19 Verletzte und einen Toten forderte das Feuer in einer Unterkunft für Schwarzafrikaner in Klagenfurt - Möglicherweise handelt es sich um einen Racheakt unter verfeindeten Asylwerbergruppen - mit Video
Klagenfurt - "Ich bin gegen 7 Uhr bei dem Haus vorbeigefahren und hab gleich den Rauch gesehen." Romana Kolitsch steht Stunden nach dem folgenschweren Brand in dem Klagenfurter Asylwerberheim noch unter Schock. Die Flammen hätten in dem zweistöckigen Gebäude gelodert und sie sei sofort zum Haus gelaufen. "Als ich dort ankomme, springt gerade einer aus dem Fenster", schildert Kolitsch.
Sofort habe sie sich "das T-Shirt vom Leib gerissen" und dem schwerverletzten Asylwerber einen Kopfverband angelegt.
Minuten später springt ein zweiter Mann aus dem Fenster. Der Ghanaer erliegt Donnerstagmittag seinen schweren Kopfverletzungen. Für den Einsatzleiter der Klagenfurter Berufsfeuerwehr, Josef Bobegen, eine "tragische" Panikreaktion. Der Sprung aus dem Fenster wäre nicht nötig gewesen, das Zimmer sei nicht verraucht und sicher gewesen, bedauert der Leiter des Einsatzkommandos. Die Erfahrungen aus ihrer Heimat habe die Menschen gelehrt, bei Feuer sofort die Flucht zu ergreifen, erklärten einige Betroffene gegenüber dem Roten Kreuz. Panik herrschte während des Brandes aber auch in den unteren Geschoßen. Kolitsch: "Durch die Haustür konnte keiner mehr hinaus, daher sind die Menschen hinter den vergitterten Fenster gestanden und haben verzweifelt um Hilfe gerufen." Beherzt griff die Frau zum Schraubenzieher, um die Fenstergitter abzumontieren. "Ich hatte aber keinen Kreuzschrauber bei mir. Da fühlst du nur Ohnmacht, wenn die Leute vor dir schreien und du kannst überhaupt nichts tun", erzählt die Ersthelferin, die bis zum Eintreffen der Feuerwehr übrigens die Einzige war, die Hilfe leistete.
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Kein EURO-Motiv
Drei weitere Asylwerber, durchwegs Schwarzafrikaner, wurden schwer verletzt. 16 erlitten Rauchgasverletzungen oder Staublungen. Das Kärntner Flüchtlingsreferat hat die unverletzten 36 Asylwerber mittlerweile in Notquartiere und im Hilde-Schärf-Heim der Volkshilfe am Rande der Innenstadt untergebracht. Wie es zu dem Brand gekommen ist, konnte vorerst noch nicht geklärt werden. Brandstiftung aus politischen Motiven wird ebenso nicht ausgeschlossen wie etwa ein technischer Defekt im Flüchtlingsheim selbst.
Einen Bezug zur EURO in der Austragungsstadt Klagenfurt (Donnerstagabend stieg das Match Deutschland gegen Kroatien) gebe es aber "definitiv nicht", sagte Landespolizeikommandant Wolfgang Rauchegger zum Standard. Als mögliche Brandursachen kommen laut Rauchegger eine "natürliche Ursache", wie ein Defekt im Haus selbst oder aber eine gezielte Brandstiftung zwischen verfeindeten Asylwerbergruppen infrage. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider vermutet Letzteres: "Da könnten zwei verfeindete Gruppen der Drogenmafia aneinandergeraten sein." (Elisabeth Steiner, Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe 13.6.2008)