„Prinz Poldi“ erzählt ein neues Märchen - Der gebürtige Pole sorgte mit seinen zwei Toren für einen deutschen Erfolg - Kopf des Tages
Im Moment des Triumphes blieb der Sonnenschein vom Dienst diesmal ruhig, war fast schon ein wenig erschrocken. Umso lauter brüllten die Fans, als Lukas Podolski beim EURO-Match Deutschland gegen Polen zwei Tore schoss und damit – zumindest für die Deutschen – wieder ein Sommermärchen eröffnete. Doch in der Brust von „Prinz Poldi“, wie der Kicker des FC
Bayern München genannt wird, wohnten in diesen Minuten wie so oft zwei Seelen: Es waren Tore gegen seine Heimat Polen.
„Ich habe ein polnisches Herz“, sagt Podolski oft, wenn er nach seinem Siegeshunger gefragt wird, „aber ich will auch gewinnen.“ Die deutsche Hymne vor dem Spiel singt er lieber nicht. Jetzt, nach den Siegestreffern, erklärte er: „Das ist ein komisches Gefühl. Ich habe eine sehr große Familie in Polen und habe großen Respekt für das Land.“
Geboren wird er 1985 im schlesischen Gliwice (Gleiwitz), die Liebe zum Ball liegt da schon in der Familie: Sein Vater ist der ehemalige Fußballprofi Waldemar Podolski. Als „Poldi“ zwei Jahre alt ist, wandert die Familie nach Deutschland aus, zieht nach Bergheim bei Köln. Dort wird der Grundstein für eine weitere sportliche Zerrissenheit gelegt.
Denn eigentlich ist der 1. FC Köln seine erste fußballerische Heimat. Mit diesem erlebte er in den ersten Jahren seiner Karriere ein Wechselbad der Gefühle zwischen 1. und 2. Bundesliga. Doch seit zwei Jahren ist Podolski beim FC Bayern München unter Vertrag. Sein Herz, sagen viele, hängt aber immer noch an Köln. Leicht hat er es bei den Bayern ohnehin nicht. Dort kommt „Poldi“ erst nach den Stars wie Miroslav Klose oder Luca Toni. Am Anfang der Saison kämpfte er auch noch mit einer Knieverletzung.
Andererseits wird dem 23-Jährigen oft vorgeworfen, dass er ein gar zu lustiges Leben führe, dass er zu schnell Karriere machte und hauptsächlich den Spaß im Kopf habe. Unvergessen ist, wie er während der WM 2006 mit Bastian Schweinsteiger auf dem Hotelbett herumalbert, Sönke Wortmann hat es für immer in seinem WM-Film festgehalten.
In Erinnerung aber blieb den Deutschen auch, dass Podolski bei der WM 2006 drei Tore schoss und damit entscheidend zum Erfolg beitrug. Von der technischen Kommission der FIFA wurde er dafür zum besten jungen Spieler gewählt. Gerade ist Podolski zum ersten Mal Vater geworden und natürlich hat er für seinen Sohn einen Wunsch: „Der sagt dann bei der WM 2030: Der Ball muss rein – und Ende.“ (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 10. Juni 2008)