Die ProfessorInnen aller genannten Gruppen sind zu selbstständiger Forschung bzw. Erschließung der Künste, Lehre und zu Verwaltungstätigkeit verpflichtet und tragen hierfür Verantwortung - mit nur marginalen Unterschieden. Der Blick in die Gehaltstabelle zeigt deutlichere Unterschiede. Sind die verschiedenen Titel also bloß lohnwirksame Ehrentitel? Keineswegs! Sie markieren eine "Standesschranke" mit massiver Ungleichberechtigung: Nur die oUnivProfs und die UnivProfs gehören zur Professorenschaft und besitzen Professorenrechte. Der Rest wird formal auf der Stufe von Auszubildenden eingereiht und besitzt kaum Rechte (Mittelbau).
Rechtlose Lehrer
Auf die Schulen übertragen, ergäbe sich dieses Bild: AssistenzlehrerInnen, außerordentliche LehrerInnen, LehrerInnen, ordentliche LehrerInnen. Nur die ordentlichen LehrerInnen und die LehrerInnen gehören zur Lehrerschaft und besitzen Lehrerrechte. Der große Rest steht fast rechtlos auf der Stufe der ProbelehrerInnen - obwohl schon lange selbstständig. Dass sich da die Lehrerschaft erhaben fühlt, ist nicht verwunderlich. Wie werden die vielen KollegInnen außerhalb der Lehrerschaft wohl gesehen? Als Halbwüchsige, die noch väterlich zu umsorgen sind? Als Hilfskräfte, die dienen sollen? Als KonkurrentInnen, die besser keine Ansprüche auf Unterrichtsmittel bekommen sollen? Wer versucht, sie als das zu sehen, was sie wirklich sind, nämlich gleichwertige PartnerInnen, wird sich innerhalb der standesbewussten Lehrerschaft keine Freunde machen. Wenn das nicht zu Leistungseinbußen führt!?
Warum besitzen Österreichs Universitäten ein derart desaströses System? Weil Propaganda betrieben wird: "Wir, die Professorenschaft, haben uns bei der Berufung gegen starke internationale Konkurrenz behauptet! Wir sind die höchstqualifizierte Gruppe und die Leistungsträger der Universitäten!" Diese oft zu vernehmenden Äußerungen sind irreführend. Allein schon deswegen, weil ein großer Anteil der Professorenschaft (die 1998 umbenannten aoUnivProfs) gar nie über ein internationales Ausschreibungsverfahren berufen wurde.
Selten Ausschreibungen
Die Berufenen können nicht als alleinige höchstqualifizierte Gruppe bezeichnet werden, da sie nicht aus einem allgemeinen Leistungswettbewerb hervorgehen. Bei Berufungen werden lediglich geeignete BewerberInnen für ausgeschriebene Stellen ausgesucht. Ausschreibungen sind selten, und viele exzellente KandidatInnen sind häufig ausgeschlossen, weil ihre Arbeitsfelder nicht den Ausschreibungen entsprechen. Die Berufenen stellen also lediglich eine Auswahl von Personen dar, deren Auslese von Zufällen mitentschieden wird. Die höchste offiziell an einer Universität zu erwerbende Qualifikation ist die Habilitation.
Habilitiert sind alle ProfessorInnen mit Ausnahme der AssProfs. Die Mehrheit der Habilitierten (aUnivProfs) steht formal auf der Stufe der Auszubildenden. Dagegen haben im Jahr 2002 etwa 2500 WissenschafterInnen aus allen Gruppen namentlich protestiert. Ein massiver Protest gegen einen eklatanten Widerspruch im Gesetz - jedoch erfolglos! Das kann wohl nur darauf beruhen, dass die Leistungen herabgewürdigt werden.
Exzellenz und Engagement
In Wahrheit dürften Exzellenz und Engagement innerhalb und außerhalb der Professorenschaft annähernd gleich sein. Man sollte endlich objektiv nachprüfen. Ebenso sollte ermittelt werden, wie oft aufgrund der "Standesschranke" adäquate Arbeitsmöglichkeiten vorenthalten oder an unfaire Bedingungen geknüpft werden.
Im Regierungsprogramm 2007 wurde festgelegt, alle ProfessorInnen in einer gleichberechtigten Gruppe zu vereinigen. Nun sträubt sich die ÖVP, diese kostenlose Maßnahme in der Gesetzesnovelle zu verwirklichen. Man will lediglich den Zugang zu Leitungsfunktionen für alle jene UniversitätslehrerInnen öffnen, die von der Professorenschaft hierfür als qualifiziert angesehen werden. Diese Änderung würde die kontraproduktive "Standesschranke" nicht einmal dann spürbar abmildern, wenn kein Gutheißen der Professorenschaft notwendig wäre. Effektive Reformen ergeben sich nur dann, wenn alle ProfessorInnen mit gleichen Pflichten auch gleiche Rechte erhalten:
1) Qualitätssicherung kann nicht durch eine Untertanen-Uni, sondern nur durch inneruniversitären Wettbewerb zwischen gleichberechtigten PartnerInnen erreicht werden (wo die Arbeitsmittel leistungsabhängig zugeteilt werden).
2) Für Berufungen qualifizierte KandidatInnen können nur heranreifen, wenn sie ihre Selbständigkeit erproben dürfen.
3) Karrieren sind nur dann wirklich attraktiv, wenn der Aufstieg in höhere Lohngruppen mit ehrenhafterem Titel ausschließlich von der erbrachten Leistung abhängt. Das alles erfordert kompromisslose Gleichberechtigung und Chancengleichheit.
Kurzum, die Professorentitel dürfen keine "Standesschranke" markieren. Sie müssen auch in Österreich nur das sein, was sie in aller Welt sind: lohnwirksame Ehrentitel. (Stefan Galler/DER STANDRAD, Printausgabe, 11. Juni 2008)
Stefan Galler ist Zellphysiologe und arbeitet als a. Univ.-Professor am Fachbereich Zellbiologie der Universität Salzburg mit Schwerpunkt Muskelforschung. Er lehrt auch an der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, wo er mehrmals zum Teacher of the Year gewählt wurde.
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Den Betroffenen leuchtet Gallers Argumentation ein; ihnen ist Gallers Sprache aber teilweise zu sanft. Wahrscheinlich erleben sie die Leistungsfeindlichkeit des Hierarchiesystems tagtäglich sehr hart. Andere sind viel zu sehr im alten Denkschema verhaftet. Sie wiederholen bloß Dogmen, die ihnen unverrückbar erscheinen, weil sie nie tiefer nachdachten. Aber zu guter Letzt hat wohl jeder, der dieses Forum verließ, doch eingesehen, wie recht Galler hat: Leistung ist an die erste Stelle zu setzen. Der Rest (Ortswechsel etc) ist zweitrangig und ergibt sich von selbst. Leistung hat aber nur dann eine Chance, wenn die Wissenschaftler chancengleich und gleichberechtigt nebeneinander stehen - wie beispielsweise in USA üblich.
á la Bacher greift nicht, Herr Li Wue Tsen. Die Maßnahmen, die Herr Galler vorschlägt, haben nichts mit Gleichmacherei zu tun, sondern sind angesichts einer seit Jahrzehnten standespolitisch gefärbten Bildungspolitik in Österreich verständlich und vernünftig. Im übrigen ist ihr Zitat aus dem Zusammenhang gerissen und nicht so gemeint, wie sie das hinstellen wollen.
Alle „Gegner“ von Galler Thesen scheinen eingesehen zu haben, dass sie bloß Unreflektiertes wiedergaben. Wer wirklich drüber nachdachte, kapierte dann schon, dass Leistung wichtiger ist als Hierarchie. Anders ausgedrückt: Wichtig ist, dass die Arbeit der Uni nützt und nicht irgendeinem in der Umgebung, der sich auf Kosten anderer bereichert. Wer Labors zum Forschen braucht, weiß es ja: Ressourcen kriegt man nur dann, wenn man dafür einem Professor ungerechtfertigte Autorenschaften auf Publikationen zubilligt. Wie sich Mobbing abspielt, scheinen (Gott sei Dank) auch nicht alle zu wissen, sonst hätte man hier nicht völlig naiv Namen verlautbart. Dass man Gallers Person diskutiert anstatt seine Thesen, zeugt nicht von hohem Niveau.
als leeres Versprechen entgrenzt auch die giftigen Gefühle. So wie Gleichheit ubiquitär zu werden scheint, so geht es dem Arsenal der Enttäuschung. Was tun? Es bleibt nur die Dialektik von immer weiter gehenden Gleichheitsforderungen, Politiken der Angleichung und der frustrierenden Erfahrung der Zukurzgekommenen in Gestalt von Neid, Mißgunst und Ressentiment.
(Hans-Peter Müller, Soziale Ungleichheit und Ressentiment)
Leider nutzt der Hinweis auf die strukturelle Dequalifizierung gar nichts, wo Fakten sprechen, hat der revolutionäre Impetus das Nachsehen.
Das Indianer / Häuptlings-Gleichnis ist ein ziemlich dümmlicher Approach zur Lösung dieser Probleme. Es geht in Wirklichkeit wohl nicht um Indianer und Häuptlinge, sondern um best-mögliche und leistbare Effizienz in Wissenschaft u. Forschung. Und á propos: Wenn dieses System (wenige Häuptlinge, viele Indianer), das es in der einen oder anderen Form in den preussisch geprägten Ländern seit Jahrzehnten gibt, schon so effizient sein soll: Wo sind denn die vielen österreichischen und deutschen Nobelpreis-Häuptlinge ? Irgendetwas kann da wohl nicht stimmen (aber vielleicht erklären sie mir jetzt ja, dass die vielen "Indianer" daran schuld sind, dass es nicht so recht klappt mit der Exzellenz). Vielleicht schaffen wir also doch die Indianer ab ?
als leeres Versprechen entgrenzt auch die giftigen Gefühle. So wie Gleichheit ubiquitär zu werden scheint, so geht es dem Arsenal der Enttäuschung. Was tun? Es bleibt nur die Dialektik von immer weitere gehenden Gleichheitsforderungen, Politiken der Angleichung und der frustrierenden Erfahrung der Zukurzgekommenen in Gestalt von Neid, Mißgunst und Ressentiment.
(Hans-Peter Müller, Soziale Ungleichheit und Ressentiment)
von der alle Angehörigen der Generation betroffen werden und in der Folge sich alle mit dem Gedanken vertraut machen müssen, für ihre Bildungstitel weniger zu erhalten als ihre Vorgänger-Generation, ist Grund jener kollektiven Desillusion, durch die diese geprellte und frustrierte Generation dazu gebracht wird, ihre mit Ressentiment geladene und vom Schulsystem genährte Revolte auf alle Institutionen auszudehnen.
(Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede)
offensichtlich geht es ja um die Effizienz der Forschung (Lehre). Viele Indianer und/oder wenig Indianer, eher geht es ja um die Schrebergartenmentalität im Bereich der Wissenschaft in diesem Lande. Jeder fühlt sich 'berufen' für seinen Acker, dass in einem solchen System keine kritischen Massen erreicht werden, ist offensichtlich. Nobelpreisträger, die gab es tatsächlich einmal in diesem Lande und stellen sie sich vor, damals waren die Unis so richtige Lehrstuhlunis, wo die Profs als Institutschefs und ausschließlich diese das Sagen hatten. Ist kein zwar kein guter Vergleich, kann aber jederzeit empirisch bewiesen werden.
Haarscharf analysiert, 100% logisch, und kristallklar. So wird jeder BETROFFENE diesen Artikel beurteilen. Doch auch alle anderen, die sich bemühen, werden verstehen. Wer weiterdenkt, ahnt die tragischen Konsequenzen des gesetzlichen Widerspruchs auf den Alltag von Tausenden Engagierten, die sich nichts sehnlicher wünschen als Wissenschaft zu betreiben – in Freiheit und kollegialem Miteinander. Wie bewundernswert also, dass da ein Betroffener versöhnlich und ohne Verbitterung die allseits beste Lösung ausspricht! Das kommt im PRESSE-Kommentar desselben Autors noch besser zum Ausdruck: http://diepresse.com/home/mein... /index.do. Wer das nötige intellektuelle Niveau aufbringt, wird alles genauso sehen.
der Verweis auf den Presseartikel macht die Argumentation nicht besser. De facto war es in der Vergangenheit meistens so, dass gerade auf die wenigen Planstellen nicht selten Berufungen von innen erfolgten. Bewerbungen von aussen hatten da überhaupt keine Chance. Da in den Berufungskommissionen auch der 'Mittelbau', deshalb auch die a.Profs vertreten sind, haben die nicht selten Standespolitik für ihre Leute gemacht. Die Entscheidung wurde dann so verkauft, dass man ja ohnehin den besten von innen ausgewählt habe. De facto ist vor der Umstellung UG 2002 eine Pragmatisierungswelle losgebrochen, auch aus 'Torschlusspanik', weil nach den neuen ASVG Verträgen eine Verbeamtung nicht mehr möglich ist. Das Problem wurde damit nur prolongiert.
Wenn ich das lese, muss ich das aufgreifen, was unten bereits jemand verlautbart hat. Herr Li WueTsen, sie haben hiermit selber ein Beispiel gebracht, das ganz klar aufzeigt, wie wenig die Leistung mancherorts zählt. Hier sind anscheinend die a.Profs die handelnden Akteure, dort sind es die o.Profs. Die Lösung bietet nur ein rein leistungsabhängiges System, wo nur Qualität und Leistung zählen, und nicht all das, worüber man in den Berufungskommissionen jahrelang streitet. Ein Irrwitz! Also: Gleiche Chancen und Gleichberechtigung für alle, damit jeder Leistung erbringen kann, wo immer seine Stärken sind. Rein leistungsabhängiger Aufstieg zu höheren Titeln und besserem Lohn innerhalb der Einheitskurie. Wie im angloamerikanischen Raum.
Viele wissenschaftliche Artikel in Top-Fachzeitschriften zeigen klar, dass der Autor in Salzburg ein neues Arbeitsgebiet aufgebaut hat, das der Universität internationale Anerkennung verschafft hat. Ist nicht das das Entscheidende? Oder ist Ihnen wichtiger, dass eine Person den Titel Professor ohne Kürzel vorneweg trägt, mehr kostet und nicht einmal unbedingt starke Leistungen erbringt? Wohin man schaut, man sieht es immer wieder: Ganz im Gegensatz zu USA heißt es hierzulande immer wieder: „Du darfst nicht! Frei arbeiten dürfen nur Profs!“ Also Vergeudung von Leistungspotential! Im „Spektrum“ werden übrigens nur sehr bedeutende Arbeiten vorgestellt. Letzlich kommt es auf die Qualität der Arbeit an, nicht auf die Impact-Punkte, oder ?
Herr Galler hat auch mehrere Rufe gehabt, dies aber abgelehnt, weil er lieber an der Uni Salzburg bleiben wollte (siehe Google). D.h. auch, er hätte an einer anderen Uni den von ihm angestrebten Planposten eines o. Profs erhalten können. Nur wollte er dort aus verschiedenen Gründen nicht hin. Da aber an Salzburgs Uni keine Professorenplanstelle frei ist oder war, ist er weiterhin a.Prof. Aber über die Konsequenzen seines Verhaltens war er sich sicherlich im klaren. Sein Wehklagen ist umso unverständlicher, weil ja die Chance hatte andernorts den von ihm angestrebten Status zu erhalten. Er hätte nur den Ruf annehmen müssen, das haben ja andere auch gemacht und zählt zu den Spielregeln in diesem Beruf, wer da einsteigt, weiß das!
...zählt zu den Spielregeln in diesem Beruf, sagt Herr Li WueTsen. Ja, ist denn trotz Gallers beiden Artikeln denn immer noch nicht klar, dass Ortswechsel nur dann sinnvoll ist, wenn es insgesamt zur Steigerung von Leistung kommt? Oder ist da jemand immer noch der Meinung, dass Ortswechsel das Wichtigste ist, egal ob die Leistung steigt oder fällt? Was für einfältige Argumentation! Eine Wiederholung von Gedanken, über die man unter intelligenten Leuten (Uni!) eigentlich einmal nachdenken sollte! Und außerdem, was um alles in der Welt haben Galler Vorschläge mit seiner Person zu tun? ...wieviele Rufe er bekommen hat? ...warum er sie nicht angenommen hat? Was soll das, bitte! Wird hier ernsthaft über eine bessere Uni nachgedacht oder nicht?!
denn die Rufe bestätigen, dass Herr Galler auch an anderen Unis im In- oder Ausland hätte arbeiten können. Wer die Ausstattung in Österreich kennt, wahrscheinlich zu noch wesentlich besseren Bedinungen, die insgesamt seine Leistungsfähigkeit noch gesteigert hätten. Deshalb hätten Sie ein bisschen nachdenken können. Die hier von nicht wenigen Postern dargebotene Argumentation, ist ein massiver Nachweis von akademischer Unredlichkeit, die ganz relativ leicht durchschaubar ist.
Was ist da akademisch unredlich, wenn jemand sagt, Leistung ist wichtiger als Ortswechsel etc?
Und nochmal: Was soll diese Diskussion um die Vita des Autors? Geht es um ein besserers Universitätssystem in Österreich oder geht es um die persönliche Situation des Autors?
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