Die Geschäfte der UEFA boomen, doch der Widerstand gegen ihr Monopol und ihre Rechtsauffassung wächst
Basel - Die
UEFA dominiert die öffentliche Berichterstattung, nicht einmal eine viele hundert Millionen Menschen an Leib und Leben bedrohende Hungerkrise wird so gründlich analysiert wie die Spielanlage von Cristiano Ronaldo. Die UEFA hat die heißesten Stars des Planeten, sie wird nach eigenen Angaben aus der EURO einen Umsatz von 1,3 Milliarden € ziehen. Um rund 450 Millionen oder 50 Prozent mehr als 2004 (852 Mio. €).
Die UEFA verdankt ihren Marktwert der Kommunikationskraft, 60 Prozent des Umsatzes (780 Mio.) fließen aus TV-Lizenzgebühren. Seit 2004 ging der Anteil dieser Sparte am Gesamterlös zwar leicht zurück (2004: 556 Mio.; 67 Prozent), der Betrag stieg freilich um mehr als 220 Millionen. Das ist das Dreifache der Ticketumsätze 2008 (rund 90 Mio., sieben Prozent).
Jerome Valke, der Direktor der FIFA Marketing AG, lieferte in einem Diskussionsbeitrag zur International Football Arena (IFA), einer Kommunikationsplattform des Branchenbusiness, eine weitere Erklärung. Seiner Meinung nach sei es einfacher und weniger personalaufwändig, Fernsehrechte als Marketingrechte zu verkaufen.
Die von der UEFA beschützten Sponsoren trugen 21 Prozent bei, kaum 300 Millionen Euro. Die VIPs zahlten dreimal so viel wie alle anderen Fans zusammen: der "Hospitality"-Bereich (21 Prozent, 273 Mio. €) entwickelt sich rasant zur neuen Cashcow. Die Stadien verlieren nicht zufällig ihren Status, Stätten der egalitären Kommunikation zu sein.
Eine heiße Quelle
Seit 2004 (drei Prozent, 29 Mio.) stieg der Erlös aus der "Corporate Hospitality"-Sektion auf das Siebenfache - und die Quelle ist heiß. Hier dürfte die UEFA auf vergleichsweise geringen Widerstand stoßen. An die Zäune der Fanzonen und den Sponsorenschutz (Würstelständen wird die Freiheit des Biers genommen) hingegen prallt der Zorn der Besucher.
Die UEFA will für jedes Public Viewing mit einem Bildschirm, dessen Diagonale länger als drei Meter ist, Lizenzgeld. Bei der EURO 2008 stellt die UEFA erstmals das TV-Signal selbst her und verkauft es an zahlende Sender.
Die Eidgenössische Schiedskommission erkannte, dass es an der einschlägigen Schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft liege, ob öffentliche Ausstrahlung von TV-Bildern lizenziert werden muss oder nicht. Damit wären die UEFA-Hoheit über die Public Viewings (PV) ihrer Großsponsoren und auch die Verbotsrechte obsolet. So schrieb der UEFA-Anwalt Pierre Andrè laut Basler Zeitung in einer unveröffentlichten Rechtsschrift der UEFA.
Öffentlich freilich hält die UEFA an ihrer Strategie fest, alles selbst bestimmen und kassieren zu wollen, und droht rechtliche Schritte gegen PV-Veranstalter ohne UEFA-Lizenz an. Das mag gegen das Recht sein, aber wer legt sich gern mit der UEFA an? Große Konzerne mit populären Produkten gar nicht.
Die faktische Kraft des Finanziellen ist freilich nicht alt. 1988, als die Niederlande (Gullit, Van Basten, Rijkaard) Europameister wurden, verdiente die UEFA insgesamt 17,8 Mio. Euro. 2008 schüttet die UEFA mehr als das Zehnfache (184 Mio.) an die 16 Verbände aus. Der Europameister wird mit Antrittsprämie (7,5 Mio.) und Sieggeldern 23 Millionen heimtragen.
Ein warmer Regen
1992 (EM: Dänemark) kassierte die UEFA knapp 40 Millionen Euro, 1996 (EM: Deutschland) beinahe 140, rund 45 Prozent davon aus den Tickets. 2000 (EM: Frankreich) stieg die Summe auf 220 Millionen. Von da bis 2004 (EM: Griechenland) verdreifachten sich die Sponsoreinnahmen auf 178 Millionen, die Medienrechte machten das Sechsfache aus (552 Mio.), die Ticketerlöse (80 Mio.) schrumpften zur Bedeutungslosigkeit.
Die Spielergagen ziehen nach. Ronaldinho (Barcelona) denkt über ein Angebot von Manchester City nach: 250.000 Euro pro Woche oder 13 Millionen Euro pro Jahr. Beinahe das Doppelte dessen, was ein Verband an Antrittsprämie erhält. Nach vier Jahren Arbeit. (Johann Skocek aus Basel; DER STANDARD Printausgabe 10. Juni 2008)