Deutscher Teamchef hat zum Auftakt alles richtig gemacht - "Mannschaft hat sehr gut gespielt" - Lahm: "Sind noch nicht durch"
Tenero - Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft hat am
Sonntagabend mit dem verdienten 2:0-EURO-Auftaktsieg gegen Polen
zahlreiche Kritiker verstummen lassen. Teamchef Joachim Löw scheint
in der Vorbereitung auf die EM und das erste Spiel in der
"Österreich-Gruppe" B gegen Polen, in dem er mit seiner Aufstellung
der beiden Mittelfeldaußenspieler Lukas Podolski
(links/Doppeltorschütze) und Clemens Fritz (rechts) sowie Mario Gomez
als zweitem Stürmer Erfolg hatte, alles richtig gemacht zu haben.
Willensstärke und Konzentration
"Die Mannschaft hat sehr gut gespielt, wir waren ein Team und
hatten einen Fokus, das Spiel zu gewinnen. Es war auch eine
Demonstration der Willensstärke und Konzentration. Wir sind sehr
zufrieden", sagte der 48-Jährige nach dem ersten EM-Sieg seit dem
Titelgewinn 1996.
Die Stimmung in der Kabine war verständlicherweise sehr gut und
gelöst. Für Feiern bleibt für die Spieler, die noch nicht in Euphorie
verfielen, aber kaum Zeit, die Blicke sind bereits auf die
Donnerstagpartie gegen Kroatien gerichtet. "Wir müssen uns wieder
konzentrieren, sind noch nicht durch", verlautete Philipp Lahm.
Auftaktsieg ein gutes Omen
Die Statistik lässt die Deutschen jedenfalls auf ein erfolgreiches
EM-Turnier hoffen. Immerhin hat die DFB-Auswahl immer den EM-Titel
errungen (dreimal), nachdem auch die erste Partie gewonnen worden
war. "Es ist eine schöne Statistik, nur irgendwann brechen die auch.
Ich hoffe nur, dass es nicht dieses Jahr passiert. Das und die gute
Leistung machen aber auf jeden Fall Mut", erwähnte der
Bayern-Außenverteidiger Lahm.
Für Chefcoach Löw war es jedenfalls das erste EM-Spiel auf der
deutschen Betreuerbank. "Es war ein schönes Erlebnis", sagte Löw. Die
Partie sei in der zweiten Hälfte bis zum 2:0 von Podolski auf der
Kippe gestanden. "Der Gegner riskiert alles, wenn er in Rückstand
ist, da ist es normal, dass auch gefährliche Situationen entstehen",
merkte Löw an. Die schnelle Herausnahme von Fritz nach der Pause
(55./Schweinsteiger kam) begründete der DFB-Teamchef folgendermaßen:
"Er hat die 55 Minuten auf einem hohen Tempo absolviert und musste
weite Wege gehen. Ich wollte daher einen frischen Spieler bringen und
mit Schweinsteiger hatten wir eine Option."
Solide Defensivabteilung
Die zuletzt vielfach gescholtene Defensive machte diesmal einen
ziemlich sicheren Eindruck. "Die Defensive hat ihre Sachen über weite
Strecken gelöst, alle vier Verteidiger haben sehr aufmerksam
gespielt. Und Jens Lehmann war eigentlich auch sicher bei vielen
Bällen und hat eine gute Leistung gebracht", resümierte der
zufriedene Ex-Austria- und FC-Tirol-Trainer.
Potenzial nach oben ist aber auf jeden Fall auf allen Positionen
noch vorhanden, so verabsäumte es etwa die Offensive, den Sack schon
viel früher zuzumachen. "Es ist wichtig, dass wir das Spiel gewonnen
haben. Aber es war erst der Beginn und eine EM ist ein Marathon. Es
gibt noch einiges zu arbeiten und zu verbessern", betonte Löw.
Neben dem Trainer blieben auch die Spieler trotz ansprechender
Leistung auf dem Boden der Realität. "Wir freuen uns über den guten
Auftakt, aber jetzt müssen wir weiter Gas geben", sagte Christoph
Metzelder. Eine ähnliche Einschätzung vertrat auch Lahm: "Mit dem 2:0
kann man sehr zufrieden sein. Wir haben sehr konzentriert gespielt,
waren gut organisiert, alle haben defensiv und offensiv gut
gearbeitet. Aber wenn man ins Finale will, dann muss man sich im
Turnier auch noch steigern."
Das Finale haben die Deutschen, die am kommenden Donnerstag erneut
in Klagenfurt gegen Kroatien spielen (18.00) und Montag (16.
Juni/20.45) im letzten Gruppenspiel in Wien auf Gastgeber Österreich
treffen, klar vor Augen. "Wir sind auf jeder Position offensiv
ausgerichtet, eine Mannschaft die immer den Weg nach vorne sucht.
Wenn man die anderen Spiele bisher vergleicht, brauchen wir uns
sicher nicht verstecken", betonte Kapitän Michael Ballack. (APA)