"Wunderarzt" und Menschenfreund

Redaktion, 16. Juni 2008, 19:07
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    foto: standard/erling

    Qiu Fazu, von vielen Chinesen als "Wunderarzt" verehrt, rettete gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Chefarzt des Krankenhauses von Bad Tölz KZ-Insassen das Leben, die im "Todesmarsch von Dachau" durch die Stadt getrieben wurden. Die heutige Idylle des bayerischen Kurortes lässt nichts vom damaligen Schrecken erahnen.

Chinas "Vater der Chirurgie" Qiu Fazu, der am Samstag gestorben ist, rettete einst auch Juden aus dem KZ Dachau

In Bad Tölz nannten sie ihn den "unermüdlichen chinesischen Wunderarzt". Das war vor fast 65 Jahren in Deutschland unter Hitler, als der chinesische Chirurg Qiu Fazu in der Endphase des Zweiten Weltkrieges nach der Bombardierung Münchens das Tölzer Behelfskrankenhaus als Chefarzt leiten durfte. Tag und Nacht rettete er Deutschen das Leben. "Drei bis vier deutsche Bombenopfer und andere Fälle musste ich damals täglich operieren", erinnerte er sich Jahrzehnte später im fernen China. Da war er Ehrenrektor der chinesisch-deutschen Medizinhochschule Tongji in Wuhan und Mentor des chinesisch-deutschen Medizinaustausches. Von Bundespräsident Richard von Weizsäcker erhielt Qiu 1985 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Auf diese Auszeichnung war er ebenso stolz wie auf die Prüfungsurkunde der Münchner Ludwig Maximilians-Universität, die er trotz seines wildbewegten Lebens unbeschädigt bewahren konnte. Die Pergamentrolle vom November 1939 bescheinigte dem Humboldt-Stipendiaten aus China, alle Prüfungen mit Auszeichnung bestanden zu haben, um nach deutschen Anforderungen den Arztberuf ausüben zu dürfen.

Am Samstag starb der Deutschland eng verbundene, in China von zehntausenden Ärzten als ihr Lehrer und "Vater der chinesischen Chirurgie" verehrte Qiu Fazu in Wuhan im Alter von 94 Jahren. In der Woche davor hatte er sich noch um Erdbebenopfer aus dem fernen Sichuan gekümmert.

Bei menschlichem Leid konnte der couragierte Arzt nie wegschauen. Unter hohem persönlichen Risiko rettete er in Nazi-Deutschland Juden das Leben. Im April 1945 wurden Insassen des KZs Dachau vor den anrückenden Amerikanern in einem Elendszug weggebracht, der in die Geschichte als Todesmarsch von Dachau einging. Qiu Fazu intervenierte, als eine der durch Bad Tölz getriebenen Gruppen Rast vor dem Spital machte.

Er nahm all seinen Mut zusammen, erinnerte er sich später, und ging, begleitet von einer resolut wirkenden deutschen Oberschwester, auf die Gruppe zu. Die KZ-Wächter und Soldaten sahen "überrascht einen Chinesen in deutscher Chefarzt-Kleidung, der sie in perfektem Plattdeutsch anherrschte: Ihre Häftlinge haben Typhus. Die müssen wir sofort mitnehmen." Qiu durfte die "ausgezehrten Jammergestalten" in sein Krankenhaus holen. Er versteckte sie bis Kriegsende im Keller und pflegte sie gesund. Seine deutschen Kollegen hielten den Mund und halfen ihm ebenso wie die Münchner Schwesternschülerin Loni, die er 1945 heiratete.

Ins Landesinnere verlegt

Von da an hielt das Ehepaar durch alle Schwierigkeiten zusammen. Loni Qiu, die mit 85 Jahren ihren Mann nun überlebt hat, folgte ihm nach dem Krieg 1946 zuerst nach Shanghai und dann mit inzwischen drei Kindern in die Jangtse-Stadt Wuhan. Die gesamte Abteilung Medizin aus der einst deutschen Gründungsuniversität Tongji wurde von Shanghai tief ins verschlossene Inland ausgelagert. Aus Liebe zu Qiu ließ sich die Münchnerin, die in Wuhan das Zentrum für die deutsche Sprache leitete, 1958 in China einbürgern. Der damalige Premier Zhou Enlai stellte persönlich die Urkunde aus.

Von den Nöten in den 1960er-Jahren und der Kulturrevolution, die den Chirurgen Qiu zwang, Putzdienste zu leisten, ließ sich die Familie nicht unterkriegen. Qiu wurde danach zum Akademierat ernannt, begründete die Transplantationsmedizin seines Landes, schrieb die wichtigsten chirurgischen Standardwerke und Enzyklopädien Chinas. Er kurbelte zugleich den Medizin- und Hochschulaustausch mit Deutschland an. Hunderte deutsche Medizinstudenten haben in Wuhan seit 1985 ein Praktikum absolviert. (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2008)

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18 Postings
peter schmidt
 
01
17.6.2008, 18:19
danke standard

solche artikel versöhnen mich mit viel unsinn hier.

sehr interessante biographie und großartiger Mensch.

Hätte ohne standard wohl nie davon erfahren.

Ava Tar
45
16.6.2008, 20:20
Super Typ

dem hätte man Strache und Hojac zur Behandlung schicken sollen

Schottentor U-Bahn
21
17.6.2008, 16:25

Sie haben aber auch ein bisschen ein fokussiertes Weltbild, kommt mir vor.

Ava Tar
13
17.6.2008, 16:42

Ich nicht, wohl aber der Strache und der Hojac !

Schottentor U-Bahn
00
18.6.2008, 09:51

Nun, wenn Ihnen zu einem Artikel, der wirklich absolut nichts mit der österreichischen Innenpolitik zu tun hat, nur diese beiden Kasperln einfallen, dann ist Ihr Denken eindeutig etwas fixiert.

NONE
30
17.6.2008, 17:27

In diesem Punkt widerspreche ich.

Und stimme dem Vorposter zu.

Peter Hammer 06
02
17.6.2008, 11:48
Qiu Fazu hätte sich AUCH um die zwei Ungxstln...

...menschlich angenommen.

Flavio Maffia
43
16.6.2008, 20:04

"Qiu Fazu und andere sind der Grund, warum wir die Welt noch nicht aufgegeben haben."
Möge diese Welt erkennen, dass es wenige sind...

Sollte China auch nur in wenigen Punkten seine Ansichten teilen, so sollte es nach Tibet schauen...

H. G.
10
17.6.2008, 12:52
ich bin mir sicher,

sie glauben auch, dass die weiblichen föten in china die strassenränder säumen, gelt?

Truhe
 
11
17.6.2008, 12:27

Sie plärren auch "Free Tibet" wenns um Chinakohl geht was?

Werner FROELICH
11
17.6.2008, 10:28
Tibet wird uns nur aus der Sicht seines Ex-Kaisers gezeigt

Ich verneige mich vor dem Dalai Lama. Aber die Ideale des tibetansichen Buddhismus sind nicht wirklich Demokratie-verträglich (wenn man eine gesicherte Wiedergeburt nich anrechnet!). Es gibt in den chinesischen Südprovinzen jede Menge tibetanische Gastarbeiter. Die dort aber als ungebildete und sehr of kriminelle Menschen auffallen. Tibet war vor 1952 ein feudaler Staat mit 90% der Bevölkerung ohne demokratische und auch Menschenrechte! dir VR China hat Probleme den Tibetern Autonomie zuzugestehen da dann ca 30% der chinesischen Bevölkerung die nicht Han sin auch Autonomie wollen. Vor allen die muslimischen Turkvölkerstämme.

Flavio Maffia
10
17.6.2008, 18:10

natürlich ist der tibetische Buddhismus weltfremd, aber das ändert nichts an der grossen Philosophie die dahinter steckt

mike sierra
02
17.6.2008, 11:14
Licht der Zivilisation?

"Tibet war vor 1952 ein feudaler Staat ... ohne Menschenrechte"
Das rechtfertigt natürlich eine Annexion Tibets durch China. ? Mit genau der derselben Begründung haben die europäischen Staaten im 19. Jh bis hinauf in die Mitte des 20. Jh ihren Imperialismus argumentiert. Oder Südafrika die Apartheid. Und bis heute rechtfertigen die USA ihre Kriege mit dem Ermöglichen und Gewährleisten der Demokratie (aus europ. Sicht nur vorgeschoben) --- und werden zurecht dafür getadelt.

a propos Tibet: China hat damals einen souveränen Staat annektiert. Das aktuelle Modell des Dalai Lama sieht sehr wohl eine demokratische Regierung vor. Und Autonomie ist vor Einführung immer ein Problem, nachher nur in Ländern wie Kärnten.

H. G.
11
17.6.2008, 13:00
wenn sie sich genau anschauen

was der dalai lama vertritt, werden sie draufkommen dass dies in weiten strecken total faschistoid ist und hitler und konsorten hätten ihre helle freude damit.
und dann wollen wir einmal realpolitisch sein: china konnte sich das vakuum am dach der welt nicht leisten und marschierte dort ein, bevor indien dies getan hätte.
wir sitzen selbst im glashaus:
es ist gar nicht so lange her, da haben österreicher mit deutschen gemeinsam versucht die juden, die homosexuellen, die zigeuner, und viele die ein sogenanntes "unwertes" leben hatten, auszurotten.
soweit ich weiss ist tibet seit 50 jahren bei china und jetzt passt es gerade wegen der olympiade. aber was die usa an leid verursachen und welche kriegsverbrechen sie begehen ist ihnen wurscht?

August Hoffmann
16
16.6.2008, 19:34

Ich verneige mich vor diesem Menschen.

RIP

H. G.
11
17.6.2008, 13:01
ich bete, dass es eine wiedergeburt gibt

wir brauchen mehr von diesen menschen, die unabhängig von rasse und vorurteilen agieren

Phryx Sodalis
10
17.6.2008, 17:10

Die Wiedergeburt ist mit dem Leiden verbunden. Das Ziel ist das Ende der Wiedergeburt als Ende des Leidens. Somit ist es unsinnig, jemandem eine Wiedergeburt zu wünschen, auch keine gute. Es sei denn, ein Bodhisattva (quasi noch nicht vollendeter Buddha) entschließt sich freiwillig noch in der Welt zu bleiben (wieder in die Welt zu kommen) und anderen Wesen zu helfen.

H. G.
00
17.6.2008, 23:46
ist das nicht seltsam

für die einen ist wiedergeburt mit leiden verbunden, für die anderen bedeutet sein leben und das anderer so gut wie nichts, er sprengt sich in die luft - vermeintlich höherer werte (wie huris oder so) wegen.
und uns mitteleuropäern wurde schon eine todessehnsucht nachgesagt, die ich - je älter ich werde - so gar nicht spüre.
ich lebe gern und ich bin mir sicher, dass es unser
"Wunderarzt" und Menschenfreund
ebenso gehalten hat.
MERKE AUF: das leben besteht auch aus freuden !
aber das ist ihnen vielleicht noch nicht aufgefallen?

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