TV-Anstalten wehren sich gegen Zensur der UEFA

Redaktion, 04. Juli 2008 16:34

Flitzer, bengalisches Feuer: Zuschauern wurden Bilder vorenthalten - ORF-Infodirektor Oberhauser: "Tiefere Problematik"

Wer die EURO 2008 im Fernsehen verfolgt, sieht nicht alles. Die Bildauswahl trifft der Europäische Fußballverband (UEFA) bekanntlich als Veranstalter selbst. Und achtet dabei darauf, dass keine unliebsamen Szenen ausgestrahlt werden.

Nachdem der ORF schon vor der EURO auf diese Problematik hingewiesen hatte, hat sich nun in der Schweizer "Sonntagszeitung" auch SRG-Chef Armin Walpen dagegen verwehrt. "Wir lehnen jede Zensur von Sportveranstaltungen ab." Große Sportverbände versuchten zunehmend, sich mit eigenen Produktionsfirmen die Hoheit über Bild und Ton zu sichern. Dies sei wegen des Informationsauftrags der SRG und der journalistischen Unabhängigkeit "mehr als problematisch". Walpen will deshalb bei der UEFA schriftlich intervenieren.

"Tiefere Problematik"

Auch beim ORF sieht man das ähnlich, obwohl laut Informationsdirektor Elmar Oberhauser bei den bisherigen EM-Spielen bis auf einen Flitzer bei Österreich-Kroatien sowie Szenen mit bengalischem Feuer bei einem anderen Match "nichts Gravierendes" ausgelassen wurde. "Aber das Ganze hat eine tiefere Problematik und man muss überlegen, ob man das weiter so akzeptieren kann", sagte Oberhauser am Sonntag und kündigte an, das Ganze nach der EURO zum Thema machen zu wollen.

Immerhin sei auch die FIFA wieder zur EBU zurückgekehrt, so Oberhauser: "Es kann nicht sein, wenn eventuell etwas passieren würde und wir können das nicht herzeigen." Dies stünde im Widerspruch zum Auftrag, umfassend und informativ zu berichten, betonte Oberhauser und bekam Unterstützung von ORF-Sportchef Hans Huber. "Natürlich ist das nicht gut und wir werden der UEFA jetzt ganz genau auf die Finger schauen!" Durch den UEFA-Vertrag seien dem ORF aber die Hände gebunden, so Huber.

Publikumrat: "Bedenklich"

"Bedenklich" findet Othmar Kempf, Präsident des Publikumsrats der SRG, das Verhalten der UEFA. Er hofft, dass das Schweizer Fernsehen genügend Spielraum aushandeln konnte, damit die redaktionelle Freiheit nicht verloren geht. "Sonst fühle ich mich als Zuschauer desinformiert oder sogar manipuliert."

Für Peter Studer, den ehemaligen Präsidenten des Schweizer Presserats, "entpuppt sich die UEFA nicht nur als habgierig, sondern auch als kleinlich und kontrollwütig". Leider sei die "unjournalistische Bildzensur" von Sportbildern kein neues Phänomen. Aus dem Unterhaltungsbusiness höre man immer wieder Klagen, dass Bilder vor der Publikation PR-Beratern oder den Stars vorgelegt werden müssten.

Es sei zwar verständlich, dass die UEFA keine "Bilderflut von hässlichen Ausschreitungen will" und die Zuschauer nicht in erster Linie Pöbeleien sehen wollten, räumt Studer ein. Trotzdem müssten die TV-Anstalten selber entscheiden können, was sie ausstrahlen, findet auch die Zürcher Werbestrategin Daniela Bemberg: "Es kann nicht sein, dass matchrelevante Szenen dem Publikum vorenthalten werden." So oder so sei die Vermarktungsspitze der EURO mit der Austragung 2008 erreicht. "Das gilt sicher auch für die TV-Stationen, welche die Übertragungsrechte zu hohen Preisen erstehen müssen, um dann zensurierte Bilder zu erhalten." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3
der postbote
16.06.2008 15:34
die uefa, die von öffentlichen geldern lebt

- stichwort stadienbau, sicherheit, fernsehgebühren - muss endlich in die schranken gewiesen werden. und zwar in vielen bereichen.

T14ELITE
19.06.2008 09:32

und die durch die uefa profitierenden, fussballverbaende, tv-sender, spielervermittler, bautraeger (bis hin zu "architekt" albert wimmer, planer der oefb-em-stadien), vermarkter, werber,... werden ihre gewinne zugunsten einer recht stabilen uefa-machtfuelle verteidigen.

rudi rednose
16.06.2008 13:16
Die Frage ist, warum unterschreiben

öffentlich-rechtliche Sender solche Verträge. Des weiteren wäre es endlich an der Zeit, die Verbände - annähernd egal welcher Sportart - in die Schranken zu weisen.

Wie selbstverständlich werden "Verbands-Gesetze" formuliert, die eher an dubiose Staaten ohne funktonierende Rechtssysteme erinnern. Wenn dann irgendwer dagagen aufsteht, wird mit Liebesentzug und Blockade gedroht.

Es ist schon klar, wer zahlt schafft an, aber sogar die Wirtschaft, wo dieses Prinzip ganz besonders gilt, bringt es zumindest vordergründig zusammen, sich an Gesetze zu halten.

fritz67
16.06.2008 13:38
"Es ist schon klar, wer zahlt schafft an"??

ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass gebührenbezahler hier viel anschaffen.

genau darum bezahl ich keine GIS!!

Chica27
16.06.2008 13:13
Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu.

dumm gelaufen für den orf. zuerst macht er programm zum abschalten, zieht seine gebührenzahler über den tisch und lacht sich darüber noch ins fäustchen. jetzt aber hat der staatsfunk seinen meister gefunden und meint, aufmucken zu können. was meinen huber-ober wer sich für ihr weinerliches gesülze interessiert? etwas genau jene gebührenzahler, die sie selbst vertrieben haben?

kofid
16.06.2008 12:38
UEFA

Die UEFA übertreibt es in vielerlei Hinsicht.

Sponsoring, die Übertragung an sich, Rechte - wer darf was sagen und wie, etc.

Das Ganze nimmt negative Züge an. Ich finde es richtig und notwendig nach der EURO darüber zu diskutieren und evtl. Änderungen herbei zu führen.

Die EM ist eine Tolle Sache und die UEFA macht auch einen sehr guten Job, dafür Danke. Größenwahnsinnig darf man jedoch nicht werden, dadurch kann viel kaputt gemacht werden. Das Image ist bereits jetzt etwas angekratzt.

Ob der ORF oder das Schweizer Fernsehen alleine viel daran ändern können bezweifle ich. Irgendwer muss jedoch beginnen.

Hoffe den großen Worte von Oberhauser und Huber folgen auch Taten. Heisst ja immer die Hoffnung stirbt zu letzte.

Schwamm Drüber
16.06.2008 12:24
das gejammere erinnert mich jetzt aber stark

an die standler in den fan zoo`s. jeder hat die bedingungen vorher gekannt und trotzdem viel geld dafür bezahlt. beim nächsten mal daher die mieten nicht akzeptieren und keine linzenzen zu den vorgaben kaufen und die welt wird ganz schnell eine andere sein.

Alex popelino
16.06.2008 12:03
Internet

nicht mal im Netz find ich möglichkeit mir ne Zusammenfassung an zusehen; kennt jemand einen live Link? ORF und 3 geht nix.

fritz67
16.06.2008 11:29
komisch,

dass es niemanden (außer mir) stört, dass die UEFA z.b. in innsbruck, wo ich zur zeit lebe, die ganze Innenstadt besetzen kann und dort ihre eigenen gesetze macht.
ich fühle mich in meinen bürgerrechten beschränkt.
noch dazu kommt, dass die UEFA millionen einstreicht, während ich das ganze mit meinen steuern bezahlen darf.

erzbengel
16.06.2008 12:52
Nur teilweise richtig

Bei den meisten Ständen gibt es neben Carlsberg auch anderes Bier.
Stiegl, Hirter, Erdinger, Theresien, Franziskaner, ... wurde alles schon gesichtet. Teilweise bis 3,20 EUR herunter.
Sonstiger Kritik kann man zustimmen. So toll ich die EM im Moment auch finde, für ein Ereignis dieser Größenordnung sollte man sich unter diesen Voraussetzungen nicht mehr bewerben.

fritz67
16.06.2008 12:59
??

wo hab ich was über bier geschrieben?

erzbengel
16.06.2008 18:02

Dass die UEFA die Stadt besetzt schließt ein, dass sie das Bier vorschreibt. Das ist aber in Innsbruck nicht der Fall.

poldus feschus
16.06.2008 12:04
du bist in deinen

Buergerechten eingeschraenkt u. , wenigstens nach dem wr. VeranstaltungsG. duerfte die EURO so gar nicht stattfinden

Mark Syl
16.06.2008 11:58
hm

komisch, dass es sie stört, wenn einmal in 50 jahren eine relevante veranstaltung sich nach innsbruck verirrt. sei froh, dass mal richtig was los ist. du brauchst nix bezahlen, du wirst davon eher profitieren.

fritz67
16.06.2008 13:08
ach so

100.000 besoffene gestalten, die sich hier die birne zuknallen (was absolut nichts mit fußball zu tun hat), sind also eine bedeutsame sache für dich.
du findest es also auch toll, wenn deine steuergelder mit hilfe der politik umgeleitet werden in die kassen der uefa??
nichts bezahlen?? das glaubst auch nur du.

Mark Syl
16.06.2008 15:21
hm

eine wunderbare fete das ganze. herrliche stimmung. international, fantastisch.....

Freund der Sanktionen
16.06.2008 12:47
Die Relevanz eines solchen Prol-Events

entsteht aber schon eher im Auge des Betrachters. Und wenn, wie in der Presse kolportiert, 90% der Erlöse an die UEFA gehen, dann stellt sich die Frage, wer wirklich davon profitiert, nicht mehr.
Und davon einmal abgesehen: der ORF bewegt sich mit der Akzeptanz von Bildzensur auf einem extrem schmalen Grat. Es kann nicht angehen, daß ein mit öffentlichen Geldern (ich seh die Radio- und Rundfunkgebühren jetzt einmal als Steuern) finanziertes Medienunternehmen Anweisungen von irgendwelchen Sportmonopolisten entgegennimmt...

Der kleine Lord
16.06.2008 12:42
Der war gut!

vega4
 
16.06.2008 12:29

Bitte hört's mit den Ammenmärchen auf was für ein
toller Wirtschaftlicher Nutzen jedem zugute kommen
wird......

poldus feschus
16.06.2008 12:05
das ist eine

Entschuldigung fuer Rechtswidrigkeit ?

stuntman mike
 
16.06.2008 11:11

muhaha und das grad vom ORF...

Ich erinnere: Eishockey b-Wm in Innsbruck zur belustigung aller war im Österreich fanblock einer die ersten zwei drittel auf den schultern seiner 2 kollegen völlig nackt -und was macht der Orf er zeigte die ersten 2 drittel wie ich später erfahren habe nur die andere Hälfte des fanblocks.......

Mork vom Ork
16.06.2008 11:20

die entscheidung hat aber der ORF getroffen.

sixela
16.06.2008 12:40

Ist der ORF ein sympathischerer Zensor als die UEFA?

Jim Kirk
16.06.2008 13:02

Er ist unser zensor.

superloser
16.06.2008 10:36

Ich versteh ehrlich gesagt nicht, wieso dieses Spiel mitgespielt werden muss.
In Österreich wird die EM ausgetragen. Ein, zwei Spiele in Wien. Wem gehört denn das Stadion? Der Stadt? Dann hat die Stadt doch das Hausrecht und kann dem ORF erlauben, Kameras aufzubauen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.