Analyse: Ein Hauch von Hollywood

Redaktion, 9. Juni 2008, 14:08

Das ÖFB-Team hat gegen Kroatien verlo­ren, aber Sympathien gewonnen

Wien - Nun ist also eingetreten, was unter dem Diktat des Realimus zu erwarten war. Österreichs Nationalteam hat sein erstes Spiel bei einer Europameisterschaft verloren. Noch gibt es kein Wiener Wunder, dafür aber etwas vermutlich ohnehin Gesünderes: Weiterentwicklung. Denn was war das für eine Niederlage, im Vergleich zu jener 1:4-Verächtlichmachung aus dem letzten Aufeinandertreffen mit Kroatien vor fast genau zwei Jahren? 80 Minuten lang war das Team Josef Hickersbergers am Sonntag dem hoch eingeschätzten Gegner mindestens ebenbürtig, 50 eher überlegen - davon 20 drückend.

Doch beginnen wir mit dem Anfang, der dank René Aufhausers eigenartig lustlosen Eingreifens gegen Olic nicht hätte schlimmer ausfallen können. Wenn überhaupt eine Intervention gegen den sich Richtung Toraus bewegenden Kroaten notwendig gewesen sein sollte, sie hätte entschieden gegen den Ball geführt werden müssen. Nach dem folgenden Rückstand konnte es dem Beobachter zunächst Angst und Bang um die Österreicher werden, denen der Mangel an Turnier-Erfahrung aus allen Poren drang.

Hickersberger war nicht über seinen Schatten gesprungen. Das Ergebnis seiner Risikoabwägung materialisierte sich in einer sehr konservative Formation: Sebastian Prödl, Martin Stranzl und Emanuel Pogatetz formierten eine Dreierkette, davor agierte mit Aufhauser und Jürgen Säumel eine Doppel-Sechs im Mittelfeld. Und schließlich wurden Joachim Standfest und Ronald Gercaliu (die Überraschung im Aufgebot) auch eher zur Einhegung der kroatischen Flügel installiert.

Das gelang nach dem Elferschock weniger als unzureichend. Der auf der rechten Seite vermutete, aber immer wieder links daherkommende Olic (im Verbund mit Petric) war nicht greifbar. Modric, der sehr einer klassischen Zehn ähnlte, dominierte im Zentrum. Gercaliu brachte Srna nicht unter Kontrolle. Zentnerschwer schien die Last des Anlasses auf den Schultern der ÖFBler zu lasten. Unsortiert und zögerlich waren sie immer mindestens einen Schritt zu spät dran.

Auf der linken Seite vermochte es das Duo Säumel/Gercaliu, eine konsistentere Beziehung zu etablieren als Aufhauser und Standfest. Eine zwar nur relative Stärke, aber immerhin. Der Mann von Austria Wien war von Eifer aufgeladen, dieser brach sich jedoch oft in Form von Hast Bahn, dem der Ballverlust auf dem Fuße folgte.

Roland Linz und der offensiver als in den Frühjahrstests operierende Martin Harnik litten an Isolation, konnten sie dann einmal in die Partie eingreifen wurde ihr eigentliches Potential umso schmerzlicher sichtbar. Es dauerte bis zur 39. Minute, als erstmals ein Österreicher (ausgerechnet der ansonsten offensiv völlig wirkungslos bleibende, sowie technische Schwächen offenbarende Standfest) bis zur gegnerischen Grundlinie durchging und prompt eine gute Flanke für Gefahr sorgte.

Nach einer halben Stunde - Kroatien hatte sich zu diesem Zeitpunkt dankenswerter Weise selbst etwas aus dem Spiel genommen - begann das Team langsam, seine Befangenheit abzulegen. Österreich bekam Oberwasser, das Tempo wurde sukzessive angezogen. Der hinter den Spitzen rochierende Andreas Ivanschitz baute im Verbund mit dem robusten Säumel immer mehr Druck nach vorne auf. Prödel gelangen mit weiten vertikalen Passes auf Gercaliu einige konstruktive Spieleröffnungen. Trotzdem blieb ein Kopfball des Bald-Bremers die einzige Andeutung einer Torgelegenheit.

Ein fulminantes Solo von Ivanschitz gab gleich nach Seitenwechsel den Ton für den Rest des Geschehens vor. Dem ungeheuer agilen Kapitän gelang einer seiner besten Auftritte im Teamdress, sogar taktische Fouls orchestrierte er meisterhaft. Einzig mangelnde Torgefahr könnte als kleiner Fleck auf seiner weißen Weste ausgemacht werden. Österreich trug das Spiel in die gegnerische Hälfte und zwang die Kroaten durch jetzt autoritatives Auftreten zu immer mehr Fehlern. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten wuchs minütlich, das Spielerische mischt sich immer häufiger in die Herangehensweise des Teams. Endlich macht sich Harnik bemerkbar, der seine nach gut 50 Minuten im Stakkato vorfallende Hereingaben aber zu sehr unter dem Motto hop oder drop exekutierte.

Die inzwischen längst stabilisierte Defensive agierte zunehmend proaktiv und unterband kroatische Ansätze noch bevor diese überhaupt entstehen konnten. Allein Pogatetz unterliefen immer wieder Schnitzer. Er, der nach einem Foul an Olic und seiner großen Aufregung nach dem Elfmeter am Rande des Ausschlusses gewandelt war, fand bis zum Ende die Ruhe nicht so recht wieder.

Nachdem Hickersberger den lautstark geforderten Ivica Vastic (61.), sowie Ümit Korkmaz (69.) statt Säumel und Gercaliu gebracht hatte, gruppierte sich das Team in ein 4-4-2 um. Standfest wich in die Viererkette zurück. Ein immens fittes Österreich schnürte Kroatien immer fester ein. Und zwar in bemerkenswert nonchalanter und immer konstruktiver Weise. Korkmaz verzichtete auf Anlaufzeit und heizte Corluka sofort ordentlich ein. Er kannte nur eine Richtung: vorwärts. Vastic begann bedächtiger brachte dann jedoch ein deutliches Plus an Spielkultur. Beide, besondes jedoch der couragierte Rapidler, lieferten durch ihren Auftritt gute Argumente für einen Platz in der Startelf. Phasenweise roch es fast nach Hollywood, als im Vorwärtsdrang der Abwehrverband fast völlig aufgelöst wurde und Standfest als einzig übriges Glied der ehemaligen Kette alleingelassen stand.

Dem für den harmlos gebliebenen Linz gekommene Roman Kienast, der als erste Aktion einen das Stadion-Rund verblüffenden Mehrfach-Übersteiger wählte, blieb es vorbehalten, für die tornahste Aktion der Österreicher zu sorgen. Sein Kopfball in der Nachspielzeit strich recht knapp am langen Pfosten vorbei. Und Jürgen Macho? Die so spät aufgedeckte Nummer eins, bekam in 90 Minuten keinen einzigen Europass zu halten. Schade, dass trotzdem einer den Weg in sein Netz gefunden hatte. (Michael Robausch - derStandard.at, 8.6. 2008)

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pisces iscariot
00
10.6.2008, 11:25

Warum er den Pogatetz nach seiner gelben nicht rausgenommen hat, ist und bleibt mir ein Rätsel. Man weiß doch, dass er oft dezent berserkische Anwandlungen hat, und damit gefährdet er nicht nur sich selbst oder seine Gegenspieler, sondern auch seine Mannschaft, wenn die plötzlich nur noch zu zehnt am Platz steht.
Naja.

teifl eini
01
10.6.2008, 11:23

eine literarisch recht ambionierte analyse, wenn auch mehr geschraubt als Bahn brechend. das autoritative auftreten kann man nicht gelten lassen ...

hirschnbier
00
10.6.2008, 09:51
Lobby?

Was hat der Aufhauser bitte für eine Lobby? Wenn ich mich erinnere, wie damals auf den Pfeffer Toni hingehackt wurde. Dabei hat sich diesmla der Aufhauser mindestens genauso patschert angestellt und ghört endlich aus dem Team raus.

golda meir
01

österreich hat dieses spiel vor allem wegen der feigheit des teamchefs verloren. diese mannschaft spielt auf peinlichkeitsvermeidung, nicht aber auf sieg. da nützen die besten spieler nichts, siehe parallelen zu dem unfähigen und mutlosen französchen teamchef.

1. Steffen Hofmann-Fußballgott
01
Mögliche Aufstellung von Österreich gegen Polen

----------------------Macho----------------------------Garcis------Prödl-----Pogatez-----Fuchs-----
--------------------Stranzl---------------------------Harnik----------Ivanschitz----------Korkmaz----
-------------Kienast-----------Hoffer--------------

Scio, non scio
00
da fehlt leider der standfest. so schlecht kann der gar nicht spielen, als das ihn der hicke nicht aufstellen würde...

huachzszua
018
Analysen der Politiker - hab ein paar zusammengestellt

Ein Spiel mit nennenswertem österreichischen Einfluß (Gusenbauer)
KH Grasser muss ins Team (Schüssel)
Unverständlich, wir sind denen doch weit entgegengekommen (Kdolsky)
UEFA raus aus Österreich (Strache)
Ein herrlich grüner Rasen (van der Bellen)
Kroatien nicht reif für die EU (Plassnik)
52,38% Spielanteil und 40,23% Chancen, also fast 93 Prozentpunkte (Bartenstein)
Amnestie, Amnestie (Berger)
Eigentlich noch gut ausgestiegen (Darabos)
Hauzes (Westenthaler)
Monda, schaugsch noch Innschschbruckch (Platter)
1:0 für Österreich in der Hauptstadt (Häupl)
Ehrlich untersuchen (Burgstaller)
Der Elfer war irregulär, aber er zählt trotzdem (der Verfassungsgerichtshof)

Was guckst du?
00
Das Messer steckt schon (Voves)

maddox23
00

da treffer war sicher nicht irregulär
da irrt sich der verfassungsgerichtshof

hicke ab in die wüste
95
2 spiele noch hicke

dann bist wieder in der wüste.
und was will der aufhauser im team? was hat der gestern geleistet, nix, ah moment doch er hat was geleistet einen elfmeter verschuldet, danke rene.
ivanschlitz, das war schon wieder nix, meine oma schießt da besser.
wo ist maierhofer und janko?
wie wäre es mit mehr offensive.
ach was solls was reg ich mich auf @ stickler, hau den hicke am 16.6 einfach ausse und alles wird gut.

machsplank
10
frisches blut

hicke stell bitte endlich den peter hruska auf !!!

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
22
10.6.2008, 00:16
dieses nationalteam- und hicke-bashing...

...geht mir schon langsam am or***. ehrlich.

1. wir waren besser als die kroaten... zumindest 60 minuten über.
2. tschechen, türken, polen oder rumänen waren schlechter bei ihren ersten spielen.
3. mit ein wenig mehr "fingerspitzengefühl" des schiedsrichters, wäre der elfmeterpfiff vielleicht ausgeblieben. wäre interessant, wie sich dann das spiel entwickelt hätte.
4. die leidenschaft, das tempo und der druck der österreicher war top! ok, wir haben nicht die primgeiger, aber dafür endlich spieler mit cochones. hoffentlich bleibt das so.
5. mit einem ähnlich übersteigerten selbstvertrauen wie d oder cro (=überheblichkeit) könnte vielleicht auch der ein oder andere punkt erzwungen werden.

Est-dragon
03
10.6.2008, 01:14

1.) Wir waren viellleicht besser als die Kroaten, aber die Kroaten waren einfach richtiger.
2.) Die haben alle nicht gegen die Kroaten gespielt, insofern hinkt der Vergleich.
3.) Dass Pogatetz durchspielen durfte, war schon sehr viel Kompensation. Insofern hat der Elfer kurz davor wohl vieles gerettet.
4.) Einlochen wäre männlich gewesen. Nur Petting ist zu wenig.
5.) Also wenn für dich das Spiel der Kroaten vor Selbstvertrauen gestrotzt hat, dann hab ich ein anderes Spiel gesehen. Selbst das Spiel der Deutschen würde ich nicht als überheblich bewerten, das war eher deutsche Gründlichkeit, eine reine Arbeitsleistung.

rundblicker
00
10.6.2008, 11:54
Man kann das Glas halb voll oder halbleer sehen

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
00
10.6.2008, 10:24
kroatischer hochmut kommt vor dem fall

1, wie auch immer.
2, falsch, man muss nicht gegen kroaten spielen, um vergleiche ziehen zu können. sonst wären viele vergleiche überhaupt nicht möglich.
3, pogerl hatte sehr viel glück... ja. aber nicht weniger glück hatte der r. kovacs, der mit einem ellbogencheck gegen kienast sofort hätte rot sehen müssen. kienast ist halt ein fairer sportsmann, der nicht die theatralischen fähigkeiten eines srna oder olic besitzt.
4, von mir aus.
5, das spiel hat nicht vor selbstvertrauen gestrotzt... im gegenteil, die kroaten waren platt und überfordert. schwerst überheblich waren sie im vorfeld (beispiel antikicker simunic: "ich bin so wertvoll wie die gesamte ö-nationalmannschaft".)

schade, dass wir die kroaten nicht geputzt haben.

Inschenör Augustin
01
10.6.2008, 01:22

Eine hübsche Allegorie der Punkt 4 ;-)

Inschenör Augustin
00
10.6.2008, 00:54
1. Wir haben 1:0 verloren. Tschechien steht mit drei Punkten da und Rumänien mit einem (gegen den Vizemweltmeister).

2. Fingerspitzengefühl gibts beim Klavierspielen aber nicht bei Schiedsrichtern. Foul im Strafraum ist Elfer, egal in welcher Minuten.
3. Ein Jahr lang offensiv spielen lassen mit aggressiven Pressing und dann in der ersten Partie, in der es um etwas geht, eine defensiv eingestellte Mannschaft aufs Feld schicken und dann nicht mal auf die Idee zu kommen, statt einem Strafraumstürmer einen Konterstürmer aufzubieten, das muss man Hickersberger anlasten.
4. Fast eine Stunde zu brauchen, um auf das "überraschende" 0:1 mit entsprechenden Wechseln zu reagieren, das ist Hickersberger anzulasten. Und eine viertel Stunde vor Schluss Stürmer gegen Stürmer zu tauschen, das ist fast schon lustig.

Nichts als die nüchternen Fakten und kein Bashing.

Krampen
00
10.6.2008, 11:26

1. tschechien waren nach 50minuten so gut wie K.O. von der fitness her war nur der sionko gut. und ein knappes 1:0 gegen die schweiz ist für einen turniermitfavorit einfach um häuser zu wenig
2. dann hätten wir auch mindestens 1 elfer bekommen müssen als man den kienast in der schlussphase nur so hin und her geschoben hat im strafraum (erinnerte eher an freistilringen oder rugby als an fußball)
3. wenn wir offensiv gegen die kroaten kommen heißt es nach dem spiel: "WAAAS gegen so starke kroaten mit dermaßen offensiver einstellung, da kann man nur eine klatsche bekommen"
4. es hätte keiner vermutet, dass die kroaten mit 1:0 zufrieden sind bzw. nicht mehr her bringen, daher war hickes taktik gut. den pogerl hätt ich gleich raus genommen.

aereo
03

Die ausländischen Medien sehen die Leistung unserer Kicker kritischer als wir. Ja, ein par meinen ein Unentschieden wär nicht unverdient gewesen, aber größtenteils werden die Spieler als Antikicker bezeichnet. Das ist nicht Bosheit. Sie sind eben besseren Fußball gewöhnt. Und die erste Halbzeit war tatsächlich eine Zumutung für eine Europameisterschaft.

stuntman mike
 
02

1.) hab weder in der italienischen noch in der deutschen auch net bei den engländern sowas gelesen...

2.) rumänien frankreich tschechien polen (auch türkei teilweise) da war a nix besseres dabei, das war teilweise zum wegschauen, auch keine überdrüber mannschaften mit lauter zauberern obwohl bei frankreich ja teilweise grosse namen am feld standen-der Unterschied ist bei weitem net so gross wie ein paar zeitungs kasperln glauben... net täuschen lassen...

Foromat
12

ganz im gegenteil zu diesem hochklassigen kick rumänien-frankreich der mich da langweilt.

auch wenns niemand gerne wahrhaben möchte, wir sind die nummer 100 in dieser liste , kroatien ... mit anspruch auf den em titel.

dass kroatien auch noch mehr (und die lauteren) fans hatte zähle ich mal nicht.

die leistung war in ordnung, einen klasse spiele wir modric haben wir nun mal nicht. aber deshlab war die leistung gestern mehr als in ordnung.

weinrot
00
10.6.2008, 01:10

wir grundeln um nummer 100 herum, weil wir uns ständig niederlagen schönreden. der mannschaft fehlt schlicht der hang zum sieg. alles und jeder lässt sich schlagen.

die spiele werden primär im kopf entschieden. wer sich einredet, dass die andren besser sind und deswegen zurückhaltend, passiv spielt hat am rasen nix verloren.

Foromat
00
10.6.2008, 08:03

aso a bledsinn. man braucht erfahrung, klasse und fitness um mannschaften auf diesem niveau zu schlagen. klar ist die kopf sache entscheidend aber jede mannschaft ist nach einem elfer in der 3. minuten einmal geschockt.

wir haben zu wenig spieler die auf allerhöchstem niveau woche für woche spielen müssen.

auch wenn mir hicke mit seinen starken männnern manchmal auf die nerven geht weil er nicht die besten sondern die richtigen mitgenommen hat, eines kann man dem hicke nicht vorwerfendas er irgedwas schön redet, so unaufgeregt und nüchtern wie er die spiele seine mannschaft manchmal kommentiert möchte man gar nicht glauben, dass ihn das überhuapt interessiert was passiert.

stuntman mike
 
01

naja weiss net wies im stadiion war aber auf der fanmeile waren de kroaten fast net zum wahrnehmen...

und klar wer vorne liegt und gewinnt is fast immer lauter

Dominik Ertl
00
10.6.2008, 09:29

im Stadion waren gefühlte 2/3 Kroaten:) Es hat immer irgendwo ein Fansong angefangen, zum Teil parallel aut-cro, manchmal habe ich sogar bei den Kroaten mitgeklatscht weil die so oft gehopst sind (und ihre Melodien sehr eingängig sind, obwohl ich kein Wort außer Hrvatska verstanden habe:)

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