Ivo Vastic verwandelte in der Nachspielzeit einen Elfmeter gegen Polen überzeugend und hält Österreich mit dem 1:1 im Rennen
Wien - Die Chance des österreichischen Fußball-Nationalteams
auf die Viertelfinal-Teilnahme bei der EURO 2008 lebt. Ivica Vastic
donnerte am Donnerstag vor 51.428 Zuschauern im Wiener Happel-Stadion
in der 93. Minute einen Elfmeter in die Maschen, glich den Rückstand
durch Roger Guerreiro (30.) aus und ermöglichte der
ÖFB-Auswahl damit
in Gruppe B quasi ein "Endspiel" am Montag gegen Deutschland.
Bei einem Sieg über die DFB-Elf wären die Österreicher fix weiter,
sofern die bereits fix qualifizierten Kroaten gegen Polen nicht
verlieren. Der Elfer resultierte aus einem Trikotvergehen von
Lewandowski an Prödl bei einer Standard-Situation.
Offensivere ÖFB-Elf
Im Vergleich zur Anfangs-Formation gegen Kroatien nahm
Hickersberger drei personelle Änderungen vor (Garics, Leitgeb,
Korkmaz statt Standfest, Säumel und Gercaliu) und bewies damit weit
mehr Mut zum Risiko als in der ersten ÖFB-Partie. Der Coach stellte
auf eine Viererkette mit Garics und Pogatetz an den Außenpositionen
sowie Prödl und Stranzl im Zentrum um, an den Flanken agierten die
offensiven Ivanschitz und Korkmaz, die Unterstützung von Aufhauser
und Leitgeb im Zentrum erhielten. An vorderster Front stürmten wie
schon gegen Kroatien Harnik und Linz.
Diese Taktik erwies sich zunächst als goldrichtig. Im Gegensatz
zum Duell mit den Kroaten übernahmen die Österreicher sofort die
Initiative und gaben durch Ivanschitz (6./Weitschuss daneben,
10./Freistoß von Boruc pariert) erste Warnschüsse ab. Es folgten jene
sechs Minuten, in denen die Gastgeber die Partie vorzeitig zu ihren
Gunsten entscheiden hätten müssen.
Harnik mit riesigen Möglichkeiten
Nach einem missglückten Rückpass von Wasilewski zog Harnik in der
11. Minute allein aufs Tor, Boruc wehrte aber mit dem Oberschenkel
ab. Drei Minuten später setzte sich Korkmaz links durch, nach dessen
Querpass rettete Boruc bei einem Harnik-Schuss vom Fünfer per
Fußabwehr. Wieder drei Minuten danach spielte Ivanschitz auf Leitgeb,
der Steirer zog praktisch von der Mittelauflage aus aufs Polen-Tor,
doch ein weiteres Mal blieb der überragende Boruc Sieger.
Und wieder einmal kam die alte Fußball-Weisheit zum Tragen, wonach
man die nicht geschossenen Tore selbst kassiert, denn der erste
ernstzunehmende Angriff der Polen führte in der 30. Minute zum
ÖFB-Rückstand. Nach einer weiten Flanke von Smolarek stand Pogatetz
zunächst zu weit von Saganowski entfernt und fälschte anschließend
dessen Torschuss so unglücklich ab, dass Roger den Ball nur noch ins
leere Tor zu seinem ersten Länderspiel-Treffer schieben musste. Der
Schock währte aber nur kurz und Österreich kam dem Ausgleich bereits
in der 45. Minute nahe, als Stranzl eine Freistoß-Flanke von Leitgeb
knapp verfehlte.
Abseitstor der Polen
Zu Pech und Unvermögen im Abschluss gesellte sich in der 47.
Minute auch noch eine Fehlentscheidung des englischen Schiedsrichters
Webb, der übersah, dass Ivanschitz nach Stranzl-Pass vom
eingewechselten Golanski im Strafraum am Trikot zurückgehalten wurde.
Drei Minuten später hatte Smolarek nach einem Konter die Chance auf
die Vorentscheidung am Fuß, scheiterte aber an Macho.
Diese Aktion läutete die stärkste Phase der Polen ein. In der 63.
Minute klärte Macho nach Roger-Flanke bei einem Schuss des sträflich
allein gelassenen Bak mit einer Fuß- und beim Nachschuss von
Lewandowski mit einer Faust-Abwehr. Hickersberger reagierte und
brachte für die enttäuschenden Ivanschitz und Linz in der 64. Minute
Vastic und Kienast - sehr zum Unmut der beiden Ausgewechselten.
Vastic wieder in letzter Minute
Am Spielverlauf änderte dies aber vorerst wenig, so musste sich
Macho bei einer Freistoß-Bombe von Krzynowek (68.) auszeichnen. Erst
ab der 75. Minute war die ÖFB-Auswahl wieder die tonangebende
Mannschaft, kam aber zu keiner zwingenden Chance mehr - bis Webb in
der 93. Minute auf Elfmeter entschied, als der gegen Deutschland
gesperrte Prödl vor einem Freistoß von Lewandowski im Strafraum
umgerissen wurde. Vastic trat an, verwertete souverän und trug sich
damit ebenso wie bei der WM 1998 mit dem 1:1 gegen Chile praktisch in
letzter Minute in die Torschützenliste ein. (APA)
Österreich - Polen 1:1 (0:1)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 51.428 Zuschauer (ausverkauft),
Schiedsrichter Howard Webb (England).Torfolge: 0:1 (30.) Roger,
1:1 (93.) Vastic (Foul-Elfmeter)
Österreich: Macho - Garics, Prödl, Stranzl, Pogatetz - Ivanschitz
(64. Vastic), Aufhauser (74. Säumel), Leitgeb, Korkmaz - Harnik, Linz
(64. Kienast)
Polen: Boruc - Wasilewski, Jop (46. Golanski), Bak, Zewlakow -
Dudka, Lewandowski, Roger (86. Murawski), Krzynowek - Saganowski (84.
Lobodzinski), Smolarek
Gelbe Karten: Korkmaz, Prödl (2. Gelbe, damit gegen Deutschland
gesperrt) bzw. Wasilewski, Krzynowek, Bak