Polens Coach fordert jetzt volle Konzentration auf Österreich-Partie - Polen wollen sechs Punkte - Hadern mit verpasster Krzynowek-Chance
Klagenfurt - Die polnische Fußball-Nationalmannschaft hat
bei ihrem EM-Debüt 20 Minuten von der Sensation träumen dürfen, ehe
Doppelpack-Torschütze Lukas Podolski am Sonntagabend mit seinem
ersten Treffer die Hoffnungen der Osteuropäer auf den historischen
ersten Sieg gegen Deutschland zunichtemachte. Für Coach Leo
Beenhakker war der Knackpunkt der 0:2-Niederlage in Klagenfurt damit
gefunden. "Das Tor war ein Killer", meinte der Niederländer. Der
Optimismus im Lager der Polen vor dem zweiten Gruppenspiel gegen
Österreich am Donnerstag war aber ungebrochen.
Große Chance zu Beginn
Besonders bitter war für den EM-Debütanten, dass Jacek Krzynowek
nach einem Patzer des unsicheren DFB-Torhüters Jens Lehmann bereits
nach 36 Sekunden die große Chance auf die Führung ausgelassen hatte.
"Wenn Jacek in der ersten Minute trifft, ist es ein anderes Spiel.
Dann hätten wir mit einer Kontertaktik spielen können", haderte
Mittelfeldmann Mariusz Lewandowski mit der vergebenen Chance des
Deutschland-Legionärs. An der Ausgangssituation in Gruppe B hätte
sich laut Polens bestem Mann an diesem Abend aber nichts verändert:
"Jetzt müssen wir das nächste Spiel gewinnen."
Diese Ansage zog sich wie ein roter Faden durch die Kommentare der
Spieler. "Wir wollen jetzt gegen Österreich gewinnen. Wir haben
während der Busfahrt genug Zeit über die Niederlage nachzudenken und
müssen das Spiel vergessen", meinte Polens im Wörthersee-Stadion
farbloser Goalgetter Ebi Smolarek. An das vorzeitige Aus nach zwei
Turnierspielen wie bei der WM-Endrunde 2006 wollte der von Beenhakker
bereits nach einer knappen halben Stunde von der linken Flanke an
vorderste Front verschobene Stürmer nicht denken: "Im zweiten Spiel
geht es um alles. Diesmal wollen wir das letzte nicht nur um die Ehre
spielen". Auch der zur Pause eingewechselte Roger Guerreiro, der
offensiv Akzente setzen konnte, stellte ohne viel Umschweife fest:
"Sechs Punkte sind immer noch möglich."
Podolski mit schaumgebremsten Jubel
Dass ausgerechnet der in Polen geborene Podolski seine
"Landsleute" mit zwei Treffern bediente, war natürlich nicht nur bei
den zahlreichen angereisten Fans der "Kadra" Thema. "Podolski spielt
für Deutschland, also schießt er für Deutschland Tore", meinte der
zur Pause ausgetauschte Kapitän Maciej Zurawski trocken. Der in
Gliwice zur Welt gekommene Podolski hatte bei seinen Treffern
demonstrativ auf großen Torjubel verzichtet.
Ein nach der Partie gefasst wirkender Beenhakker bescheinigte den
Deutschen Klasse, auch wenn er süffisant meinte: "Deutschland hat
seinen Stil in den vergangenen zwei Jahren stark verändert, sie sind
nun der Weltmeister im Konter." Der 65-Jährige, der seine Mannschaft
70 Minuten auf Augenhöhe mit dem Turniermitfavoriten sah, erkannte
vor allem in der individuellen Stärke des WM-Dritten den Unterschied
zwischen Sieg und Niederlage. "Wir haben kein schlechtes Team, aber
wir haben im Gegensatz zu Deutschland nicht so viele Spieler, die den
Unterschied ausmachen können", meinte der Trainer-Fuchs, der seinen
Schützlingen nichts vorhielt. "Wir haben im Bereich unserer
Möglichkeiten alles gegeben."
Auch Beenhakker ("Wir sind immer noch im Turnier") richtete seine
Konzentration erwartungsgemäß schon auf die im Kampf um den Aufstieg
vorentscheidende Partie in Wien. Wichtig sei in den kommenden Tagen
nun physisch und mental zu regenerieren. "Ich kenne die Jungs, und
ich bin sicher, dass wir im Spiel gegen Österreich wieder bereit sein
werden." (APA)