"Ivanschitz nicht einmal Mittelklasse"

Scout Urban hält wenig von den Österreichern: "Mannschaft ohne Stars" - Jacek Bak als Kapitän

Bad Waltersdorf - Österreichs kommender EM-Gegner Polen strahlt vor dem für beide Teams vorgezogenem Entscheidungsspiel um den Viertelfinal-Aufstieg am Donnerstag (20.45 Uhr/live ORF1) Selbstsicherheit aus. Nach dem Videostudium der Auftaktpartie der ÖFB-Auswahl gegen Kroatien zeigte sich Scout Jan Urban nach dem dienstägigen Training gegenüber Journalisten jedenfalls optimistisch. "Österreich ist eine Mannschaft ohne Stars", meinte der Trainer von Legia Warschau, der die 0:1-Niederlage der Hickersberger-Elf im Stadion verfolgt hatte.

"Das ist künstlich"

Besonders der "angebliche Star" Andreas Ivanschitz sei überschätzt: "Er ist nicht einmal ein Mittelklassespieler". "Die Österreicher machen ihn gerne zum Star, aber das ist künstlich. Bei beiden Mannschaften ist ihre Stärke das Teamwork", urteilte Urban. Im Lager der Spieler war man mit solchen Ansagen eher vorsichtiger. "Man muss positiv denken, es geht um sechs Punkte. Wir werden alles tun, damit wir gewinnen", meinte Flügelspieler Jacek Krzynowek vor dem "Schicksalsspiel" im Wiener Happel-Stadion. Auch der Ausfall von Kapitän Maciej Zurawski sowie das Fragezeichen hinter dem Einsatz von Mariusz Lewandowski bereitet den Polen keine Sorgen.

"Es wird nicht leicht sein, das wissen wir vor dem Spiel auch. Wir schauen, wer fit ist und wer nicht. Aber wir haben auch andere, die sind auch gut", meinte der in Wien wohl an vorderster Front aufgebotene Ebi Smolarek. Der Santander-Stürmer wird nach dem Ausfall von Zurawski wohl vom eingebürgerter Brasilianer Roger Guerreiro unterstützt werden. Besonderen Druck nach der 0:2-Auftaktpleite gegen Deutschland verspüre das Team keinen. "Den haben wir jedes Spiel. Wir wollen für das Land und auch uns selber gewinnen. Druck gibt es bei so einem Turnier immer, aber ich glaube, dass wir gut damit umgehen können", meinte Smolarek.

"Wir sind auf alles vorbereitet"

Teamchef Leo Beenhakker stimmte seine Mannschaft im Training am Dienstag bereits auf die Österreicher ein. "Wir sind auf alles vorbereitet, haben schon heute morgen mit der Mannschaft gesprochen. Wir haben trainiert, was wir von den Österreichern erwarten können", meinte der Niederländer, der weiter um den am Knöchel lädierten Lewandowski bangt. "Die Situation ist besser als gestern. Wir haben noch Zeit, die medizinische Abteilung ist am Arbeiten." Seine Startelf habe er schon im Kopf, meinte der 65-jährige, der von einem im Training "fantastischen" Roger schwärmte.

Ihre Zuversicht schöpfen die Polen auch aus dem Rückhalt der zahlreich nach Österreich gereisten Fans. "Sie sind Gastgeber und spielen zu Hause, aber ich bin sicher, dass wieder viele polnische Zuschauer da sind. Die Stimmung war überragend, ich hoffe, dass wird genauso in Wien", meinte Krzynowek.

Jacek Bak mit der Schleife

Mit der österreichischen Hauptstadt vertraut ist auf alle Fälle der Austrianer Jacek Bak, der nach dem Ausfall von Zurawski die Kapitänsschleife übernehmen wird. Für den 35-Jährigen wäre es der 96. Einsatz im Teamtrikot. Um die Bestmarke des Rekordinternationalen Grzegorz Lato von exakt 100 Spielen zu egalisieren, müsste der Innenverteidiger, der nach der EURO seinen Teamrücktritt angekündigt hatte, bis ins Finale in jedem Spiel im Einsatz sein.

"Österreich hat keine Stars, aber als Team stehen sie sehr kompakt", erklärte Bak in einem Interview. "Wir dürfen uns keine Fehler erlauben." Auch der nunmehrige Kapitän vertraut auf die Unterstützung der stimmgewaltigen Fans. "Jemand in Österreich hat mit gesagt, dass 10.000 Polen so laut wie 50.000 aus einem anderen Land sind."

Die Erwartungen der in Polen stark vom Euphorischen ins Gegenteil umschwenkenden Medienlandschaft sind jedenfalls hoch. Bereits am Montag zeigte Beenhakker nach wiederholten Fragen über die Aufstellung und die mentale Verfassung des Teams Emotionen. "Es ist ein Wunder, ein Wunder, dass wir hier sind. Ich kann mich noch sehr gut an den Start im September 2006 erinnern, als niemand Vertrauen und Glauben in den polnischen Fußball hatte", entfuhr es dem Niederländer.(APA)

  • Jan Urban spricht mit Maciej Zurawski.
    foto: reuters/kempel

    Jan Urban spricht mit Maciej Zurawski.

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