagen kann, ob er glückte oder nicht. Die Räuber fliegen zwar auf, weil ihre während des Tunnelgrabens über Funk übertragenen Gespräche von einem fremden Ohr zufällig mitgehört werden. Die Interessenlagen zwischen gerissenen Drahtziehern, respektablen Ausführern und bösen Dunkelmännern sind allerdings so vertrackt, dass es am Ende keine richtige Seite mehr gibt.

Regisseur Roger Donaldson hat bereits mit dem verschachtelten Thriller "No Way Out" und dem Politdrama "Thirteen Days" gezeigt, dass er sich auf das Exekutieren solcher anfangs verworrenen, dann immer brenzligeren Situationen gut versteht. Auch "Bank Job" entwickelt er auf mehreren Ebenen, die er in hektischer Schnittfolge miteinander korrespondieren lässt. Die Gang ist in diesem Gewusel aber nur ein Mittel zu einem anderen Zweck – eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, biegsam und überspannt wie aus einem Film von Howard Hawks, angeführt von einem überschuldeten Mechaniker namens Terry (Action-Star Jason Statham).

Doppeltes Spiel

Die Idee zum Coup liefert Terry das Model Martine (Saffron Burrows), eine Femme fatale, die ein doppeltes Spiel mit ihm treibt. Sie arbeitet in Wahrheit für den britischen Geheimdienst, der über den Umweg des Überfalls an kompromittierende Fotos einer Angehörigen des Königshauses gelangen will. Schließlich – und hier wird es ein wenig verworren – sind da auch noch jene finsteren Figuren, die mittels ebendieser Fotos ihre Stellung in der britischen Unterwelt sichern: der Schwarze Michael X (Peter de Jersey); ein schillernder Möchtegernrevolutionär, mit dessen Vorbild sogar William S. Burroughs befreundet gewesen sein soll; und der Pornoproduzent Lew Vogel (David Suchet), der äußerlich eher an einen konservativen Abgeordneten erinnert.

Donaldson und sein Team haben vor allem viel Arbeit in die visuelle Ausgestaltung des Films gesteckt, in die Rekonstruktion eines 70er-Jahre-Ambientes, das sich von Stathams enganliegender Lederjacke bis in die Barthaare von Michael X erstreckt. In Verbindung mit der Hyperklarheit der HD-Bilder von Kameramann Michael Coulter erscheint der Film wie der Versuch einer Rückeroberung eines ein wenig verstaubten Genres. Ein satirischer Blick auf die Gefälle der britischen Gesellschaft soll hier mit den Erfordernissen eines Thrillers harmonieren.

In "Bank Job" vermag aber weder das eine noch das andere vollends zu überzeugen. Es liegt wohl daran, dass mit der Steigerung des Tempos die Figuren immer vorhersehbarer agieren. Trotz Doppelspiels und Finten, Folter und Korruption fehlt es schlussendlich ein wenig an dem, was einem "heist movie" erst Größe verleiht: der perfekten Ausführung oder dem tragischen Scheitern. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.6.2008)

Share if you care