Nachwuchskämpfer

24. Juni 2007, 17:00
51 Postings

Die Kawasaki Ninja 250R schaut niedlicher aus, als sie in Wirklichkeit ist

Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Und dann muss man es wagen, sie umzusetzen. Welche Idee? Eine 250er-Sport zu bauen. Und dann kommt ein derartiges Gustostückerl raus. Welche Idee! Ich war ja schon von der 250er-Ninja überzeugt, als sie noch ein Gerücht beim Kaffeeautomaten war. (Du bist auch davon überzeugt, dass das Zeug, das da rauskommt, echter Kaffee ist… mfgux ;-) Und ich war es, der gesagt hat, dass die kleine Ninja auf die Rennstrecke gehört. Aber bei Kawasaki ist man stur und fährt den Kawa-Cup weiterhin mit den Sechshundertern.



„Des is ka Rennmaschin, glu!“ dröhnt es mir entgegen. Von allen, denen ich meine Idee erzähl. 33 PS aus dem 249 Kubikzentimeter großen Paralleltwin seien zu wenig um ein Rennen zu fahren. Mit der 290er-Bremsscheibe vorne könne man am Kurveneingang nicht entsprechend verzögern. Und die 37-Millimeter-Teleskopgabel sei für so einen Einsatz nicht gebaut. Und, und, und… Und jetzt straft die kleine Ninja alle Lügen.



Es ist schon klar, dass mit der 250er-Ninja keine Zeiten unter zwei Minuten in den Pann zu stampfen sind, aber darum kann es ja auch nicht gehen. (Das kannst du aber auch mit einer 1000er nicht. Darum kann’s demnach nie gehen… mfgux ;-) Die Ninja ist der Einstieg ins sportliche Fahren. Unter 5.000 Euro kriegt man laut Liste ein vollverkleidetes Motorrad, das wirklich Rennfeeling aufkommen lässt, ohne zu verschrecken.



Wenn es die Ninja gegeben hätte, als ich den Führerschein gerade frisch hatte und meine Eltern das Geld, das sie in die ständige Aufrechterhaltung der Straßentauglichkeit unserer Familienkutsche steckten, gleich mir gegeben hätten, dann, ja dann würde ich heute auf der Rennstrecke nicht ausgelacht werden. Nie würde eine Frau auf mich zukommen und fragen, wo und mit welchen Hilfsmitteln ich die Kneepads angeschliffen hätte. Nie würde mich der Besitzer eines Motorradhandels fragen, ob ich eh weiß, wie man dieses Gerät anstarte. Das wäre schon lange klar.



>>> Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Mit der Ninja haben s’aber gewartet, die Herren von Kawasaki. Und als sie im Anrollen war, haben alle groß geschaut. Und noch größer geredet. Damenradl, haben s’gesagt. Das kauft doch keiner, haben s’gesagt. Und dann, im Jänner, noch bevor die erste 250er-Ninja auf der Bike präsentiert wurde, war die kleine Ninja in Österreich ausverkauft. Und wer jetzt eine hat, macht Schleckerpatzl auf alle, die keine haben.



In der Stadt bist damit Kaiser. Die 33 PS und die 22 Nm ziehen schon ganz schön an. Und die Wendigkeit mit dem Radstand von 1.400 Millimetern und dem 130er-Hinterradl ist natürlich ganz arg. Dabei ist das Fahrwerk der Ninja sportlich komfortabel. Die Bremsen beißen ordentlich zu und der Motor ist nicht nur drehfreudig, jenseits von 10.000 Touren kommt sogar echte Sportatmosphäre auf.



Ich hab es mir nach den ersten Minuten mit der Ninja nicht nehmen lassen, eine Rennstrecke für mich zu beanspruchen. Ich war auf der Supermotobahn bei den Action-Racers. Ein hartes Terrain für eine Nicht-SM. Da kommt einem die Wendigkeit der Ninja entgegen wie die erste Kurve nach der Zielgeraden. Schon in der ersten Runde kriegst einen komischen Dauergrinser unterm Helm. Mit jeder Runde wirst du schneller und forderst die 250er mehr. Der Motor röhrt nahe am Begrenzer, die Bremsen haben ordentlich Energie zu vernichten und das Fahrwerk wird härter gefordert, als es ein Kawa-Ingenieur je gedacht hätte.



Nach einigen Runden verlasse ich die Action-Racers-Piste. Ein bisschen wehmütig. Ich hätt schon noch gern weitergemacht. Aber ich muss die Ninja zurückbringen. Behalten kann ich sie leider nicht. Die Ninja ist ausverkauft. Sie schaut niedlicher aus, als sie ist. Ein alltagstauglicher Sportler mit spritsparendem 250er-Paralell-Twin. Auf die Idee musst erst einmal kommen.



(Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, 23.06.2008)

Guido Gluschitsch ist Chefredakteur von Motorradnet.at.

Technische Daten :
Marke: Kawasaki; Typenbezeichnung: Ninja 250R; Farben: lime green, ebony; Baujahr: 2008; Motor: Viertakt-Reihenzweizylinder-Motor; Kühlung: Flüssiggekühlt; Ventile: 8; Steuerung: DOHC; Hubraum: 249; Verdichtung: 11,6:1; Gemischaufbereitung: Keihin FI Einspritzung 2x28 mm; Nennleistung: 22,2 kW (30 PS) bei 10.500/min; Max. Drehmoment: 21 Nm bei 8.500/min; Getriebe: 6-Gang; Endantrieb: Kette; Aufhängung vorne: Teleskopgabel, Durchmesser 37 mm; Aufhängung hinten: Federbein, zentral, gasgedämpft; Federweg vorne: 120 mm; Federweg hinten: 130 mm; Radstand: 1400 mm; Lenkkopfwinkel: 26°; Nachlauf: 82 mm; Sitzhöhe: 780 mm; Trockengewicht: 154 kg; Bremse vorne: Einscheibenbremse, Durchmesser 290 mm, 4-Kolben-Schwimmsattel; Bremse hinten: Einscheibenbremse, Durchmesser 220 mm, 2-Kolben Schwimmsattel; Reifen vorne: 110/70-17 M/C (54S); Reifen hinten: 130/70-17 M/C (62S); Tankinhalt: 17.5 Liter; Spitze: 155 km/h; Preis: 4399 .- Euro;

Link
Kawasaki

  • Wer verbirgt sich hinter der Maske des(der) Ninja auf diesem Foto? Doch wohl nicht...?! Klicken Sie hier um das Rätsel zu lösen!
    foto: derstandard/sulzbacher; montage: derstandard

    Wer verbirgt sich hinter der Maske des(der) Ninja auf diesem Foto? Doch wohl nicht...?! Klicken Sie hier um das Rätsel zu lösen!

Share if you care.