Wer nicht demütig ist, den straft der Elfmeter, dessen Anlass der Sündenfall ist - Der Elfer ist Kopf des Tages
Der Eintrittszeitpunkt des Elfmeters in die Geschichte liegt im Dunkeln. Nur die Namen des Schützen, David, und des Goalies, Goliath, sind im biblischen Regelwerk überliefert. Ob "Goalie" auf den ersten Vertreter dieser Rolle zurückgeht, ist selbst unter den Bibelforschern umstritten.
Die Bezeichnung "Elfmeter" ist das Ergebnis eines Kulturtransfers. Die Engländer, die eine besonders innige Beziehung zum Heiligen Land unterhalten und wesentlich zur Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 (Ziffernsumme = 22, mit der Zahl der Fußballspieler ident) beitrugen, legten den Ball im Strafraum zwölf Yards (= Zahl der Apostel) von der Toroutlinie entfernt auf. Zwölf Yards sind rund elf Meter (also Apostel ohne den Spielverderber Judas Ischariot).
Der Anlass eines Elfmetters ist ein Sündenfall, Foul genannt. Der 12er/11er erlöst von dieser Schuld durch ein Gottesurteil. Der Mensch ist dabei Instrument. Er führt den Elfmeter mit dem Fuß aus und weiß sich in seiner Hand (=Torhüter). Die Demut spielt die entscheidende Rolle. Wer Ivica Vastic vor dem Elfer gegen die Polen am Donnerstag ins Gesicht sah, der wusste, dass er wusste.
Der Elfer in seiner heutigen Form wurde 1891 im gottesfürchtigen Irland von dem Goalie William McCrum erfunden und noch im selben Jahr von der britischen Football Association in den Regelkanon aufgenommen. Zwei Jahre später nahmen auch die kontinentalen Spieler diesen Brauch an, der bis 1902 von einer über die Spielfeldbreite gezogenen "Sühnelinie" aus getätigt wurde. Ein Elferschießen ist eine neuzeitliche Liturgie des Elfmeters und wird zur Absolution unrettbarer Spiele eingesetzt. Das erste auf solche Art gesühnte Turnier war die EM 1976, Deutschlands Stürmer Uli Hoeneß entbehrte sichtlich der Hingabe und pfefferte den Ball in den ungnädigen Himmel über Belgrad, Antonín Panenka hingegen tat weder Tor noch Goliath Sepp Maier Gewalt an und schupfte den Ball ehrfürchtig über die Linie (CSSR =Europameister).
Eine seit Rapids deutschem Meistertitel 1941 von der grünen Sekte postulierte Lehre geht von einer gemeinsamen kultischen Wurzel der Rapid-Viertelstunde und des Elfmeters aus. Das dogmatische Verbindungsstück ist der utilitaristische Heilsbegriff. Plausibel und sehr protestantisch.
Tatsächlich gelten die Deutschen als Hohepriester des Elfmeters, was angesichts der essenziellen Demut ein tiefes Glaubensparadox darstellt. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 14. Juni 2008)