
Clemens Berger: "Ganz tief bei mir schwöre ich, zumindest mit mir davonzukommen. Meine Hände versuchen abzuwiegeln, I – will – give – you – my – money, just – let – me – out. Ich wiederhole, er brüllt, ich sehe den Wahnsinn in seinen Augen, den ich kenne."
Die Kriminalpolizei oder Security Police, zu der ich von der Tourist Police geschickt wurde, liegt in einer unauffälligen Nebenstraße abseits der Innenstadt. Ich werde erwartet, man geleitet mich in einen Keller, in den ich nicht als jemand geleitet werden möchte, der etwas verbrochen hat oder eines Verbrechens verdächtigt wird. Weiß alles, dreivier Räume unter Neonlicht, vor der Toilette verstauben beschlagnahmte Glücksspielautomaten. Im Vernehmungszimmer hängen die üblichen Kitschbilder: eine Kirche weiß, das runde Dach hellblau wie das Meer im Hintergrund. Akten stapeln sich; kein Präsident, kein Staatswappen, kein Kreuz.
Der Kommissar ist ein kräftiger Mann. Das beige Hemd hat er weit aufgeknöpft, eine Goldkette mit Kreuz um den Hals, an der Kette baumelt eine verspiegelte Sonnenbrille. Es ist sein erster Tag in Heraklion. Vorher war er in Zaros, vor dem Vorher in Athen gewesen. Wenn dergleichen dort passiere, wundere es ihn nicht; auf Kreta aber komme so etwas vielleicht zweimal jährlich, und dann in der Hauptstadt, vor.
Zu allererst muß ich wiedererkennbar werden. Name, Geburtsdatum, Reisepaßnummer. Nach meinem Namen muß ich den meines Vaters und den meiner Mutter angeben. Zwar sei es dem Kommissar peinlich, aber das Gesetz schreibe es vor, und also müsse er mich, nun also – ob er Christ schreiben dürfe. Das ist mir gleichgültig; dächte man die Genealogie weiter, müßte ich jüdisch und griechisch sagen. Er fragt nach meinem Beruf. Er kenne keine interessanten jungen griechischen Schriftsteller, lese selbst hauptsächlich Krimis. Daß ich derzeit mit einem Freund ein Drehbuch über einen Kommissar schreibe, amüsiert ihn. Und daß er sich nach dem ersten Schnelldurchlauf der Geschichte auf jene Punkte konzentrieren will, die auch ich am Verfolgenswertesten halte, läßt mich ihm vertrauen. Daß er später, als ich zu der eingangs unbeantworteten Frage zurückkomme, ob es ein Zigeuner gewesen sein könnte, erkennen läßt, daß ihn das nicht freuen und in nichts bestätigen würde, läßt mich ihm wirklich vertrauen.
II
In Lentas, einem kleinen Dorf im Süden der Insel, kennen alle alle. Wer aus dem Ausland kommt, kommt meist seit Jahren. Martin und ich wußten nicht, daß der Minimarket Cristina gut, der Minimarket Marina schlecht ist. Dort glaube ich meine Brieftasche vor der Kassa vergessen zu haben; in Wirklichkeit glaube ich an Diebstahl. Geld, Kreditkarten, Ausweise, all die Adressen und Erinnerungsstückchen, die noch viel viel wichtiger sind, tauchen, obwohl ich die Geschichte im Ort zu streuen beginne, nicht mehr auf. Tage später kommt mir vorm Minimarket eine schicke Griechin entgegen. Sie wisse, wie ich mich fühle; ihre Brieftasche sei einmal in Rom gestohlen worden. Die zwanzig Euro, die sie mich zu nehmen bittet, will ich trotzdem nicht. Sie steckt sie mir in die Hemdentasche, steigt ins Auto und fährt davon. In meinem Kopf notiere ich eine Ansichtskarte: Das Gute im Menschen (Empathie in Lentas).
Mit zwei Deutschen fahre ich nach Moires, um mit Martins Bankomatkarte Geld abzuheben und meinen Verlust anzuzeigen. Der einzige Polizist am Posten telefoniert, und weil er wahrscheinlich im Gespräch mit seiner Geliebten unterbrochen wurde, will er keine Anzeige aufnehmen – der Boß komme erst in drei Stunden. Auf meine Beschwerde werde ich zur Tür gewiesen; kaum bin ich draußen, telefoniert er weiter. Der einzige Bus nach Lentas ist schon gefahren, ich stelle mich an eine Kreuzung.
Ein schäbiger, ungemein staubiger, einst schwarzer Mini-Pickup hält. Der Lenker gefällt mir nicht; andererseits warte ich schon lange. Er bringe mich nach Lentas, sagt er nicht, weil er nicht englisch spricht, viel eher deutet er, ich solle tanken. Die Tankstelle ist nicht weit, ich nehme zehn Euro aus meiner Tasche, eine junge Frau füllt das Benzin ein. Vor einer Taverne bleibt er stehen. Bevor wir nach Lentas fahren, will er ein Bier trinken; wahrscheinlich will er eingeladen werden. Aber er bezahlt, kauft Zigaretten; wann immer ich mir eine drehen will, kommt er mir mit einer Marlboro zuvor. Er sagt, er heiße Costas. Er ist dick, stärker als ich, am rechten Oberarm ist mit grüner Tinte »Maria« tätowiert. Er ist dunkler als der, sagen wir, durchschnittliche Grieche.
In der Taverne kennt man ihn. Ich fühle mich unwohl. Warum sonst erzählte ich von meiner Frau und der dreijährigen Anna, die auf mich warteten? Nur versteht er so gut wie nichts. Später, im Auto, nach der Erleichterung, Richtung Lentas zu fahren, will er mich ständig berühren, gibt mir alle Augenblicke die Hand, nennt seinen Namen, wiederholt den meinen. Er zieht seine Shorts etwas nach unten und blickt Richtung Schwanz. Haschisch, sagt er. Daß er ein starker Mann sei. Daß er viele Freunde habe. Daß sein Bruder ein gutes, er ein schlechtes Auto fahre.
Zwischen Fahrer und Beifahrersitz steht eine große Box, die mit einem CD-Player zu meinen Füßen verbunden ist. Costas hört keine schlechte Musik. Daß er nichts zu tun habe, dachte ich beim Wegfahren, und es allemal besser fände, für ein paar Euro ein paar Kilometer zu fahren. Ich denke, daß ich schneller bin als er. Früher, in einem andern Leben, mußte ich bisweilen kämpfen. Ich erzähle ihm, nachdem er vom Karate und der tödlichen Stelle erzählt, daß ich Judo trainierte. Was, wenn er plötzlich in einen der vielen Feldwege einbiegt? Er will mich ficken, denke ich, ich muß aufpassen. Ich komme, sage ich mir, wenn es dazu kommen sollte, raus.
Costas bleibt stehen. Ein Bier, sagt er. Nein, sage ich, ich will nach Lentas, zu meiner Frau, zu meinem Kind, dort können wir ein Bier trinken. Eigentlich zwingt er mich auszusteigen, so wie er, oder etwas, das schwer zu benennen ist, mich wieder einzusteigen zwingen wird. Ein Kaff, die Taverne gegenüber einer Kirche, vor der Taverne zwei Tische. An einem sitzen alte Männer, spielen Karten und trinken Bier. Costas bestellt auch eins, eine alte Frau bringt die Flasche, augenscheinlich gefällt er ihr nicht. Ich glaube, er pöbelt die alten Männer am Nebentisch an. Jedenfalls wenden sie sich von ihm ab, antworten nicht. Ich dränge zum Aufbruch. Er ist häßlich. Er ist schwabbelig. Er ist ungepflegt. Er hat grüngelbe Augen. Und er gestikuliert – durchgeschnittene Pulsadern, ein gebrochenes Genick. Ich verstehe nichts, er lacht; ich solle mich nicht fürchten, alles Spaß. Er bildet eklige Kußmünder, wiegt den Kopf von links nach rechts, hält sich die Hände vor den Mund, als schmuse er. Endlich ist das Bier getrunken. Er trinke nicht viel, sagt er. Nach Lentas, sage ich.
Allein er fährt nicht nach Lentas. Ich sehe die Berge vor der Küste in meinem Rücken, sehe im Rückspiegel die beiden Antennen, die den Berg markieren, hinter dem Lentas liegt. Ich sage, ich will jetzt unverzüglich nachhause – die kleinen Tavernen, die flüchtigen Bekanntschaften, der Kieselstrand, der Balkon überm Meer kommen mir in diesem Moment wie Zuhause vor. Ich verstehe nur Mama, essen, Melanzani. Costas hatte mir in der ersten Taverne, wo ein riesiger Flachbildschirm an der Wand hängt, von drei Kindern erzählt. Ich glaube nicht, daß es den Tatsachen entspricht. Der jüngste heiße Stefanis. Wir fahren an Obstplantagen vorbei. Noch sind andere Autos auf der Straße.
Costas hält an einer Tankstelle vor Moires; wir sind im Kreis gefahren. Er fragt den Tankwart nach Stefanis. Der Tankwart kennt weder diesen Stefanis noch Costas. Ich verspreche mir, daß er weder meinen Arsch noch meine dreihundert Euro bekommt. Ich überlege, ob ich ihm, wenn es soweit ist und er nicht zu schnell fährt, die Faust mit aller Wucht ins Gesicht schlage. Wenn er die, aus welchem Grund immer, auffängt, wird es, das weiß ich auch, sehr eng für mich in der engen Kabine.
Costas dreht die Lautstärke höher, formt mit seiner Rechten eine Pistole und schießt wie bei einem drive by shooting aus dem Fenster. Dann biegt er in einen Feldweg. Er beschleunigt und fährt wahnwitzige Kurven; rechts, wo ich sitze, lenkt er das Auto immer wieder über den Rand. Ich habe Angst. Er ist ein Tier. Es spürt meine Angst, steigt in sie ein, kommuniziert mit ihr. Er beginnt zu brüllen, ist ganz nah bei mir, er brüllt Manga! Manga! Manga! Er droht, eine Waffe unterm Sitz hervorzuholen. Dann brüllt er money!, dann wieder Manga! Ich weiß, daß er weiß, daß mein Geld in meiner Tasche ist. Ich schwöre mir, nicht ohne meine Tasche, nicht einmal ohne das Sackerl mit Taucherbrille und Schnorchel für die riesige Wasserschildkröte unter dem kleinen Boot mit den roten Streifen, nicht ohne meinen Reisepaß, nicht ohne mein Mobiltelefon, nicht ohne meine Digitalkamera auszusteigen. Ganz tief bei mir schwöre ich, zumindest mit mir davonzukommen. Meine Hände versuchen abzuwiegeln, runterkommen, wollen sie ihm sagen, ruhig, I – will – give – you – my – money, just – let – me – out.
Ich wiederhole, er brüllt, ich sehe den Wahnsinn in seinen Augen, den ich kenne, wenn ein Mann mir zeigt, daß er mir gleich etwas antun wird. Ich sehe die Zigarette, die mir am Bein ausgedrückt wurde, ich sehe die Schläge ins Gesicht und auf den Brustkorb und die Tritte, ich sehe den Blick, den ich sah, wenn einer einem andern einen Aschenbecher überm Kopf zerschlug, den Blick, den ich sah, wenn Schuhe auf einen Kopf eintraten, der blutend am Boden lag (ich bin auf der andern Seite einer südburgenländischen Jugend), ich sehe den Blick eines Eifersüchtigen, der mir Wien nicht mehr lebend zu verlassen versprach, und ich greife, noch immer just – let – me – out sagend in meine rechte Hosentasche, da ist ein Euro, es muß ihm wie Hohn vorkommen, er brüllt, er wolle alles, er deutet auf die Tasche, ich greife in meine linke Hosentasche, da ist ein Zehneuroschein und ein Zettel, auf den mir ein paar Stunden zuvor ein Kellner den Weg zur Polizeistation mit dem telefonierenden Polizisten gezeichnet hatte, ich lasse ihn fallen, Costas fährt, vielleicht fünfzig, er bückt sich, ich öffne die Tür und springe aus dem Auto. Ich falle, die Tasche fliegt auf den steinigen Boden, er legt den Rückwärtsgang ein, die Reifen drehen durch, ich raffe die Tasche und das Sackerl zusammen und renne querfeldein zur Straße, ich flehe, das nächste Auto hält nicht, ich laufe in einen dürren, nicht sehr blickdichten Olivenhain und verstecke mich hinter einem Baum. Dann laufe ich, in der dritten Olivenbaumreihe, wo es noch weiter in die Wildnis ginge, parallel zur Straße einen Gutteil der acht Kilometer bis zum nächsten Ort. Da ist die Tankstelle, an der Costas nach Stefanis fragte. Im Ort kaufe ich Cola und Zigaretten, setze mich an den Straßenrand, die Hose voller Sand und Staub. Ich bin froh über die Menschen ringsum.
Ein freundlicher, älterer Taxilenker, der stolz auf seinen neuen Mercedes ist, fährt mich nach Lentas. Ich versuche, zu erzählen, was passiert ist; die Sprachbarriere läßt es nicht zu. Auf einer Visitenkarte lese ich seinen Vornamen. Costas, sage ich. Ja, sagt er. Clemens, sage ich. Es tut gut, mit ihm radezubrechen.
In Lentas sitzt Martin vor einer Taverne. Er hatte schon lange auf mich gewartet. Morgens, als ich wieder ins Zimmer gekommen war, der Linienbus war nicht aufgetaucht, hatte ich gesagt, ich sei zurück, weil die Türken Moires eingenommen hätten. Er habe schon befürchtet, ich hätte jemanden kennengelernt und würde nicht zurückkommen. Ich bin ausgeraubt worden, sage ich, fast vergewaltigt. Jaja, sagt Martin. Die estnische Kellnerin kommt, ich will nichts außer einem sehr großen Raki. Martin blickt mich an. Scheiße. Was ist passiert?
III
Ich hantle mich mit Worten von Ort zu Ort. Ich zeichne Skizzen. Ich denke an Wittgenstein und die Verhandlung eines Unfalls und die daher rührende Konzeption der Tatsache als eines bestehenden Sachverhalts. Tatsache ist ein Mann, ein Auto, Tatsachen sind die konkreten Orte. Der Kommissar tippt, bevor er das Getippte übersetzt. Ein sehr dünner Mann mit glänzenden Augen und spärlichem Ziegenbart kommt immer wieder ins Zimmer. Man könnte ihn für einen Junkie halten. Er hebt den Hörer ab, drückt einen Knopf und spricht mit hoher Fistelstimme in den Hörer. Keine Sorge, sagt der Kommissar, er ist kein Polizist. Der junge Mann ist Waise, behindert, die Polizisten haben ihn aufgenommen; sie geben ihm zu essen, haben ihm eine Wohnung besorgt, er hilft aus, jetzt glaubt er selbst, ein Polizist zu sein. Er stellt sich neben den Kommissar, blickt mich eindringlich an, nimmt meinen Reisepaß, vergleicht das Foto, das mir nicht besonders ähnelt, mit meinem Gesicht, bevor er zufrieden nickt. Manga, der Kommissar überdenkt die Übersetzung der Polizistin der Tourist Police, heiße schon in etwa Macho. Nur könne es gut oder schlecht gemeint sein. Costas habe sagen wollen, er sei mehr Manga als ich. Vielleicht hätte ich nicht aus dem offenen Fenster spucken sollen.
Er müsse mir zum Abschluß, sagt der Kommissar, eine Frage stellen, die mir merkwürdig vorkommen werde. Er glaube, sie würden ihn finden. Er glaube, Costas habe das nicht zum ersten Mal getan. Wollen Sie, sagt der Kommissar, daß er ins Gefängnis kommt, wenn man ihn fängt? Zum ersten Mal lehne ich mich zurück. Beim Einsteigen hatte ich nicht auf mein erstes Gefühl gehört; mein erstes Strafgefühl, als ich mit Martin und Hermann bei Nikitas über den Horror gesprochen hatte, war ein Mordwunsch gewesen. Martin hatte gemeint, wir sollten sein Auto anzünden, Hermann, ich solle zur Polizei gehen.
Ja, sage ich. Man sollte ihn zu einem Psychiater schicken. Das könne nicht ich entscheiden, sagt der Kommissar, das werde das Gericht tun.
Ich erhalte keine Kopie meines Protokolls, dafür die Aktenziffer. Mit ihr kann ich über Interpol oder die griechische Botschaft Einsicht in den weiteren Verlauf nehmen. Wenn etwas passiert, bekommen Sie, sagt der Kommissar zu seinem ersten Fall, einen Anruf von uns. Er wünscht mir ein gutes Leben, ich ihm auch, dann steige ich mit dem Wissen, kein Geld mehr bei mir zu haben, in ein Taxi. (Clemens Berger, ALBUM/DER STANDARD, 21.06/22.06.2008)
Die Sprache enthält die Wendung: Grenzen setzen. Ich behaupte, dass der "Setzung" genannte Vorgang, der "die Welt" hervorgebracht hat, auf einem permanenten Prozess der Grenzsetzungen beruht
Im Kaffeehaus entdecke ich niemanden, der Peter Altenberg ähnlich sieht. Es sitzen nur Touristen herum, kichern und trinken aus Plastikflaschen
Der Bezirk hat kein eigenes Krankenhaus, wir müssen ins AKH oder auf die Baumgartner Höhe
Die Frau auf dem Rücksitz hatte sich geweigert, den Sicherheitsgurt anzulegen; die Augenlider geschlossen - Der Fahrer nähert sich der Grenze, die Ausfallsquote ist kalkulierbar
In den letzten paar Jahren hin und wieder - nur so blitzschnell zwischendurch - überlegt, wer zuerst sterben wird. Auf prägnant Wienerisch: wer überbleibt
Wir sind Berg- und Talpfleger, Markierungsmaler und Toteneinsammler, Schneeschaufler im Winter und Wasserspender im Sommer, auch Jodlercombo für Heimatabende
Geteiltes Haus, geteilte Katze. Stehen die beiden Haushälften zu unser aller Wohl fest zueinander, ist das mit einem gut einjähri-gen Miniaturtiger so eine Sache
Der Bauer füllte trüben Most in die Gläser. Da drüben bin ich in die Schule gegangen, erzählte er. Wenden an der tschechisch-österreichischen Grenze
Diese Tixo-Grenzerfahrung hätte im Grunde für sich allein schon unvergesslich sein können. Einfacher, auffälliger und eindeutiger kann ein Reizauslöser kaum sein
Wir warten aber jetzt wirklich nicht mehr lange, hörst du, fang an mit deiner Vorstellung! Aber die Vorstellung hat bereits begonnen
Immer neue Arbeitskräfte wurden angeworben. Die Löhne waren niedriger als versprochen, ein großer Teil wurde für Unterkunft und die Bahnfahrt abgezogen
Danke Österreich: Du hast mich zum Deutschen gemacht! Fortan erfülle ich mit Freuden sämtliche Nationaltugenden
Nachdem meine Schwester völlig erschöpft nach Hause gefahren war, war ich jetzt mit der Pflege meiner Mutter an der Reihe. Nach mir sollte mein Bruder kommen
Ich konnte nicht lokalisieren, woher die Quallaute stammten. Und nach wie vor war ich mir im Unklaren, was da hinter einer der Mauern vor sich ging
Diese Leseerfahrung von Begrenzung und Grenzenlosem, woher rührt sie, worauf läuft sie hinaus? Rührt sie von etwas Wirklichem her, läuft sie auf etwas Wirkliches hinaus?
du nichts! wortlos wertloses nichts. die mutter, wortwörtlich, fortrennen, nicht flennen, gehen bleiben gehen, wohin gehen, hart werden, härten, und GEHEN
Ihr Antrag wurde abgelehnt. Sie werden abgeschoben. Weil Sie barfuß sind. Weil in Ihrem Pass ein Stempel fehlt. Weil Sie stinken. Weil Sie auf dem Passfoto lächeln
Ich räkelte mich in der Sonne, gedanklich aufgehoben im derzeitigen Frieden, zumindest in Wien. Es geht mir gut, flüsterte die Gedankenstimme, und wieso geht es mir gut?
Als sie beim Schwanz des Pferdes angekommen war, trat es nach ihr, und die hölzerne Trennwand, die es an ihrer Stelle traf, krachte splitternd zusammen
Das innere Leben war aufregender als unsere registrierbaren Manifestationen. Die Barrikaden in Paris schienen die Welt in strahlende Rotation versetzt zu haben
Der Kellergang glich einem Stollen, in dem sich der Schimmel- und Modergeruch staute, der aus dem Boden und den unverputzten Wänden drang
Ich komme zur Wohnungstür um zwei Uhr früh, und da stehen meine Hausschuhe vor der Tür, sagt er. Ich will die Tür aufsperren, und da steckt der Schlüssel von innen
Mein Herz fängt an, langsamer zu schlagen. Ich habe um elf Uhr dreißig den Zug bestiegen mit voraussehbar pünktlicher Ankunft
Mir ist übel. Ich öffne das Fenster, um Luft hereinzulassen. Als ich mich umdrehe, höre ich ein langgezogenes Pfeifen; es prallt etwas gegen die Wand über meinem Tisch
manche wurden rasend vor wut, da sie glaubten, ich wolle ihnen die antwort auf die letzte frage vorenthalten. mein bruder erzählte der zeitung, ich wäre debil
Jubel empfing die einmarschierenden deutschen Truppen in Österreich. Nie wieder stieß die Wehrmacht bei Überschreitung nationaler Grenzen auf solche Begeisterung
Ich habe mich manchmal gefragt, ob und wie sich dieses Jahrhundert der Kriege, der Zwischen- und Nachkriegszeiten auf uns Nachgeborene ausgewirkt hat
Woher kannst du Albanisch? Es klingt, als frage er mich, wie ich die Reise vom Mars hierher auf die Erde überstanden habe. Du bist bestimmt ein Flüchtlingskind
In der Dunkelheit des Zimmers, was spielt sich da ab? Offenbar ist es dir ein Bedürfnis zu reden. Im Grunde möchtest du reden wie ein Kind zu Vater und Mutter. Voller Vertrauen
Er drehte sich um, ohne stehenzubleiben. Zwei Männer liefen hinter ihm her. Er konnte sie kaum erkennen. Außer, dass sie das Gleiche trugen. Uniformierte!
Das sind Geschichten, die diese Leute immer wieder erzählen, Geschichten, die wir glauben können oder auch nicht. Wir neigen dazu, solche Geschichten lieber nicht zu glauben
Luggis Arm hielt seinen Leib zusammen. Es tat wohl, zusammengehalten zu werden. Er setzte ihn auf den Rücksitz, und zu beiden Seiten saßen Schemen neben ihm
er durfte sich auf den sessel setzen und zuhören. zuhören, wie es da zugeht, wie sie das machen, wie er funktioniert, der finanzalltag und wir hören jetzt nachträglich zu
Ich beschloss, den 17. April zu meinem Todestag zu machen, wenn man sich schon in Bezug aufJesus Christus nicht einigen konnte. Und ich wollte unsterblich sein
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