Nicht nur zum Schlafen nach Österreich

Redaktion, 9. Juni 2008, 15:30
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    foto: josef kirchengast

    Immer mehr Slowaken wollen ihre Hauptstadt aus dieser Perspektive sehen: Blick auf Bratislava vom österreichischen Berg aus. (Foto: Kirchengast)

Immer mehr Slowaken aus dem Großraum der Metropole Bratislava zieht es zum Wohnen über die Grenze nach Österreich. Hauptgründe sind niedrigere Grundstückspreise und großzügige Bauförderung.

Wer von Bratislava Richtung Österreich fährt, fühlt sich gleich nach der Grenze wie auf dem Land: ein Dorf nach dem anderen. „Die ersten Slowaken zogen vor sieben oder acht Jahren nach Kittsee“, erinnert sich Bürgermeister Klaus Senftner. In dem Ort mit fast 1900 Einwohnern gibt es rund 80 Häuser und Wohnungen, in denen Slowaken leben. Vertreten sind alle sozialen Schichten, vor allem aber Besserverdienende: Diplomingenieure, Ärzte, Rechtsanwälte. Es gebe keine Konflikte, sagt Senftner und klopft auf Holz. „In der Regel kommen junge Familien, aber es gibt auch einige im Ruhestand.“ Die Entwicklung reiche schon länger zurück: „Die Schengen-Grenze war für die Umsiedler kein Hindernis, und ihre Abschaffung daher keine Erleichterung.“

Boom seit Schengen

Andere Erfahrungen haben die Immobilienbüros. „Der Grundstückskaufboom fing ein halbes Jahr vor der Öffnung der Schengengrenze (1. November 2007) an,“ sagt Monika Haklová vom slowakischen Immobilienbüro Universal Development, das sich ausschließlich auf das österreichische Grenzgebiet spezialisiert. „Die Leute entdeckten, dass österreichische Grundstücke in Grenznähe nur halb so viel kosten wie slowakische am Rand von Bratislava. Und zum Stadtzentrum, wo die meisten arbeiten, ist es vom Grenzgebiet gleich weit wie vom Stadtrand.“

Zudem drohe auf dem Weg aus Österreich nach Bratislava kein Stau, und die neue Autobahn verkürze die Fahrzeit. „Darum sind die Grundstücke in den populärsten Ortschaften fast ausverkauft. Das größte Interesse gilt Hainburg, Kittsee, Berg, Gattendorf, Wolfsthal, Pama oder Prellenkirchen, wo man fast keinen Bauplatz mehr bekommt,“ sagt Haklová. Die wachsende Nachfrage ließ die Preise seit November deutlich steigen. „Es sind jetzt rund 110 Euro je Quadratmeter, wo es früher 60 Euro waren,“ sagt Immobilienagent Martin Kollar. Der Durchschnitt bewegt sich zwischen 70 und 90 Euro, es gibt aber auch Dörfer, wo man nur 30 Euro pro Quadratmeter zahlt. Die Nebenkosten wie Provision, Gebühren für den Notar und Grunderwerbssteuer machen rund zehn Prozent des Kaufpreises aus.

„Dass ich in Deutsch Jahrndorf ein Grundstück kaufte, lag allein am Angebot.“ Marian Mikula, 28-jähriger Wissenschafter aus Bratislava, bestätigt den Preis als Hauptmotiv. In Großstadtnähe auf slowakischer Seite hätte er es nicht gemacht. „In der Ortschaft Rusovce auf der slowakischen Seite fängt der Preis erst bei 100 Euro an.“ Er und seine Frau entschieden sich für ein Leben in dem burgenländischen Dorf mit rund 600 Einwohnern, obwohl sie beide in Bratislava aufwuchsen, eine große Wohnung in einer Neubausiedlung hatten und nicht Deutsch sprechen. „Die Leute und die Umgebung machten einen sehr guten Eindruck auf uns. Wir möchten, dass unsere Kinder in die österreichische Schule gehen, und dass unser Haus nicht nur ein Platz zum Übernachten, sondern ein richtiges Zuhause wird“, spricht Mikula von seinen Plänen. Mit dem Bauen fängt er gerade an.

Was bei der Entscheidung nicht unerheblich ist, ist die Bauförderung durch den österreichischen Staat. Ein Wohnbaudarlehen von bis zu 40.000 Euro erhält im Burgenland jeder, der hier ein Haus baut und mit Hauptwohnsitz gemeldet ist. Die Zinsen betragen zu Beginn nur 0,5 Prozent und erreichen am Ende der Laufzeit von 32,5 Jahren drei Prozent. „Dadurch können sich die Leute finanziell wieder erholen,“ erklärt Kollar. Wie er sagt, hänge die Bauförderung auch mit der österreichischen Bevölkerungspolitik zusammen: Vor allem junge Einheimische würden aus dem hiesigen Grenzgebiet abwandern und in größere Orte oder gleich nach Wien ziehen.

Spitzenreiter Eigenheim

Dank der Bauförderung werden vor allem Grundstücke zum Eigenheimbau gekauft, dann folgen Eigentumswohnungen. Nur wenig Interesse besteht an fertigen Häusern. Die meisten wollen sich ein Haus nach eigenen Vorstellungen schaffen. Auf gewidmeten Flächen herrscht meist Bauzwang, der Grundstücksinhaber muss innerhalb von fünf oder acht Jahren mit dem Bau beginnen.

„Gerade der Bau ist das größte Problem für uns,“ sagt Marian Mikula. „Weil der Arbeitsmarkt in Österreich nicht vollständig für slowakische Arbeitskräfte zugänglich ist, darf auf der Baustelle nur eine österreichische Firma arbeiten. Der Preis der Arbeitskraft ist hier mindestens doppelt so hoch wie in der Slowakei, und damit wird das Projekt teurer“, schließt Mikula ab.

Das kann ihn allerdings nicht von seinem Plan abbringen, in Österreich zu leben. Wie viele andere auch. Inzwischen trifft man nämlich in jedem Dorf oder jeder Stadt auf der österreichischen Seite der Grenze auf slowakische Familien. Und die Umsiedlung wird fortgesetzt. (Lýdia Kokavcová aus Bratislava/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. Juni 2008)

a grünes stricherl
 
12
19.7.2008, 00:45
wie damals .. die vorfahren

willkommen ihr leute :)

hexe caracas
30
15.6.2008, 19:05
wieso bekommen Ausländer eine Förderung?

war das nicht so gemeint, dass sich Österreicher in Umland ansiedeln? oder ist es ein EU-Recht, so wie Gemeindewohnungen für Ausländer?
Und was die Baukosten betrifft, ich kann mir nicht vorstellen, dass eine slowakische Baufirma (Steuerpflicht in der SR) nicht zum Zug kommen kann.

Sternchen100
03
21.8.2008, 14:38

Lt. EU-Recht dürfen EU-Bürger in keinem EU-Land schlechter behandelt werden als die Einheimischen - gilt auch für Beihilfen usw.

Ich habe auch den Beitrag "österreichische Ärzte wandern nach Ostdeutschland ab" und "Polen wandern nach Ostdeutschland zu und gründen Firmen". Wie zu erwarten bewirkt die EU mit Sicherheit "weiche Grenzen" (Mischbevölkerung) und x-Migrationen.

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