Stolz, ein Österreicher zu sein?

Redaktion
15. Juni 2008, 23:59

FS-Misik Folge 28: Österreich spielt beherzt, da bekommt auch Robert Misik patriotisches Zucken. Aber gibt es Gründe für Austro-Nationalstolz?

Die EM hat begonnen, und das ist gut so - allein, weil das rot-weiß-rote Monocolor einer gewissen Buntheit gewichen ist. Manche beflaggen sogar Multinational. Aber wie ist das genau mit dem Patriotismus? Ist der ein aufgeklärter Partypatriotismus, wird bei der EM gar ein positives Österreichbild vermittelt? Und gibt es eigentlich Gründe, stolz auf Österreich zu sein? Robert Misik ist da trotz Fussballfieber skeptisch: der Ösi-Patriotismus ist so miefig Mir-San-Mir wie immer.

Links:

"Ausg'steckt is'" - ein Land zeigt Flagge

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Robert Misik zur deutschen FIFA06

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Danke für den Woody Guthrie Schnipsel! Ich kenne vor allem seinen Sohn Arlo und zB dessen Film Alice’s Restaurant. Wer mal ein wenig Hippie Feeling will, sollte ihn nicht verpassen.

nein

nein, stolz kann man nur auf eigene leistungen sein, und auf österreich daher höchstens Gott.
für die solidarität (oder nächstenlibe) untereinander wäre es schön, wenn sie nicht die nation als hilfsmittel bräuchte.
das zerschneiden der kronen-fahne ist reichlich unnötig, wenn man von anfang an ne echte österreichische kauft.
zu guter letzt: die versuchte infizierung österreichs mit dem kommunism (erst fahnenschändung dann putschversuch) scheint nicht wirklich als moment von freiheitsliebe seine gültigkeit behaupten zu können

raunzen und sudern über Österreich

der Misik ist ja ein österreichischer Klassiker.

Kopf hoch und den Blick vorwärts richten!

so hart sind damals auch viele reaktionen auf "die österreichische seele" von erwin ringel gewesen. sie zeigen, dass nicht aufgehört werden darf, über das nachzudenken, was typisch österreichisch ist (und woher das kommt). ist das verdrängen typisch österreichisch? ohne reflexion (selbstkritik und besinnung) gibt es keinen wirklichen fortschritt. sieht man auch bei anderen nationen (barack obama spricht zum beispiel von der notwendigkeit einer wende. gleichzeitig setzt er die tradition fort, die todesstrafe zu verteidigen).

Stoppt endlich den Fußball!!

dieses rund um die uhr gesabbere von jedermann/frau über einen nichtigkeit,die medial zu einem nationalen anliegen 1ten ranges gehypt wird:22 männer laufen einem balli nach,als ginge es um ihr leben:tatsächlich gehts um(ihr)-und nur!-ums große geld,für uefa,sponsoren,die profis,medien...erstaunlich,wie wenig(bis keine)kritik an diesem popanz geübt wird;man traut sich wohl nicht,fürchtet ausgegrenzt zu werden aus der inszenierten "volksgemeinschaft fußball"-einem balli läuft jedes kind instinktiv nach,jedes hunderl und katzerl...aber um das noch als erwachsener einen kult zu gestalten?fußball ist doch längst nicht mehr das "unschuldige" gassenspiel der kindheit,ist längst schon spielball gelangweilter millionäre

Was soll sein?

Angst dass wir nach einem Sieg über Deutschland in Polen einmarschieren?

Ich bin der ketzerischen Meinung,

daß man eigentlich nur stolz auf EIGENE Leistung sein kann.
Ich bin FROH, Österreicher sein zu können, FROH darüber, in einem der wohlhabensden, chancenreichsten Staaten der welt leben zu können, ohne Gefahr laufen zu müssen, daß mich wer verjagen will, weil ich nicht von hier bin.
Aber STOLZ darauf zu sein, fiele mir nicht im Traum ein.
Tät mir gern einmal den Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus wirklich klar erklärt zu bekommen...
Ich kann nämlich nichts an Patriotismus finden, was nicht klar in Richtung Nationalismus tendiert...
Zusammengehörig fühle ich mich mit Menschen JEGLICHER Herkunft, die NICHT auf ihre Herkunft stolz sind, sondern alle Menschen als Ihresgleichen betrachten und behandeln...

patriotismus - nationalismus

vielleicht ist es patriotismus, glücklich darüber zu sein, in österreich leben zu dürfen (wasser, infrasturktur, kultur, bildungschancen, soziale absicherung - wenn auch nicht optimal etc) verbunden mit dem veranwortungsbewusstsein, diese errungenschaften auch nachfolgenden generationen weitergeben zu wollen.

vielleicht ist es nationalismus, wenn man die geschichte des landes und dessen gegenwärtigen zustand - sowohl positiv als auch negativ - eigenen erfahrungen und verdiensten zuschreibt. sich heute noch wegen der schlacht auf dem amselfeld 1389 aufzuregen ist ebenso absurd, wie dieses ereigns 1914 als anlass (nicht ursache!!!) des wk1 zu verwenden.

patriotismus beschreibt die liebe, die man für sein land, in dem man geboren wurde oder das man für sein dasein gewählt hat, empfindet. patriotismus ist daher ein gefühl der zustimmung für die gloriosen taten eines landes.

nationalismus ist die überheroisierung und glorifizierung der eigenen ethnie und deren geschichte.

patriotismus steht im allgemeinen daher in einem positiveren licht, als der nationalismus.

da österreich, ähnlich wie belgien oder die usa eine willensnation, aber keine volksnation ist, können patriotismus und nationalismus von einander unabhängig auftreten.

zentraler ausgangspunkt für den ersten weltkrieg ist die überreaktion der habsburger-monarchie auf ein attentat gewesen, das in einem land passiert ist, das kurz zuvor von der habsburger-monarchie annektiert worden war. die "idee" ist gewesen, die serbische armee zu zerschlagen. dass auch andere mächte interesse an einem krieg gehabt haben, ist schon klar.

eigentlich hätte der 1. weltkrieg bereits 1912 beginnen sollen, aber die rüstungsfortschritte, vor allem die der kriegsmarinen englands und deutschlands, waren noch nicht weit genug gediehen.

kitschige erinnerungen an einen verbrecher

friedensengerln sind sie keine gewesen am balkan und dass es wirtschaftliche gegensätze der damaligen großmächte gegeben hat, ist ebenfalls bekannt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Balkankriege

was österreich-ungarn u. d. balkanstaaten anlangt: es hat auch einen zollkonflikt gegeben (um schweine).

es ist strategisch falsch gewesen, serbien anzugreifen (russland war schutzmacht); es ist vor allem, was das humanitäre anlangt, fürchterlich gewesen, den angriff zu machen. den tod zweier menschen als grund zu nehmen für einen krieg, bei dem zehntausende sterben sollten (die serbische armee sollte aufgerieben werden), ist ein kriegsverbrechen der sonderklasse.

stalin- und hitlerbüsten sind entfernt worden, warum eigentlich keine kaiserbüsten?

schwierige frage...

lieber peter56,
interessantes posting...
was meine eltern mit viel liebe und verzicht geschafft haben, macht mich nicht nur glücklich, sondern stolz.
wenn aus Ihren kindern etwas wird - zählen Sie das zu Ihren eigenen leistungen?
ich bin stolz darauf, wie dieses land (in dem ich glücklicherweise geboren wurde) wieder aufgebaut wurde. ich bin stolz auf den wohlstand, den die generationen vor mir, mit viel arbeit, geschaffen haben.
soweit meine kurze definition von patriotismus. überhaupt kein wort davon, menschen anderer herkunft zu diskriminieren...

also so kritiklos glorifizieren sollten wir unsere vorfahren nun auch nicht. ergänzend zu ihrem posting:

klimawandel, ölkriege, pensionssystem a la pyramidenspiel, besitzgeilheitsdenken, scheinidenditäten, vergangenheitsverdrängung,..

nein, ich will nicht vorfahrenbashing betreiben, aber in ihren lobgesang kann ich nicht einstimmen

Tja... eigentlich hab ich alles schon geschrieben,

was meiner Auffassung nach Ihrer Interpretation widerspricht.
Wie kann ICH darauf stolz sein, was andere VOR mir geschaffen haben, das MIR als Geschenk in die Wiege gelegt wurde ?
Ich kann nicht mal auf die Leistungen meiner Eltern STOLZ sein, denn das waren ja DEREN leistungen, nicht MEINE.
Beastenfalls kann ich darauf stolz sein, wenn mein Einfluß auf die nächste Generation positive Auswirkungen zeigt. Was DIE dann wieder leisten, auf das können DIE dann stolz sein, nicht ich.

Wenn ich aber auf Leistungen ANDERER stolz bin, intendiert das doch klar, daß diejenigen, deren Angehörige, Eltern, Verfahren NICHT soviel Gutes geleistet haben, eigentlich abgewertet sind. Denn WAS ANDERES drückt denn STOLZ aus ?

Achten Sie Leute anderer Herkunft,

die auf ihr Land STOLZ sind, mehr, als solche dieser Herkunft, die nur einfach ihre Heimat lieben, Ohne stolz zu sein ?

Wie soll sich einer fühlen, der aus seiner Heimat wegen unzumutbarer Zustände, Not, Elend, Korruption, zu uns geflüchtet ist, fühlen, wenn Sie ihm freudig erklären, STOLZ zu sein, daß es in Ihrer Heimat nicht so unerträglich ist, wie in dessen ?
Ist das keine Demütigung, kein Hinweis darauf, "na, der kommt aus nicht einem so tüchtigen Land wie ich" ?

Ich verstehe wirklich nicht, was daran nicht zu verstehen ist, daß STOLZ einfach das FALSCHE ist, wenn es darum geht seine Heimat zu lieben. Das tun wir, weil sie uns ja - normalerweise - Geborgenheit gegeben hat, als wir unser SELBST entwickelten....

"...alle Menschen als Ihresgleichen betrachten und behandeln"

Sorry, aber das kauf ich Ihnen nicht ab.

NIEMAND behandelt oder sieht wirklich JEDEN Menschen als "seinesgleichen". Ausser vielleicht, Sie sind ein lebender Heiliger, was ja immerhin sein kann.

Dass es von Ihrer Sorte dann aber gleich mehrere geben soll, kauf ich Ihner dann immer noch nicht oder besser erst recht nicht ab.

Oh ! Ich vergaß dazuzuschreiben "von vorn herein". Hielt ich eigentlich für selbverständlich... :)

Das heißt, ich bemühe mich an jeden vorurteilsfrei heranzugehen. Aus Herkunft, Nationalitätszugehörigkeit oder Kulturkteis und Reliogionsbekenntnis ALLEINE bilde ich mir noch kein Urteil, behandle den Betreffenden also anfangs nicht anders als jeden anderen Menschen.
Wenn ich ihn kennenlerne und mir ein Urteil bilden KANN, dann schaut die Sache natürlich anders aus...
Alles klar ?

lebende heilige

gab es meines wissens nie. scheidet also aus. ;o)

Kleine Korrektur ihrer Feststellung ohne Anspruch auf Heiligkeit meiner Person :

Wenn Menschen für ihre Taten nach ihrem Ableben heilig gesprochen werden, waren sie es aber schon zu Lebzeiten, deswegen wurden sie ja heilig gesprochen.... Nur das attribut hatten sie noch nicht...

Naja, Sie wissen ja...

Viele Menschen sind besser als ihr Ruf, aber KEINER war je so gut wie sein NACHruf. ;-)

Stimme vollinhaltlich zu.

Wobei ich mit dem Wort Patriotismus schon was anfangen kann, nämlich im Sinne von "Heimatliebe" (ok, das Wort klingt mächtig angestaubt). Ist aber für mich deutlich etwas anderes als Nationalismus. Ich kann mich als Teil eines Landes empfinden und das Land als Teil von mir, ohne mich gleichzeitig von Menschen anderer Länder abgrenzen zu müssen. Ich fühle mich als Österreicherin und Erdenbürgerin gleichzeitig, das ist für mich kein Widerspruch. Zu schätzen wissen, welche Möglichkeiten ich habe, den Blick auch mal bewußt auf das Gute lenken (statt der ewigen Nörgelei), Kritikfähigkeit gepaart mit persönlichem Engagement, Freude an dem, was das Land bietet... das empfinde ich als patriotisch.

Ist schon klar, ich bin auch nicht frei von "patriotischen" gefühlen.

denn obwohl ich weder Fußballspielen kann,noch irgendwie sportlich bin,halte ich,wenn ich (selten, aber doch) ein Match verfolge,irgendwie automatisch zu "unserer" Mannschaft.Daß wurde uns von Kindheit eingeimpft.Denn ich weiß genau,daß dieselben Fißballer morgen für eine ausländische Mannschaft spielen können,und dann sind sie nicht mehr "unsere" Spieler.Ist doch absurd, oder ?

Daran erkennt man,wie manipuliert wir wurden.
Mit gutem Grund : Patrioten kann man besser dazu benutzen, dem "eigenen" Land (in Wahrheit den eigenen Machthabern) zu nützen, ja sogar für es (auch im Grund für die Machthaber)in den Krieg zu ziehen, als Unmanipulierte, frei von Elternintrojekten...
Ich halte deswegen Patriotismus für im Grunde gefährlich...

patriotismus miefig

ich nehme an, misiks nächster blog wird sich mit dem miefigen patriotismus unserer türkischstämmigen mitbewohner beschäftigen, den ganz wien gestern bis weit nach mitternacht genießen durfte.
bin schon gespannt.

Eigenartig .

Am "Patriotismus der Türken" erkennen Sie offenbar, wie unangenehm, wie demütigend, wie störend dieser ist.
Und der Eigene, glauben Sie, ist BESSER ?

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