Englischer Referee der Buhmann - UEFA bestätigt Elfer-Entscheidung - Teamchef Beenhakker: "Sind aus dem Turnier"
Wien - Die 65 Jahre waren ihm nicht anzusehen, als er nach
dem Schlusspfiff auf das Spielfeld stürmte um Schiedsrichter Howard
Webb die Meinung zu sagen. "43 Jahre bin ich nun schon im Geschäft,
ich habe Referee-Entscheidungen immer akzeptiert. Aber dafür habe ich
kein Verständnis", erklärte der sonst so besonnene polnische
Fußball-Teamchef Leo Beenhakker nach dem durch einen späten
Vastic-Elfmeter bedingten 1:1 gegen Österreich am Donnerstagabend.
Der Niederländer war nach dem Remis im Wiener Happel-Stadion kaum
zu bremsen. "Es war völlig unnötig, den Freistoß (vor dem Elfer-Foul,
Anm.) zu wiederholen. Und dann war es das übliche Wrestling, das wir
schon in den vergangenen fünf Jahren gesehen haben. Vielleicht musste
er beweisen, dass er ein großer Junge ist", urteilte der
Trainer-Altmeister über den englischen Unparteiischen. Ins selbe Horn
stießen die polnischen Medien. "Ein Versager aus England hat uns den
Sieg gestohlen", urteilte die Tageszeitung "Dziennik", und die
"Gazeta Wyborcza" erkannte: "Der Schiedsrichter pfiff einen Elfmeter,
den wohl 99 von 100 Schiedsrichtern nicht gegeben hätten."
Polen benötigt am Montag in Klagenfurt nun einen hohen Sieg gegen
die bereits fix fürs Viertelfinale qualifizierten Kroaten, um bei
einem gleichzeitigen knappen Sieg der Österreicher gegen Deutschland
aufzusteigen. "Es ist nicht mehr in unserer Hand, und die
Schlussfolgerung ist, dass wir verloren sind. Wir sind aus dem
Turnier und das tut weh", machte sich Beenhakker keine großen
Hoffnungen. Polens Torschütze Roger Guerreiro, der mit seinem ersten
Teamtreffer (30.) den Spielverlauf in der ersten Spielhälfte auf den
Kopf gestellt hatte, blieb gelassen. "Wir müssen nach vorne blicken.
Unnötig zu sagen, dass das wie ein Finale für uns wird", meinte der
"Man of the match".
Frustbewältigung
Im Lager des EM-Debütanten, der wie Österreich weiter auf den
ersten Erfolg bei einer EM wartet, herrschte nach der, wie Kapitän
Jacek Bak meinte "gefühlten Niederlage", Frustbewältigung. "Wir waren
auf dem Weg, das Spiel zu gewinnen und uns damit die gute Chance auf
den Aufstieg zu erarbeiten. Nun ist unser Selbstvertrauen gering und
wir werden im Training hart arbeiten müssen, dass wir für Kroatien
bereit sind", meinte der Austria-Verteidiger.
Hoffnungen, dass die Kroaten nach dem 2:1-Prestigeerfolg gegen
Deutschland nur mit angezogener Handbremse und der zweiten Garnitur
antreten würden, machten sich die Polen nicht. "Die werden voller
Selbstvertrauen sein nach dem Sieg gegen Deutschland. Es sollte ein
gutes Spiel werden, aber das wird hart für uns", erklärte Marek
Saganowski, der die aus Abseitsposition erzielte Führung Polens
vorbereitet hatte. Es sei schwer, das Unentschieden zu akzeptieren.
"Es ist eine Schande, das Spiel mit so einem späten Elfmeter zu
beenden. Wenn Österreich nach all den Chancen in der ersten
Spielhälfte getroffen hätte, wäre es fair gewesen."
Keine Zweifel gab es hingegen über den Besten der "Kadra".
Torhüter Artur Boruc hielt sein Gehäuse in den ersten 20 Minuten mit
Glanzparaden gegen Harnik und Leitgeb sauber. "Es war zunächst ein
Spiel Boruc gegen Österreich", erkannte die "Gazeta Wyborza". Ohne
den Goalie vom schottischen Traditionsclub Celtic Glasgow, der erst
am Mittwoch erstmals Vater geworden war, hätte Polen sicher verloren,
"dazu noch ziemlich hoch" ("Pilka Nozna").
UEFA bestätigt Elfer-Entscheidung
Am Montag Nachmittag verteidigte die UEFA die Elfmeter-Entscheidung für Österreich
von Referee Howard Webb. "Wir glauben
nicht, dass es eine Diskussion geben kann, wenn ein Spieler mit
beiden Händen am Trikot zu Boden gerissen wird", betonte
UEFA-Sprecher William Gaillard am Freitag. Die Disziplinarkommission der UEFA werde sich laut Gaillard auch
mit einer möglichen Bestrafung Beenhakkers befassen.
(APA)