Anders Roslunds und Börge Hellströms "Todesfalle": Ein 17-Jähriger sitzt in Ohio in der Todeszelle. Er soll seine Freundin erschossen haben
Ein 17-Jähriger sitzt in Ohio in der Todeszelle. Er soll seine Freundin erschossen haben. Da es sich um die Tochter eines Beraters des Gouverneurs handelt, ist Härte angesagt. Dass der Junge das Mädchen nicht umgebracht hat, glaubt ihm keiner. Jahre später fällt ein Mann in Schweden durch einen Raufhandel auf. Seine Identität scheint gefälscht zu sein. Recherchen ergeben, dass es sich um jenen Jungen handelt, der in den USA zum Tode verurteilt wurde und entkommen war. Das Autorenduo Roslund und Hellström beschäftigt sich auch im dritten Buch mit dem Thema Rache und Wiedergutmachung und wirft ethische Fragen von großer Tragweite auf. Ihre minuziöse und realistische Schilderung der Rituale, mit denen Menschen von Staats wegen zu Tode gebracht werden, ist schwer erträglich.
Dass das Rachebedürfnis das Leben der Angehörigen des Opfers zerstört und durch den Tod des – vermeintlichen – Mörders nie gestillt werden kann, ist eine weitere Einsicht. Dann taucht die Frage auf, ob es möglich ist, einen zum Tode Verurteilten an die USA auszuliefern? Ja, denn Europa ist feige, sagen die Autoren; Schweden würde den Wünschen der Großmacht nachgeben, nicht ohne zuvor den Gefangenen nach Moskau zu exportieren, sodass man an der Auslieferung nicht unmittelbar beteiligt erscheint. Der Plot ist langatmig, der Schluss entschädigt dafür. Wer in Krimis nichts als Unterhaltung sucht, ist mit diesem zornigen, ausgesprochen widerwärtigen, aber notwendigen Buch falsch beraten. (Ingeborg Sperl, ALBUM/DER STANDARD, 21.06/22.06.2008)
Anders Roslund, Börge Hellström, "Todesfalle". Deutsch: Gabriele Haefs. € 9,20 / 384 Seiten. Fischer, Frankfurt/Main 2008