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Der gediegene Charme des Danai Beach Resort, im Bild ein Blick aus der Honeymoon Suite, steht in reizvollem Kontrast zur zerklüfteten Landschaft der Halbinsel Sithonia, wo Schafherden über unberührten Buchten grasen
vergrößern 500x541Im Danai Beach herrscht ein sanftes Gesetz, und das lautet: Sie müssen sich entspannen! Schon beim Begrüßungsdrink auf der schattigen Terrasse mit Aussicht auf das Meer erntet man einen strengen Blick, wenn man nach Ausflugsmöglichkeiten fragt. "Sie sind doch gerade erst angekommen", sagt die Hotelangestellte Maria ungläubig: "Ich zeige Ihnen erst einmal Ihre Suite mit Pool." Stimmt, eigentlich peinlich, wie unlocker man ist. Aber damit kommt man hier ohnehin nicht durch: Entspannung wird nämlich als eine durchaus seriöse Angelegenheit begriffen, ist also nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen könnte. Und in der Tat: Wenn man den kleinen Pool mit eigenem Garten sieht (die Suite kostet in der Vorsaison stattliche 990 Euro pro Nacht), fühlt man sich gleich ein bisschen wie in einem Thomas-Mann-Roman, nur eben nicht auf dem Zauberberg, sondern auf der Zauberinsel.
Vor über zwanzig Jahren hat sich ein gewisser Herr Riefenstahl, ursprünglich aus Berlin, gemeinsam mit seiner griechischen Frau einen Traum erfüllt und ein Hotelensemble, bestehend aus nur 60 Suiten und geräumigen Villen (das Prachtstück, die "Villa of Greek Riviera", kostet in der Hauptsaison 10.900 Euro pro Nacht), angelegt. Eine kleine, exklusive Oase an der griechischen Riviera. Heute leitet sein Sohn Kimon, 35, die Geschäfte. Man findet ihn meist abends an der Bar mit Meerblick, wo er locker mit Gästen plaudert. Und natürlich hat man wieder Angst, dass man als unentspannt gilt, wenn man fragt, wie sein Vater denn mit der legendären Leni Riefenstahl verwandt ist - zudem in einem Artikel in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit zu lesen stand, es gäbe nur Gerüchte, aber erfahren würde man nichts Genaueres. "Sie war die Tante meines Vaters", sagt Kimon Riefenstahl, ohne mit der Wimper zu zucken: "99 Prozent der Leute wollen das wissen." Das war ja erstaunlich einfach.
Nach einem Tag, abwechselnd am Meer, dann wieder am Pool, dazwischen im Spa, danach im Gourmet-Restaurant, wo der Entspannungsfaktor selbst auf Kinder übergesprungen ist, die ruhig und gesittet ihren 30-Euro-Burger verzehren, ist man auch wieder stark genug für einen Ausflug.
Eine Umrundung der Halbinsel Sithonia ist ideal für einen Tagestrip. Prächtig grün präsentiert sich ihre zerklüftete Landschaft mit den vielen Olivenhainen in der Vorsaison, die bis Ende Mai dauert - und erstaunlich leer sind die zahlreichen Strände, obwohl das Meer schon warm genug zum Baden ist. Erst Anfang Juni kommen die meisten ausländischen Touristen, und ab Mitte Juni haben auch die Griechen Ferien. Dann wird es auch hier ziemlich voll und laut.
Das Überraschendste ist, dass manche Ecken ein bisschen wie Skandinavien wirken. Der südliche Fischerort Porto Koufos, an der Westseite gelegen, gleicht mit seiner engen Bucht einem Fjord. Hier hat man kurz das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Danach bleibt die Landschaft wild, und die breiten Straßen werden hügelig. Horden von Bergziegen überqueren gelassen die Fahrbahn, und an den höchsten Punkten stehen Bienenstöcke, in denen der berühmte Pinienhonig, der intensiv und fast wie Pistazien schmeckt, produziert wird. Ab Mai gehen die Bienen jedes Jahr auf Sommerfrische: Weil es ihnen in den Ebenen zu heiß würde, übersiedelt man sie auf die kühleren Hügel. Überhaupt duftet es hier oben herrlich nach Pinienwäldern und nach Blumen und unzähligen frischen Kräutern, die am Straßenrand wild wachsen.
An der Südspitze taucht er dann zum ersten Mal auf: ein steiler Berg, der mit seinen Nebelschwaden um den Gipfel fast wie ein Vulkan wirkt und die Mönchsrepublik Athos beherbergt. Während der ganzen Autofahrt an der Ostküste kommt einem die Nachbarhalbinsel immer wieder imposant in den Blick. Die zerklüftete Ostküste ist deutlich weniger besiedelt, türkisblau leuchtet das Wasser an den Nacktbadestränden, die man nur auf Fußmärschen durch den Wald findet. Trotzdem macht sich selbst in der Vorsaison an manchen Orten das Gefühl von Eastern Promises breit. Im Hafen von Sikia steigt die Tattoo-Dichte beträchtlich, die Musik dröhnt, und ein gewisser Prollfaktor ist nicht zu übersehen: Gäste aus Bulgarien sind mit dicken Karossen angereist. Trotzdem, im Vergleich zur westlich gelegenen Nachbarhalbinsel Kassandra, die den Ruf einer langen Partymeile hat, ist Sithonia noch immer weitgehend frei von großen Hotelburgen.
Ein Schäfer war es, der die im Norden Richtung Thessaloniki gelegene Tropfsteinhöhle von Petralona 1959 zufällig entdeckte - er hörte Tropfgeräusche und hoffte auf eine Quelle. Ein Jahr später sorgte ein Fund nicht nur in der Wissenschaftswelt für Aufsehen: Der Schädelknochen eines Urmenschen, von der Forschung zwischen Homo erectus und Homo sapiens eingeordnet, machte aus dem weitreichenden Höhlensystem nicht nur einen Tummelplatz für Forscher, sondern auch eine Haupttouristenattraktion.
Der Schädel liegt mittlerweile längst sicher in der Universität von Thessaloniki, aber die Reisebusse kommen trotzdem. Den 800-Meter-Rundgang kann man nicht allein, sondern nur mit Führung machen. Das heißt, als Individualtourist muss man sich entscheiden: Schließt man sich einer Schulklasse oder einer Pensionistenrunde an? Die Schulklasse ist laut, aber immerhin begeistert. Und das zu Recht, denn die Anlage ist imposant. Gewöhnungsbedürftig sind die Nachbildungen von Ureinwohnern (Menschen und Tiere) in den Nischen, aber die engen Gänge und dann wieder die weiten Hallen mit ihren bizarren roten Tropfsteingewölben haben ihren speziellen Reiz.
Man braucht keinen Pulli, die Anlage misst ganzjährig angenehme 18 Grad Celsius. Fraglich ist im Moment allerdings, wie sich die Anreise gestalten wird. Zuletzt musste man Auto oder Bus am Fuß des Hügels stehenlassen und mit einem viel zu kleinen Bus pendeln. Mittlerweile wird umgebaut, und man kommt wieder mit dem Auto zum Parkplatz bei der Höhle.
Zurück im Danai Beach Resort, ist schon wieder alles auf Entspannungsmodus gestellt. Die Blumen wurden wie von Zauberhand gegossen, der Pool glänzt unberührt, und die Sonne geht unter, als spiele sie in einem Hollywoodfilm die Hauptrolle. Seltsam, dass man nie seine Nachbarn hört. Es ist so ruhig, dass man selbst ganz still wird. Nur die Schwalben füttern laut und emsig ihren Nachwuchs. Im Zimmer, in dem Marmor dominiert und sogar ein Kamin steht, wartet bereits das blütenweiße Himmelbett.
Wirft man den riesigen Flachbildschirm an, merkt man allerdings, dass das Bettgestell aus Metall die Sicht auf den Fernseher verstellt. Der erste Gedanke: Beruhigend, selbst im Nobelresort ist nicht alles perfekt. Der zweite Gedanke: Natürlich gehört Fernsehen nicht zu einer gediegenen Entspannungskur. Wie konnte man nur auf so einen banalen Gedanken kommen, ausgerechnet an diesem Ort fernsehen zu wollen. Das ist doch viel zu laut! Also zurück an den Pool und zum filmreifen Sonnenuntergang. Wie sagt Kimon Riefenstahl: "Für mich geht ein perfekter Tag mit einem Drink in der Hand und mit Blick aufs Meer zu Ende." Alles klar: "Hallo, Roomservice, bitte einen Gin Tonic." (Karin Cerny/DER STANDARD/rondo/6.62008)
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