Schnelle Kontertore im Trend

Redaktion, 24. Juni 2008, 19:06

Standardsituationen immer seltener spiel­entscheidend - Bisher nur ein EM-Tor aus direktem Freistoß - Schnelles Umschalten zentrales Element

Wien - Der Trend im europäischen Fußball geht immer mehr zu Toren aus schnellen Gegenstößen. Standardsituationen sind dagegen nicht mehr in diesem Maße spielentscheidend, wie sie das noch in der jüngeren Vergangenheit gewesen waren. Das bestätigte der Technische Direktor der UEFA, Andy Roxburgh, am Montag in einer Pressekonferenz in Wien. Demnach sind bei der EURO 2008 bisher rund 35 Prozent der Tore aus dem Spiel aus schnellen Gegenstößen, aber nur 25 Prozent nach Standardsituationen erzielt worden.

"Geschwindigkeit im Umschalten ist eines der wichtigsten Elemente im modernen Fußball", erklärte Roxburgh, der mit seinen acht Kollegen die technischen Entwicklungen im Turnier analysiert. Ein Team, das diese Fähigkeit im Turnier bisher besonders eindrucksvoll gezeigt hat, ist Russland. "Wenn der defensive Block einmal steht, dann ist es sehr schwer, ihn zu überwinden", sagte Roxburgh. "Daher muss man den Platz bei Gegenangriffen dringend nützen."

"Kollektiver Konter"

Das gilt nicht nur für den "klassischen" Konter, wenn das eigene Team in Führung liegt, sondern nach allen Ballgewinnen im Mittelfeld - der sogenannte "kollektive Konter". Dabei schickt das Team, das den Ball erobert hat, möglichst viele Spieler in die Offensive und versucht, die Räume in der noch nicht formierten Defensiv-Formation zu nützen. Einziges Risiko dabei ist es, selbst in einen Gegenangriff zu laufen. "Die Leute sind sich bewusst, wie gefährlich Konter sein können", versicherte Roxburgh.

Die weniger große Relevanz von Standardsituationen begründete der Schotte damit, dass Teams einerseits Freistöße in der eigenen Gefahrenzone zu vermeiden versuchen und diese zudem konzentrierter und organisierter verteidigen. Trickspielzüge sind in Zeiten der Spionage sowieso zu einer aussterbenden Spezies geworden. Bisher fiel lediglich ein einziger von 68 EURO-Toren aus einem direkten Freistoß - und selbst dieser vom Italiener Daniele De Rossi gegen Frankreich (2:0) war abgefälscht.

"Hohe Intensität"

Eine weitere Entwicklung, die Roxburgh und sein Team festgestellt haben, ist die große Einflussnahme der Trainer durch zahlreiche taktische Umstellungen in der Endphase des Spiels. Insgesamt sieben Tore fielen bisher in der Nachspielzeit, vier in der Verlängerung. "Wir haben sehr viel Drama gesehen - vor allem von der Türkei", sagte der UEFA-Technikdirektor. Die Intensität der Spiele sei über die volle Distanz sehr hoch. "Dabei denke ich an Geschwindigkeit mit dem Ball, Laufwege und Laufintensität."

Das allgemeine Niveau des Turniers sei erstaunlich. Die Unterschiede zwischen den Teams seien sehr gering, überhaupt bei jenen, die im Halbfinale stehen. Daher lasse sich auch keine qualifizierte Prognose abgeben. "Die Topteams sind sehr effizient. Wenn man Defizite hat, dann werden sie auf diesem Level sofort gefunden und ausgenutzt", erklärte Roxburgh. Jedes Team benötige im modernen Fußball Kreativspieler. "Und sie müssen auch fähig sein, auf das Endprodukt abzuzielen - auf Tore."

Genau das sei das Problem bei den EURO-Gastgebern Österreich und der Schweiz gewesen. Während die Schweiz bereits zum Auftakt ihren verletzten Topscorer Alexander Frei verlor, gelang Österreich trotz starker Leistungen nur ein einziger Treffer - durch einen Elfmeter von Ivica Vastic in der Nachspielzeit gegen Polen. "Österreich hat mit großem Enthusiasmus gespielt. Sie haben einige ihrer Spiele dominiert. Ihnen hat vor dem Tor einfach der Touch gefehlt", urteilte Roxburgh. "Auf Nationalteam-Ebene kann man sich nicht einfach einen Stürmer wie Benzema oder Torres kaufen." Wenngleich eines dieser Kaliber dem ÖFB-Team sehr gut tun würde. (APA)

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10 Postings
Mac Lagavulin
00
24.6.2008, 07:13
der Ball ist es nicht

wie erklären Sie sich dann, dass die Russen ein wahres Feuerwerk von Fernschüssen geliefert haben, von denen nur 1 nicht auf's Tor kam und auch das nur knapp?

Spanien hat gegen Italien um die Gefahr bei Frei- und Eckstössen gewusst, also tunlichst versucht diese zu vermeiden, was bis auf wenige Ausnahmen auch gelang.

Dimitrisocke
 
01
23.6.2008, 21:00
Da lachen ja die Hühner ...

"Bisher fiel lediglich ein einziger von 68 EURO-Toren aus einem direkten Freistoß - und selbst dieser vom Italiener Daniele De Rossi gegen Frankreich" .. ich glaub' der Herr Kommentator hat bei den anderen Spielen geschlafen (z.b. Ö - D) oder er übernimmt ungeschaut den Blödsinn von anderen. Qualität ist in der Tat etwas anderes.

Ignaz Hronek
03
23.6.2008, 17:30
Spielentscheidend

... sind zunehmend die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Und das ist ein Skandal.

david_und_martina
00
23.6.2008, 16:25
standards

Ich finds auffällig, dass es so wenige Tore aus Freistößen gab, sehr viele Weitschüsse sind auch übers Tor gegangen. Bei den Freistößen wirkte es oft so, als ob es die Spieler nicht schaffen, dem ball den drall zu geben, damit er sich hinter der Mauer wieder nach unten senkt. Ob da der leichte EM-Ball eine Rolle spielt? Natürlich sollten ihn die Spieler jetzt schon gewohnt sein, andererseits, warum sollten gerade bei der EM alle ohne Grund ständig übers Tor schießen, ohne dass hin und wieder einer reingeht. Die Freistöße von Ballack und De Rossi waren ja auch nicht über die Mauer gezirkelt sondern scharf und "gerade" geschoßen. Die Auswirkung des Balls auf diese EM wäre meine Meinung nach noch genauer zu hinterfragen.

KingAl
00
23.6.2008, 16:50

Stimmt, das ist wirklich auffällig.
Viele dieser Freistöße sind, ganz im Gegenteil, sogar aufgestiegen, mit eindeutigem Knick in der Flugbahn. Ich kenne dieses Verhalten von manchen Volleybällen, beim Fußball ist mir das neu. Mit ausreichend Spin sollte sich das aber vermeiden lassen, seltsam, dass das den Profis bisher nicht gelungen ist.

speckerl
00
23.6.2008, 14:26
Benzema ?

Nein, Danke!

Jim de la Papaya
01
23.6.2008, 14:13
gabs da nicht auch ein freistosstor von ballack?

oder zählen tore gegen österreich nicht für die statistik ;-)

Walter KURTZ
 
00
23.6.2008, 14:11

Und der Ballack hat etwa keinen direkten Freistoß ins Tor geschossen...

HerrRossi
00
23.6.2008, 14:18
das war ein indirekter freistoß

Walter KURTZ
 
00
23.6.2008, 16:31

Also so wie ich das gesehen habe war das ein direkter Freistoß der indirekt (kurz aufgespielt) ausgeführt wurde.

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