Deutscher Teamchef zog positives Resümee über Auftritt in Wien, bangt im Viertelfinale aber um den angeschlagenen Lucas Podolski
Deutschlands Fußball-Teamchef Joachim Löw hat am Dienstag nach dem Aufstieg ins EM-Viertelfinale ein durchaus positives Resümee gezogen. "Wir haben spielerisch noch nicht unser
wahres Gesicht gezeigt, letztlich haben sich aber alle Spieler im körperlichen Bereich in den Dienst der Mannschaft gestellt", sagte der Bundestrainer nach dem knappen 1:0-Sieg gegen Österreich im Wiener Happel Stadion.
Der 48-Jährige war genauso wie sein Gegenüber Josef Hickersberger in der 40. Minute vom spanischen Referee Manuel Mejuto Gonzalez auf die Tribüne verbannt worden. Über endgültige Konsequenzen entscheidet die UEFA am Mittwoch. Für das Viertelfinale am Donnerstag in Basel, für das sich die DFB-Elf als Zweiter der Gruppe B gegen Vize-Europameister Portugal qualifizierte, bangt die DFB-Auswahl um Lukas Podolski.
"Großen Druck gespürt"
Die Deutschen hatten in Wien spielerisch enttäuscht, allerdings durch einen sensationellen Freistoßtreffer von Kapitän Michael Ballack trotzdem den Sieg fixiert. "Wir haben gespürt, dass ein großer Druck da war. Wir mussten die Bälle oftmals einfach wegschlagen, was eigentlich nicht unserer Philosophie entspricht. Es ist aber klar, dass man in so einer wichtigen Partie auch einmal rustikal spielen darf", resümierte Löw.
Das Spiel sei spannungsgeladen und voller Emotionen gewesen. "Solche Spiele liebe ich als Trainer", wies der Bundestrainer hin. Die zweite Hälfte hat Löw nach seinem "Ausschluss" gelassen auf der Ehrentribüne mitverfolgt. "Ich hatte das Gefühl, dass uns nichts
passieren kann", so Löw. Ob der DFB-Coach am Donnerstag seine Mannschaft von der Bank aus coachen darf, entscheidet sich erst am Mittwoch, am Dienstag gab Löw jedenfalls eine schriftliche Stellungnahme bei der UEFA ab.
"Ich gehe davon aus, dass es möglicherweise einen Freispruch geben
kann, da ich keine beleidigenden Worte gefunden habe", betonte Löw.
Den "Ausschluss" konnte er nicht nachvollziehen. "Ich habe den
vierten Offiziellen in keiner Weise beleidigt, sondern ihm nur
mitgeteilt, dass ich in der Coaching-Zone in Ruhe arbeiten und mich
frei bewegen will", rechtfertigte sich Löw.
Zu Hicke "immer schon ein sehr gutes Verhältnis"
Das sei immerhin sein gutes Recht. Der slowenische Offizielle
Damir Skomina habe Löw aber schon zu Beginn des Spiels immer wieder
aufgefordert, zurück zur Trainerbank zu gehen. "Die Coaching-Zone ist
aber dafür da, dass wir uns da auch bewegen dürfen", sagte Löw.
"Scharmützel" mit Hickersberger habe es sicher keine gegeben. "Wir
hatten keine Probleme miteinander, wir hatten immer schon ein sehr
gutes Verhältnis", erklärte Löw. Der 48-Jährige war zur Pause kurz
bei der Mannschaft, wurde daraufhin aber auf Befehl der UEFA schnell
wieder von dort "herausgezogen".
Für das Portugal-Spiel ("Da werden wir auch im spielerischen
Bereich wieder zulegen") bangen die Deutschen um Goalgetter Podolski,
der an einer Wadenverletzung laboriert. "Es wird eng bis zum Spiel,
er ist ein großes Fragezeichen", betonte Löw. Der
EM-Dreifach-Torschütze habe in der zweiten Hälfte gegen Österreich
massive Probleme gehabt. "Aber die medizinische Abteilung wird alles
versuchen", hat Löw die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
Schweinsteiger zurück
Falls er spielen kann, dürfte Podolski ziemlich sicher nicht erneut im linken Mittelfeld zum Einsatz kommen. Der Bundestrainer kündigte nämlich an, dass der zuletzt gesperrte Bastian
Schweinsteiger gegen die Portugiesen seine Chance erhält. "Ich gehe
davon aus, dass Schweinsteiger in die Mannschaft zurückkehrt", sagte
Löw. Dieser habe aber auch eine gewisse Bringschuld gegenüber allen.
"Ich glaube schon, dass er vor Energie strotzt. Er wird unser Spiel
beleben", merkte der Chefcoach an.
Sollte Podolski fit werden, dürfte der 23-Jährige damit in den
Angriff vorrücken und den zuletzt glücklosen Mario Gomez endgültig
aus der Startformation spielen. "Er ist nicht in der Verfassung, wie
wir ihn kennen, hat große Chancen gegen Polen und Österreich
ausgelassen", sagte Löw. Mit Gerüchten über einen möglichen Wechsel
des Stuttgarters zu Bayern München sollen die schwachen Darbietungen
aber nichts zu tun haben. (APA)