Goldener Esel soll Manieren lernen

Johann Skocek, 10. Juni 2008, 12:01

Die Geschäfte der UEFA boomen, doch der Widerstand gegen ihr Monopol und ihre Rechtsauffassung wächst

Basel - Die UEFA dominiert die öffentliche Berichterstattung, nicht einmal eine viele hundert Millionen Menschen an Leib und Leben bedrohende Hungerkrise wird so gründlich analysiert wie die Spielanlage von Cristiano Ronaldo. Die UEFA hat die heißesten Stars des Planeten, sie wird nach eigenen Angaben aus der EURO einen Umsatz von 1,3 Milliarden € ziehen. Um rund 450 Millionen oder 50 Prozent mehr als 2004 (852 Mio. €).

Die UEFA verdankt ihren Marktwert der Kommunikationskraft, 60 Prozent des Umsatzes (780 Mio.) fließen aus TV-Lizenzgebühren. Seit 2004 ging der Anteil dieser Sparte am Gesamterlös zwar leicht zurück (2004: 556 Mio.; 67 Prozent), der Betrag stieg freilich um mehr als 220 Millionen. Das ist das Dreifache der Ticketumsätze 2008 (rund 90 Mio., sieben Prozent).

Jerome Valke, der Direktor der FIFA Marketing AG, lieferte in einem Diskussionsbeitrag zur International Football Arena (IFA), einer Kommunikationsplattform des Branchenbusiness, eine weitere Erklärung. Seiner Meinung nach sei es einfacher und weniger personalaufwändig, Fernsehrechte als Marketingrechte zu verkaufen.

Die von der UEFA beschützten Sponsoren trugen 21 Prozent bei, kaum 300 Millionen Euro. Die VIPs zahlten dreimal so viel wie alle anderen Fans zusammen: der "Hospitality"-Bereich (21 Prozent, 273 Mio. €) entwickelt sich rasant zur neuen Cashcow. Die Stadien verlieren nicht zufällig ihren Status, Stätten der egalitären Kommunikation zu sein.

Eine heiße Quelle

Seit 2004 (drei Prozent, 29 Mio.) stieg der Erlös aus der "Corporate Hospitality"-Sektion auf das Siebenfache - und die Quelle ist heiß. Hier dürfte die UEFA auf vergleichsweise geringen Widerstand stoßen. An die Zäune der Fanzonen und den Sponsorenschutz (Würstelständen wird die Freiheit des Biers genommen) hingegen prallt der Zorn der Besucher.

Die UEFA will für jedes Public Viewing mit einem Bildschirm, dessen Diagonale länger als drei Meter ist, Lizenzgeld. Bei der EURO 2008 stellt die UEFA erstmals das TV-Signal selbst her und verkauft es an zahlende Sender.

Die Eidgenössische Schiedskommission erkannte, dass es an der einschlägigen Schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft liege, ob öffentliche Ausstrahlung von TV-Bildern lizenziert werden muss oder nicht. Damit wären die UEFA-Hoheit über die Public Viewings (PV) ihrer Großsponsoren und auch die Verbotsrechte obsolet. So schrieb der UEFA-Anwalt Pierre Andrè laut Basler Zeitung in einer unveröffentlichten Rechtsschrift der UEFA.

Öffentlich freilich hält die UEFA an ihrer Strategie fest, alles selbst bestimmen und kassieren zu wollen, und droht rechtliche Schritte gegen PV-Veranstalter ohne UEFA-Lizenz an. Das mag gegen das Recht sein, aber wer legt sich gern mit der UEFA an? Große Konzerne mit populären Produkten gar nicht.

Die faktische Kraft des Finanziellen ist freilich nicht alt. 1988, als die Niederlande (Gullit, Van Basten, Rijkaard) Europameister wurden, verdiente die UEFA insgesamt 17,8 Mio. Euro. 2008 schüttet die UEFA mehr als das Zehnfache (184 Mio.) an die 16 Verbände aus. Der Europameister wird mit Antrittsprämie (7,5 Mio.) und Sieggeldern 23 Millionen heimtragen.

Ein warmer Regen

1992 (EM: Dänemark) kassierte die UEFA knapp 40 Millionen Euro, 1996 (EM: Deutschland) beinahe 140, rund 45 Prozent davon aus den Tickets. 2000 (EM: Frankreich) stieg die Summe auf 220 Millionen. Von da bis 2004 (EM: Griechenland) verdreifachten sich die Sponsoreinnahmen auf 178 Millionen, die Medienrechte machten das Sechsfache aus (552 Mio.), die Ticketerlöse (80 Mio.) schrumpften zur Bedeutungslosigkeit.

Die Spielergagen ziehen nach. Ronaldinho (Barcelona) denkt über ein Angebot von Manchester City nach: 250.000 Euro pro Woche oder 13 Millionen Euro pro Jahr. Beinahe das Doppelte dessen, was ein Verband an Antrittsprämie erhält. Nach vier Jahren Arbeit. (Johann Skocek aus Basel; DER STANDARD Printausgabe 10. Juni 2008)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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Mac Lagavulin
00
11.6.2008, 11:59

Zumindest in einem Punkt scheint die UEFA aber dazugelernt zu haben, abgesehen davon, dass die Erträge von EM-Endrunden praktisch explodiert sind.
1996 in England gab es einige Spiele mit vielen leeren Zuschauerplätzen. Das ist in Portugal nicht mehr passiert und wird wohl auch dieses Mal nicht der Fall sein.

Die massive Einflußnahme der UEFA, was z.B. die Auswahl der Produkte in den Fanzonen betrifft ist entspricht dem was die FIFA bei der WM 2006 vorgemacht hat. Da wird Biertrinkern und Kennern
eine überteuerte Brühe angeboten, die bestenfalls zum Haarewaschen taugt.

Jiri Bodkan
00
10.6.2008, 22:26
ich sehe für dieses monopol nur zwei möglichkeiten:

a, zerschlagen: d.h. es gibt dann zwei oder mehr EMs

b, verstaatlichen: verbände ins eigentum des sportministeriums, hauptverband zur EU

ich meine das ernst - anders kann man nicht mit monopolen und besonders solchen mit mafiösen strukturen.

radlfahrer
00
12.6.2008, 07:11
Verstaatlichen?

Dann wäre die EM ein 20 Mio-Euro-Event und kein Star würde mitmachen. SO wie beim olymp. Fußballturnier.

Direktor Ludl
00
10.6.2008, 16:42

es gibt kein monopol der uefa. jeder kann seine eigene organisation gründen. es gibt nur monopole auf gewalt, d.h. staatliche monople.

Jiri Bodkan
00
10.6.2008, 22:13

nein, es gibt auch privat monopole und in der geschichte wurden schon viele zerschlagen:

u.s. steel
standard oil
american telephone & telegraph;
usw. usf.
wie z.b. die national football league

mirko burijan
00
10.6.2008, 13:04
und wieviel steuergelder nimmt die UEFA ein?

einen nicht unwesentlichen anteil an ihren milliarden... zu viel.

und welchen anteil an den umsätzen der wettindustrie generiert die UEFA? zu viel.

yonas reinl
 
01
10.6.2008, 12:34
die UEFA

wird in ihrer gier nur mehr von der FIFA übertroffen

Heimwerkerkönig
 
51
10.6.2008, 10:49
"der Hospitality-Bereich entwickelt sich rasant zur neuen Cashcow"

Dem Schreiberling dieses Artikels ist es offenbar ziemlich peinlich, die deutsche Sprache zu verwenden.
Vielleicht ist er aber auch nur der Meinung, die inflationäre Anwendung von Anglizismen, lässt sein Antlitz in einem besonders weltgewandten und intellektuellen Licht erstrahlen.

1600
00
10.6.2008, 14:55

Plagiat!

Heimwerkerkönig
 
00
10.6.2008, 16:11
Ich...

.. war natürlich erster!!!!

immun man
00
11.6.2008, 15:06

falls die bild-ID inkrementell ist allerdings nicht.

John Wayne Geilo
00
10.6.2008, 14:03

das sind begriffe die so verwendet werden... wenn er geld-kuh schreiben würde, wüeden ev.nicht gleich alle merken, dass es sich um den betriebsökonomischen begriff der "cash-cow" handelt...
ahnungslose sudern halt gerne...

Heimwerkerkönig
 
10
10.6.2008, 16:30
Das ist keine Fachsprache...

... sondern sprachlicher Sondermüll der Extraklasse.
Wenn du der Meinung bist, für "Cash-Cow" gäbe es keinen gängigen deutschen Alternativbegriff (wie z.B. Goldesel), dann schlage ich dir vor, noch einmal die Schulbank zu drücken, um deinen Wortschatz wenigstens auf Volksschüler-Niveau zu bringen.

Übrigens, "Cash-Cow" ist übelstes Denglisch.
Denn ein Bindestrich hat da nichts verloren.
Wenn das also internationale Fachsprache sein soll, wie du in deinem Überheblichkeitswahn behauptest, dann schlage ich dir vor, wenigstens die korrekte Schreibweise zu lernen.

Hofratte Dr. Dippl. Meier läuft im Hamsterrad
44
10.6.2008, 08:04
Schon im alten Rom, kurz vor dem Untergang, war's so:

Die Leute interessierten sich nicht dafür, dass die Barbaren vor der Reichsgrenze standen und drohten, das Land zu überrollen, sondern sie unterhielten sich bloß darüber, ob die "Roten" oder die "Blauen" beim Wagenrennen im Circus gewinnen würden.

Momentan haben wir dasselbe in Grün...

Ausgeflippter Lodenfreak
02
10.6.2008, 12:20

Untergang des Abendlandes ... blablablablupp

Hofratte Dr. Dippl. Meier läuft im Hamsterrad
00
11.6.2008, 10:22

"blablablup" - genau, Sie sagen's. Das Wasser steht uns schon bis zum Hals. Aber wir feiern weiter.

Aristarch
02
10.6.2008, 10:59
Historisch völlig falsch.

Der Höhepunkt von "Brot und Spiele" war schon längst überschritten als das römische Weltreich unterging: Das Kolosseum wurde ca. 80 n.Chr, der Circus Maximus wurde um ca. 100 n.Chr vollendet.

Das Weströmische Reich ist erst 476 n.Chr. untergegangen! Zwischen der Errichtung der Veranstaltungsstätten und der darauf folgenden Blüte der Spiele und dem Untergang liegen daher ca. DREI Jahrhunderte! Das ist ca. 6-mal so lange wie die bisherige Existenz der Europäischen Gemeinschaften.

Hofratte Dr. Dippl. Meier läuft im Hamsterrad
00
10.6.2008, 11:25
Nachsatz:

Übrigens, zu Marc Aurels Zeiten (121-180 n. Chr.)war's bereits so, wie in meinem Posting beschrieben. Die reichsgrenzen wurden von Markomannen und Quaden abwechseln überrollt und der Staat massiv bedroht.
Nur durch den unglaublichen Einsatz des Marc Aurel konnten diese Einfälle abgewehrt werden. Bereits nach seinem Tod wurde durch seinen Nachfolger Commodus alles dem Verfall preisgegeben, was Marc Ausrel unter unsäglichen Mühen aufgebaut hat.

Heute ist allerdings kein Regierungsfähiger wie der weise Philosoph und Stoiker Marc Aurel in Sicht, heute hat es weltweit die Biertischpartie ins Parlament geschafft. Und der geht es nicht mehr ums Gesamt-Wohlergehen, sondern hauptsächlich um die eigene Großartigkeit (bzw. Unwichtigkeit).
MfG

John Wayne Geilo
02
10.6.2008, 14:06

russel crowe fan?

Aristarch
00
10.6.2008, 12:23
Es ist ja eine Selbstverständlichkeit, dass

ein Großreich während einer viele hundert Jahre dauernden Geschichte immer wieder massiv von außen bedroht wird. Das ist keinesfalls ein Zeichen des Niederganges. Marc Aurel konnte nur erfolgreich sein, weil das Reich über genügend Ressourcen verfügte, um die Angriff abzuwehren, was natürlich auch in den nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder gelang.

Auch in den folgenden Jahrhunderten war das Römische Reich auf allen Gebieten innovativ (Recht, Militär, Kultur, Verwaltung, Technik). Das von Ihnen entworfene Bild "Spiele-Dekadenz-Untergang" stimmt einfach nicht.

Hofratte Dr. Dippl. Meier läuft im Hamsterrad
00
10.6.2008, 12:38
Also, "innovativ" würde ich diese Zeit nicht gerade bezeichnen.

Bereits im 2. Jhdt. n. Chr. huldigte der überwiegende Teil der römischen Bevölkerung dem "Pantomomus", dem vulgärsten und obszönsten Straßentheater.
Das ist durchaus vergleichbar mit dem heutigen Fernsehmüll (der "Barbara Gräulich-Show" etc.).

Wenn man über das Sittenbild zu Zeiten Marc Aurels diverser Historiker liest, hat man alles andere als den Eindruch, dass es noch "bergauf" geht.
Wenn ein Baum innerlich faul ist, dauert es auch oft noch viele Jahre, bis er endgültig umfällt.
Kulg ist, wer den faulen Baum früh genug erkennt und sich nicht von der WerbeKommerzmaschinerie blenden lässt.

Hofratte Dr. Dippl. Meier läuft im Hamsterrad
00
10.6.2008, 11:16

heute braucht's keine drei Jahrhunderte und keine Barbaren mehr, um unterzugehen. Eine Stunde tägliches Fernsehen genügen, um vollkommen Meier zu werden.

dreamline
00
10.6.2008, 08:21

Interessant, deswegen grün.
Wen meinen Sie mit Barbaren?

Hofratte Dr. Dippl. Meier läuft im Hamsterrad
14
10.6.2008, 09:27
Die "Barbaren" erscheinen heute nicht mehr als bärtige Germanen und Quaden wie im alten Rom,

sondern das Barbarische, das uns Menschen heute zutiefst bedroht, schwappt als UNTERhaltungs- und Kommerz-Kultur über uns herüber.

Ein scheinbar übermächtiger Feind also, den die Überzahl der Bürger sogar als Freund ansieht, ohne zu merken, dass diese scheinbar spaßige Unterhaltungskultur eigentlich zutiefst unlustig ist und Herrn Meier scheibchenweise auffrisst.

John Wayne Geilo
00
10.6.2008, 14:12

sie sollten eine sekte gründen!
die predigten müssen sie ja auch nicht mehr schreiben und den grünen strichen zufolge findet ihr geschwafel sogar noch anklang! respect!

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