Wo da jetzt wirklich der Pokal ist

Redaktion, 8. Juni 2008, 18:23

Fußballer müssen nicht nur Fußball spielen. Zu ihrem täglich Brot zählt auch der Knochenjob des Werbeträgers

Stegersbach – Diese süßen Buben, dieser süße Brotaufstrich, dieses süße Skript, demzufolge Andreas Ivanschitz fordernd – na ja: fast fordernd – fragen muss: „Und wo ist jetzt mein Pokal?“ Werbesports wie dieser für die Haselnusscreme namens Nutella bereichern seit geraumer Zeit die belästigenden Zwischenräume der Fernsehabende. Wobei der aktuelle Eindruck, österreichische Fußballspieler seien so was wie Werbestars, durchaus täuscht. Meint jedenfalls Skender Fani, der ewige Spielervermittler und -berater, der auch Roland Linz unter Vertrag hat. Früher, meint Fani, sei deutlich mehr mit Fußballern geworben worden. „Ein Indiz dafür, dass Österreich damals berühmtere Fußballer mit mehr Werbewirksamkeit hatte, ist, dass jetzt noch immer die werbewirksamsten Ex-Fußballer im Zusammenhang mit der EURO Toni Polster oder Hans Krankl sind.“

Landeshauptstadt

Krankl zog aber immerhin auch Roland Linz ins Scheinwerferlicht einer Bankwerbung, in der ihm vom „Goleador“ beschieden wird, nach ihm sei „nur“ eine Landeshauptstadt benannt. Eine diesbezügliche Solo-Karriere ist freilich sehr selten. Am meisten im Einsatz ist Andreas Ivanschitz, der Teamkapitän, auf dessen Ausstrahlung neben besagter Nutella auch die Elektronikfirma LG, VW, EA Sports und Zewa vertrauen. UEFA-Sponsor McDonald’s hat das ganze Team samt Teamchef engagiert.

Georg Stangassinger, bei dem Ivanschitz unter Vertrag steht, kümmert sich auch um diese Einnahmequellen. Und meint, dass mögliche Werbepartner für seine Schützlinge nicht schwer zu finden seien, „wenn man das ernsthaft betreibt“.

Sein Kollege Max Hagmayr, der unter anderen die Neo-Teamspieler Ümit Korkmaz und Ramazan Özcan betreut, findet das schon. Deshalb macht er Werbung in Richtung Werbetreibender: „Skifahrer oder andere Köpfe werden als Werbeträger gebucht. Fußball ist ein Volkssport. Die Spieler wären daher doch ideal, um Produkte zu bewerben.“ Freilich gebe es da noch einen ziemlich steinigen Weg: „Der Stellenwert hängt von der Nationalmannschaft ab. Ich hoffe, dass der Werbewert der Fußballer nach der EM steigen wird.“ Sein Wort wiegt hoffentlich schwer in Gottes Ohr.

Falls es das tut, dann könnte es, meint Stangassinger, auch für Ivanschitz erst „richtig interessant“ werden. Denn im Fall von starken EM-Auftritten „könnte es natürlich sein, dass er zu einem anderen Verein geht und sich extrem internationalisiert“. Vorderhand muss sich der Panathinaikos-Spieler mit „fünf echten Werbepartnern“ bescheiden, was andererseits aber den Vorteil hat, dass die diesbezügliche Arbeit ihn nicht zu sehr vom Eigentlichen ablenkt. „Das war so gesteuert, dass er schon alles erledigt hat und sich seit sechs Wochen voll auf Fußball konzentrieren konnte.“ Denn da sei höchste Vorsicht geboten: „Manche Weltklassefußballer haben wohl schon zu viele Werbepartner. Wir fragen den Spieler, wie viel von seiner Freizeit er opfern will. Bei Ivanschitz sind das übers Jahr gesehen 17 Tage.“ Alles freilich immer noch nichts gegen die früheren Zeiten. Fani: „Als der Krankl in Barcelona gespielt hat, hat es Verträge en masse gegeben. Da hat er gustieren und hingehen können, und ich habe gesagt, das machen wir und das nicht.“ (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 9. Juni 2008, APA, wei)

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