Analyse: Ein Königreich für einen Knipser

Redaktion, 15. Juni 2008, 00:14

Bessere Chancen als ein neuformiertes Österreich sie gegen Polen vergab, kriegst du nicht. Zum Überleben brauchte die Hoffnung schon einen Elfer

Wien - Ein milder Elfmeter, gepfiffen von Referee Howard Webb in der Nachspielzeit, bringt Österreich nun also das erhoffte (befürchtete?) Endspiel gegen Deutschland. Damit war in der Schlussphase der Partie gegen Polen nicht mehr zu rechnen. Auch Josef Hickersberger schien mit der Europameisterschaft bereits abgeschlossen zu haben: Resignation ausstrahlend lehnte er an seiner Trainerbank.

Der Teamchef hatte seine Mannschaft im Vergleich zur Premiere gegen Kroatien an immerhin drei Positionen verändert - mehr wäre vermutlich auch ungesund gewesen. Vor Jürgen Macho bildeten Martin Stranzl/Sebastian Prödl sowie György Garics/Emanuel Pogatetz eine Viererkette. Letzterer rückte dabei von seiner angestammten Position in der Mitte nach links, das kennt er aus Middlesbrough. Im Mittelfeld formierte sich die erwartete Raute: Rene Aufhauser gab dort alternierend mit Christoph Leitgeb den defensiven Part, an den Flanken operierten Ümit Korkmaz (links) und der diesmal in ein engeres Korsett geschnürte Andreas Ivanschitz. Das zunächst unveränderte Sturmduo gaben Martin Harnik und Roland Linz. In Zahlen ausgedrückt sah das so aus: 4-1-3-2 (im Bedarfsfall fluide in ein 4-2-2-2 verwandelt).

Die monochrom rote Panier der Österreicher reflektierte den auch tatsächlich vorhandenen Agressivitätsschub des Teams. Zumeist wurd ohne Fisimatenten nach vorne marschiert, Österreich war von Beginn an voll im Saft. Korkmaz tat was von ihm erwartet wurde, rannte unermüdlich an und brachte seine gefürchteten Tempodribblings an. Er band dabei neben seinem unmittelbaren Gegenspieler Wasilewski auch den polnischen Linksaußen Saganowski. Den Blick für die Mitspieler verlor der Neo-Frankfurter dabei übrigens keineswegs.

Auch Harnik und Leitgeb bereiteten der Defensive des Gegners in forsch gesuchten Eins-gegen Eins-Situationen ein ums andere Mal schwere Kopfzerbrechen. Ein wirklich gutes Österreich bestimmte eindeutig das Geschehen. Es gelangen auf der Basis sicheren Kombinierens (über 70 Prozent der Passes saßen) auch viele weiträumig angelegte Spielverlagerungen, die die als besonders kompakt geltende polnische Formation auseinander zog und in der Folge arg strapazierte. Ihre nominell fünf Offensivleute kamen aufgrund austriakischen Drucks in der ersten Halbzeit nie zur Ausübung ihres eigentlichen Geschäfts.

Dazu trugen auch die unauffällig aber emsig agierenden Aufhauser (legte bis zu seiner Auswechslung die größte Distanz der Österreicher zurück) und Leitgeb bei. Aufhauser steigerte sich gegenüber dem Kroatien-Spiel deutlich, er verschenkte kaum einen Ball. Leitgeb versiebte allein auf Boruc losstürmend die dritte österreichische Großchance. Seine Abseitsstellung hatte das Schiedsrichterteam dabei übersehen.

Zuvor war zweimal Harnik am sehr starken polnischen Keeper (erste Unsicherheit in Minute 78!) gescheitert. Der Bremen-Reservist begann fulminant, wirkte nach den vergebenen Gelegenheiten aber deutlich mitgenommen. Er fiel im Fortgang der Begegnung etwas zurück. Linz dagegen strahlte erneut keine Gefahr aus, einige Male agierte er unglücklich, nie visierte er das Tor an. Sein Austausch gegen Roman Kienast nach einer Stunde war logisch.

Derart eklatant abgehende Kühle vor dem Kasten wird nicht pardoniert. Doch bei Polens insofern fast unvermeidlichem Führungstreffer stellte sich Österreichs Viererkette auch ungeschickt an. Sie verschob sich zu sehr nach rechts und vergaß in ihrem Rücken Saganowski. Smolarek durfte überdies unbedrängt flanken (wo war Ivanschitz?) und Korkmaz orientierte sich zu spät nach hinten. Pogatetz ließ sich - ungestüm herzu eilend - düpieren. Macho konnte nichts mehr retten. Er hielt ansonsten was zu halten war, das war lange Zeit nicht gerade viel.

Eine einzige (und eigentlich die einzige) Enttäuschung war die Leistung von Ivanschitz, der mit seiner Rolle auf der rechten Seite in keiner Phase etwas anfangen konnte. Er kam nie in der Partie an, nahm kaum einmal Risiko und dafür Zuflucht im Alibipass. Zur Pause heißer Wechselkandidat, durfte er noch einmal 20 Minuten weitermachen. Erst dann kam Ivica Vastic - wohl zu spät.

Hinter Ivanschitz präsentierte sich Garics defensiv tadellos. Sein Drang nach vorne war enden wollend, obwohl er einmal hochgefährlich wurde. Sein kreatives Vermögen muss trotzdem über jenes von Joachim Standfest gestellt werden. Bei Standards sicherte er gemeinsam mit Korkmaz hinten ab, während Stranzl/Prödl/Pogatetz ihre Kopfballstärke auszuspielen suchten. Beide Innenverteidiger hatten ihre Kontrahenten sicher im Griff. Den fehlerlosen Stranzl hielt es im Finish nur noch schwer hinten. Prödl war im Spielaufbau schwach. Kein Pass kam an.

Nach rund einer Stunde merkte man den Österreichern den Kräfteverschleiß an. Fehler begannen sich einzuschleichen, die Polen kamen nun zu Chancen. Smolarek war ihr gefährlichster Mann. Die polnische Defensive konnte sich konsolidieren und bekam den zunehmend ausgepowerten Korkmaz immer besser in den Griff. Die Partie verlor an Klasse, das Nationalteam schaffte keinen Schlussspurt. Die frischen Kräfte Vastic, Kienast und Jürgen Säumel (für Aufhauser) konnten keine Akzente mehr setzen. Der Grazer ordnete sich brav ein, sein auffälligster Moment war ein aus ordentlicher Entfernung abgegebener Gewaltschuss. Kienast behauptete den Ball gekonnt, in den Strafraum schaffte er es nicht. Vastic versuchte mehrmals direkt weiterzuleiten, doch das klappte nicht so recht. Seine Ordnungsmacht war diesmal sehr begrenzt, beim Elfmeter jedoch machte der Routinier alles richtig. (Michael Robausch - derStandard.at 12.6. 2008)

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K R
20
14.6.2008, 00:42
danke hickersberger

DAS hätte scharner auch gebracht anstatt dem maßlos überschätzten ivanschitz

aber wir sind ja auch so gut, daß wir es uns leisten können, den besten frühjahrstorjäger zuhause zu lassen.

ich schlage vor das superduell der vollflaschen:

domenech vs hickersberger
aber bitte am golfplatz und nie mehr beim fußball

deportista olé
00
13.6.2008, 17:10
gute Analyse

aber: was zum Henker sind Fisimatenten????

Hietzing, Hietzing!
03
13.6.2008, 16:05
Ü! Ü! Ü!

Wir sind Üsterreich!

Go Ümit!

Alfred Roscher
00
13.6.2008, 16:03
Wo sind die Kopfball Ungeheuer

Der Hicke hätte mich mitnehmen sollen. Meine Kopfbälle sind immer noch gefürchtet. Mindestens so sehr, wie die Standards vom Vastic.

aereo
00
13.6.2008, 16:18

Wir wollen den Horuck-Kick nicht mehr

aereo
12
13.6.2008, 15:58
Bleibts am Boden

Wir hatten 10 Jahre lang die peinlichste Nationalmannschaft des Kontinents, und das ist die Wahrheit, kein Gag. In 2 Jahren werden wir mit einem interessanten Team im oberen Drittel Europas ankommen. Aber jetzt ist es noch zu früh. Trotzdem natürlich: Alles Gute fürs nächste Spiel!

boa vista
12
13.6.2008, 16:07

genau so sehe ich das auch - mit der einschränkung, dass es dazu einen fähigeren trainer braucht. warum haben andere nationen, die auch nicht zur fussballerischen elite zählen einen beenhaker, einen hiddink, einen trappatoni oder hitzfeld, während das ösi-team immer wieder einen aus der cordoba-clique vorgesetzt bekommt? es kann doch nicht nur am geld liegen, oder?

aereo
01
13.6.2008, 16:17

Viel wichtiger als der Nationaltrainer sind die Nachwuchstrainer und sind einfach die Jungs selber. Alle auf die wir jetzt bauen sind (mit der Ausnahme Harnik) in einem desaströsen nationalen Fußballsystem aufgewachsen und trotzdem zu einem Versprechen geworden. Dank der eigenen Fähigkeiten und der partiell guten Nachwuchsarbeit. Daß der Teamchef letztlich was dazutun sollte stimmt schon. Aber selbst ein Hickersberger würde nicht verhindern können daß das Team besser wird.

boa vista
00
13.6.2008, 16:19

das stimmt natürlich alles!

Chris_SM
10
13.6.2008, 15:42
Fisematenten?

Wurde diese durchaus lesenswerte Analyse von einem deutschen Gastarbeiter verfasst?

funjunkie
00
13.6.2008, 17:03
haben sie eine ahnung......

woher dieser ausdruck kommt?

Schnurz Homunculus
01
13.6.2008, 17:24
visitez ma tente

war die Aufforderung der französischen Soldaten in den napoleonisdhen Kriegen an die heimischen Mädchen, sie doch in ihrem Zelt zu besuchen. Die Mütter verstanden nicht so sehr französisch und mahnten Ihre Töchter daher lautmalend "doch keine Fisimatenten" zu machen (nicht mit Soldaten auszugehen)

Mikerohsoft
00
13.6.2008, 18:31
danke..

wieder mal was dazu gelernt...

Schäferhund vom Pavillon E
02
13.6.2008, 15:36
Kurz analysiert:

Verteidigung: sehr gut
Mittelfeld: in dieser Konstellation sehr gut Sonderlob für Korkmaz
Sturm: nur Harnik sehr gut (trotz vergebener Chancen)

Reümee: BRINGT JIMMY HOFFER und Harnik!
Prödl ist schwerst zu ersetzen
Leitgeb war eine gute Wahl samt Korkmaz.
Linz wieder einmal Totalausfall. Kienast detto. Tore schießt man nur wenn man auch vors Tor kommt. Und das bringt keiner unserer "Stürmer" zusammen. Harnik ausgenommen wenn man ihn als reinen Stürmer bezeichnen will

golda meir
511
13.6.2008, 15:08

wer hickersbergers gestische reaktion auf den rückstand gesehen hat, weiss, dass dieser trainer endlich entlassen werden muss. in dieser situation depressiv am trainerhäuschen zu stehen, ohne jede motivation, ist ein skandal. dieser trainer lässt seine mannschaft im stich. die üblen, peinlichen pks, der minderwertigkeitskomplex, der sich in zwangsbescheidenheit und penibler forderung nach hierachieunterwerfung zeigt, kommt da noch dazu. dieser trainer züchtet neurosen, gewinner sehen anders aus.

cgau
33
13.6.2008, 18:20
bitte ned scho wida !!

dieses hickersberger-bashing ist so was von öd !!
nicht vergessen: hickersberger hat diese mannschaft entwickelt. das problem ist nicht hickersberger, der hat nämlich schon des öfteren gezeigt, dass er ein ziemlich guter trainer ist.
eine ursache dafür, dass die mannschaft relativ spät erst sich gefunden hat, ist der umstand, dass herr krankl, der jetzt auf so unheimlich gscheid tut, jahrelang teamchef "üben" durfte. krankl hat schon x-mal eindrücklich bewiesen, dass er, als egomane, vollkommen unfähig ist, ein team zu entwickeln. er hat einen trümmerhaufen hinterlassen und hicke hat de facto bei fast null begonnen. und die inhaltliche null stickler kommt noch als strafverschärfung dazu.

til eulenspiegel
20
13.6.2008, 17:32

da bin ich aber froh, dass SIE nichts zu sagen haben, bist du depat!!

herr hofrat
01
13.6.2008, 15:37
stimmt jedes wort!

Dauerwurst
 
03
13.6.2008, 14:58

ein interessantes spiel, dessen verlauf belegt, daß österreich durchaus in der lage ist, modernen fußball mit hohem tempo zu spielen. daß prödl gegen deutschland fehlt, ist allerdings ein herber verlust, denn der junge ist gold wert. dinge die ich nicht verstehe:
-warum spielt garics nicht gg. kroatien ?
-warum spielt korkmaz nicht gg. kroatien ?
-warum spielt leitgeb gg. kroatien nicht ?
-warum schaut scharner zu, der den aufhauser auf internationalem niveau geben könnte ? mit ihm vor dieser viererkette sind wir in der tat gut aufgestellt.
-warum kommt vastic erst so spät ?
-warum spielt hoffer partout nicht, und zwar statt linz, der, obwohl gut, glücklos agiert ?
-warum nehmen wir fünf innenverteidiger mit, und maierhofer schaut zu ?

dr. hugo hugo
00
13.6.2008, 14:55

Fotos aus dem Stadion:
http://www.kick08.net/?p=807

horsemouth
01
13.6.2008, 14:54
8 millionen trainer

also ich kenn mich ja nicht wirklich aus. hatte allerdings den eindruck das ivanschitz absolut unsichtbar war in beiden spielen und es offensichtlich nicht vermag die entscheidenden akzente zu setzen. diagnose: mittelfeld und sturm passen. nur den mittelfeld checker mit übersicht haben wir anscheinend nicht. müsste man nicht (längerfristig betrachtet) versuchen jemanden für diese rolle zu finden bzw heranzubilden? wer käme da in frage?

Gorosito1
60
13.6.2008, 14:42
Lieber Hicke!Bitte den Hoffer ned reintun.Der ist zu unerfahren und hält das nervlich ned durch.

herr-karl
00
13.6.2008, 15:42
kann schon sein

... aber ein tor hätte er gestern gemacht!

rapidfans.at
02
13.6.2008, 14:55
ganz genau

bitte wieder den kienast. der hat - gehärtet durch die stimmungsgeladene norwegische zweite liga - erfahrung vor zehntausenden zu bestehen.
ausserdem hat er nerven aus stahl, denn trotz aller anfeindungen österreischischer fussballfans läuft er noch immer erhobenen hauptes am spielfeld hin und her.
darum - bitte, lieber hicke - lass hoffer draußen!

klasu
00
13.6.2008, 14:46
????

und was ist mit den herren harnik, prödl, korkmaz??

vorallem die ersten beiden sind beide NOCH jünger.

nur schreiben ohne wissen ist nicht unbedingt die beste variante...

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