Günter Benkö: "Es müssten mehr Elfmeter gepfiffen werden" - Arsene Wenger für Videobeweis um Fehler zu reduzieren.
Wien - Der Weltmeister steht vor dem Aus - und klagt über die Schiedsrichter. Der norwegische Schiedsrichter Tom Henning Övrebö und sein Assistent entschieden am Freitag im Spiel der Gruppe C zwischen Italien und Rumänien (1:1) in der Nachspielzeit der ersten Hälfte bei einem Kopfball-Treffer von Luca Toni fälschlicherweise auf abseits und erkannten das Tor nicht an. Es war bereits die dritte folgenschwere Abseits-Fehlentscheidung der EURO 2008. Die Elfmeter-Entscheidung für Rumänien allerdings war richtig.
Mehr Elfmeter
Keine ungewöhnliche Häufigkeit, meinte Österreichs früherer EM- und WM-Schiedsrichter Günter Benkö zur Diskussion über Abseitstreffer. "Fehler sind da, das ist menschlich. Sie dürften nicht passieren, passieren aber", meinte der Burgenländer, der allerdings glaubt, dass bisher zu wenige Elfmeter gepfiffen worden sind und die UEFA-Schiedsrichterkommission ihre Leute anhält, vermehrt auf den Strafstoßpunkt zu zeigen. Diskussionen über den Elfmeter, den die Rumänen gegen Italien erhalten haben (und durch Mutu vergaben) bzw. jenen der Österreicher, den Vastic zum 1:1-Endstand gegen Polen verwertet hat, kann er nicht verstehen.
"Der Elfmeter für Österreich war klar und der für Rumänien war klar. Der Rumäne war ja schon ganz blau", meinte er zum Würgegriff von Panucci gegen Tamas. Die Schiedsrichterkommission hätte schon lange im Vorfeld und nicht nur für die EM "eine klare Weisung gegeben, Halten, Zerren, Aufstützen etc. rigoroser zu ahnden". Daher seine Conclusio: "Es hätten mehr Elfmeter gepfiffen werden müssen. Ich glaube, das bekommen die Schiedsrichter bei den Besprechungen am Tag nach ihren Einsätzen auch zu hören. Ich glaube, es kommt die Order, es müssen mehr Elfmeter gepfiffen werden. Was sich derzeit im Strafraum abspielt, ist ein Wahnsinn".
Abseits als Schiri-Schwachpunkt
Während die Referees bei den bisher verhängten Elfmetern also nicht falsch lagen, entschieden ihre Assistenten bei drei Abseitsentscheidungen mit anschließendem Tor nicht richtig. Der Spanier Cesc Fabregas fixierte beim 4:1-Erfolg gegen Russland aus Abseitsposition den Endstand, Polen ging beim 1:1 gegen Österreich durch ein Abseitstor von Roger in Führung, Italien wurde gegen Rumänien das 1:0 von Luca Toni fälschlicherweise verwehrt.
"Das Tor von Toni hätte klar erkannt werden müssen", meinte Benkö, der die Schiedsrichter-Assistenten dennoch generell in Schutz nahm. "Es gibt nichts zu beschönigen, das waren Fehler. Es wäre schade, wenn eine Mannschaft wegen eines Assistenten-Fehlers ausscheiden würde. Die Situationen waren aber nicht leicht zu entscheiden", sagte Benkö.
Der Mensch würde an sein Limit kommen, was auch schon Studien bewiesen haben. "Das Auge kann gewisse Situationen nicht verfolgen. Den Zeitpunkt der Ballabgabe und die Position von Stürmer und Verteidiger klar zu identifizieren ist verdammt schwierig. Die Schnelligkeit bei dieser EM ist enorm, es geht von der ersten bis zur letzten Minute volle Power. Es geht heutzutage so schnell, das Spiel ist sehr variabel, es wird viel rochiert", erklärte Benkö. Und führt als Beispiel auch die Regel betreffend gleiche Höhe als "pervers" an: "Wenn Kopf, Rumpf oder Fuß vorne sind, ist das abseits. Sind Hände vorne, dann nicht. Das zu beurteilen ist verdammt schwer".
Arsene Wenger ist für den Videobeweis
Die Schiri-Assistenten sind da in einigen Situationen überfordert, auch wenn sie "viel arbeiten und wirklich gut" sind. Der Weltverband FIFA hat mittlerweile sogar ein eigenes Trainingsprogramm für die Assistenten erstellt, in dem alle Varianten und Szenen geübt werden. Dieses Programm soll übrigens auch für die Unparteiischen in der österreichischen Bundesliga eingeführt werden. Technische Hilfsmittel lehnt Benkö jedoch ab. "Das würde den Fußball kaputt machen", sagt er.
Er findet sich da im Gegensatz zu Arsenals Arsene Wenger. Der Startrainer spricht sich für die Einführung des Videobeweises aus, auch für Abseitsentscheidungen. "Auf diesem Level wird fast jedes große Spiel von Abseits oder nicht Abseits entschieden. Wir müssen die Fehler reduzieren, wenn wir die nötige Technologie dazu haben. Fehler passieren bei hohem Tempo. Aber wir haben Verantwortung für das Spiel, für die vielen Fans, die sich die Spiele anschauen. Es ist kein gutes Vorbild für die Jugend, wenn Spiele so oft durch Ungerechtigkeiten entschieden werden. Das ist nicht fair", betonte Wenger. (APA)