Eine Botschaft der Gleichheit

Redaktion, 25. Juni 2008, 16:03
  • Artikelbild

Mit dem Verlesen einer Erklärung gegen Rassis­mus und für Vielfältigkeit durch die Kapitäne im Halbfinale findet die "Vereint gegen Rassimus"-Kampagne ihren Höhepunkt

Mit den beiden Halbfinalspielen findet die Kampagne "Vereint gegen Rassismus" bei der Europameisterschaft ihren Höhepunkt. Die Mannschaftskapitäne der teilnehmenden Mannschaften werden vor Beginn der Partien in Basel und Wien direkt vom Spielfeld eine Botschaft gegen Rassismus und für Vielfältigkeit verlesen.

DFB-Teamkapitän Michael Ballack und der türkische Spielführer Recber Rüstü sowie Iker Casillas (Spanien) und Sergei Semak (Russland) werden am Mittwoch und Donnerstag nach den Nationalhymnen über die Stadionlautsprecher die Botschaft direkt an die Fans richten. Dabei werden die Teams bei der Mannschaftsaufstellung von zwei riesigen Flaggen mit der Aufschrift „Unite Against Racism“ flankiert werden.

Vor dem Anpfiff sind alle Fans eingeladen bei einer speziellen Antirassismus-Choreografie mitzumachen. Insgesamt über 90 000 BesucherInnen in Basel und Wien werden auf ihren Sitzen eine Schürze mit der Botschaft ‘No to Racism’ (Nein zu Rassismus) vorfinden. Durch das Hochhalten der bunten Schürzen soll eine Welle durch das Stadion gehen.

UEFA-Präsident Michel Platini begrüßte am Rande der Euro die Aktivitäten und erklärte: "Die Kampagne 'Unite Against Racism' zeigt unseren Respekt für Vielfalt. Wir sind fest entschlossen, bei großen Fußballturnieren wie der EURO sicherzustellen, dass die Spiele in einer harmonischen und respektvollen Atmosphäre ausgetragen werden können".

Die Initiative im Halbfinale ist Teil einer Serie von Botschaften gegen Rassismus. Neben einer Bandenwerbung, die während des Turniers bereits eine hohe Aufmerksamkeit erzeugt hat, waren Kapitänsarmbinden und der von FARE produzierte Anti-Rassismus-Spot bei jedem Spiel im Einsatz.


Euro 2008 Antiracism Spot, Quelle: YouTube

Für Piara Powar von der britischen FARE Mitgliedsorganisation Kick It Out, hat die Kampagne ‘Vereint gegen Rassismus’ durch eine hohe visuelle Präsenz innerhalb und außerhalb der Stadien die Aufmerksamkeit der Fans erreicht. "Die Aktivitäten dieses Jahres markieren einen Wendepunkt bei der Art, wie diese soziale Botschaft kommuniziert wird", meinte der Direktor der britischen Anti-Rassismus-Organisation. (lesa)

Botschaft im Wortlaut:

„Meine Mannschaftskameraden und ich möchten klarmachen, dass wir gegen jede Form von Diskriminierung sind.“ „Wir haben in den letzten drei Wochen erlebt, wie der Fussball die Menschen zusammenbringen kann und wie wir unsere Leidenschaft gemeinsam ausleben können, unabhängig von unserer Religion, Nationalität oder Hautfarbe.“ „Mach mit im Kampf gegen Rassismus.“

Links

www.FAREnet.org

Josef Raimund
00
26.6.2008, 10:10
Es war ein sehr schönes Erlebnis gestern in einem grossen bayerischen Biergarten

in dem sich neben vielen Deutschen Fans auch etliche Türken zum "Public Viewing" einfanden, daß alle nach der Verlesung der Botschaft spontan grossen Beifall spendeten!

wholeworldwatching
00
26.6.2008, 00:00

schön. und auf der zdf seebühne sind nur deutsche, weil die türken nicht reinkommen bzw. nicht reingelassen werden. fromme sprüchen und dann krasseste rassentrennung !

miromodo
11
25.6.2008, 15:30

bravo. das gleiche würde ich mir gegen homophobie wünschen.

Der Specht
23
25.6.2008, 16:16

Und gegen Antipathie.
Und gegen Klaustrophobie.
Überhaupt sollte man am besten alle Dinge gut finden müssen. Und das gemeinsam.

miromodo
11
25.6.2008, 17:02

zwei der drei ganz großen probleme in den fankurven, rassismus und homophobie, lakonisch als geschmacksfrage abzuqualifizieren zeugt von geistiger unreife. denken sie nochmals darüber nach ob die beschimpfung von farbigen oder (vermeintlich) homosexuellen für sie eine mögliche geisteshaltung ist, die man gerne mit anderen teilt.

T.h. omas
00
25.6.2008, 20:16
Ich glaube, Rassismus ist das kleinere Problem der Fankurven.....

Dass sich die Proleten von Rot-Weiss-Essen mit denen vom MSV Duisburg prügeln, weil sie Rassisten seien, halte ich für eine gewagte Aussage.
"Unite against Stupidity" wäre da der passendere Slogan.
Wäre er ohnenhin, da er Rassismus ebenso umfassen würde, wie übertriebene Toleranz und eigentlich fast alle Probleme der Menschheit.

Der Specht
00
25.6.2008, 17:54

Es geht hier nicht darum Rassismus als Geschmacksfrage zu bezeichnen. Aber ich finde derartige Aktionen ungeeignet, einen Gesinnungswandel herbeizuführen. Echte Rassisten lachen doch, wenn Sie sich eine Schürze umbinden sollen, auf der "Against Rasicsm" steht. Oder auch, wenn zwei Kapitäne vorgefertigte Statements vom Zettel stammeln. Das hat nichts mit Meinungsbildung zu tun, sondern ist alibihafter, schwacher Denkersatz.
Ich bin selbst Freund und Fan des Wiener Sportklub und finde Aktionen gegen Rassismus und Homophobie im Fußball gut. Aber in etwas durchdachterer (originellerer?) Form als hier.

wide awake
01
26.6.2008, 00:24

... an der form kann man immer mäkeln.
und der weisheit letzter schluß, der ist schwer zu finden.

aber: imageträger stehen hier für eine botschaft ein, die im öffentlichen leben - meiner wahrnehmung nach - wenig vorkommt. man sieht / hört / erlebt, wie andere dazu stehen.
ist zumindest nicht schlecht.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.