Der Forscher mit Geschäftssinn

31. August 2008, 12:19
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Am 1. September jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag des Chemikers Carl Auer von Welsbach

Wien - Mit Carl Auer von Welsbach, dessen Geburtstag sich am 1. September zum 150. Mal jährt, hätten heutige Forschungspolitiker ihre wahre Freude. Der Chemiker schaffte es nämlich in besonderem Ausmaß, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in Patente, Produkte und letztendlich bare Münze umzusetzen.

Förderung

Auer von Welsbach war von Haus aus begütert. Sein Vater Alois war Direktor der Hof- und Staatsdruckerei, er förderte seinen Sohn nach Kräften. Dass Auer von Welsbach nicht nur die technisch-naturwissenschaftliche Seite der Welt im Auge hatte, berichteten im Rahmen der Veranstaltung unter anderem Nachfahre Hermann Auer von Welsbach. So habe er notleidende Kinder nach dem Ersten Weltkrieg unterstützt und sich in seiner Freizeit der Züchtung von Rosen und Obst gewidmet.

Auer von Welsbach zeigte aber auch, dass man im wörtlichen Sinn nicht unbedingt früh aufstehen muss, um als Unternehmer erfolgreich zu agieren. So wurde in seinem Haus durchwegs um 10 Uhr gefrühstückt, um 14 Uhr zu Mittag und um 21 zu Abend gegessen. Die Nacht war für Forschungsarbeiten reserviert, häufig in seinem 700 Quadratmeter großen Laboratorium, das er sich im Schloss Welsbach bei Meiselding in Kärnten bauen und einrichten ließ.

Studium

Er studierte in Wien und Heidelberg, zu seinen Lehrern zählte der angesehene und im "Bunsen-Brenner" - einem Gasbrenner fürs Labor - verewigte Heidelberger Chemie-Professor Robert Wilhelm Bunsen. Nach dem Studium kehrte er nach Wien zurück und widmete sich unter anderem der chemischen Grundlagenforschung. So entdeckte der Spezialist für seltene Erden 1885 die Elemente Neodym und Praseodym und 1905 Ytterbium und Lutetium.

Erfindung des Glühstrumpfs

1885 erfand er dann den Glühstrumpf, der jedenfalls in den ersten Jahren seinem Namen alle Ehre machte: Eine Strumpffabrik lieferte das Gewebe für das zarte Gebilde. Ein eigens dafür errichteter Betrieb in Atzgersdorf bei Wien stellte das Lanthan-Zirkon-Gemisch her, mit dem das Gewebe getränkt wurde. Die Nachfrage nach dem so präparierten Strumpf war anfangs enorm, auch aus dem Ausland.

Nach der anfänglichen Euphorie kam die Nachfrage ins Stocken, der Glühstrumpf hatte zwei entscheidende Nachteile. So zerbrach er zu rasch, wenn er über eine Gasflamme gesetzt und damit zum Glühen gebracht wurde. Des weiteren war das kalt-grüne Licht ungewohnt, es verändere "die Gesichtsfarbe der Damen äußerst unvorteilhaft", lautete eine Kritik.

"Welsbach-Light"

Nach weiteren Forschungen meldete Auer von Welsbach einen neuen Ansatz zum Patent an. Der Thorium-Cer-Glühkörper trat als "Welsbach-Light" seinen Siegeszug um die Welt an. Die Lichtstärke war dreimal so groß wie bei anderen Brennertypen, und das bei einer Gasersparnis von rund einem Drittel.

>>> Osmium-Lampe und "Auer-Metall"

 


 

Nach seinen Entwicklungen auf dem Gebiet des Gaslichts wandte sich der Wissenschafter der elektrischen Beleuchtung zu. Er suchte nach einem geeigneten Ausgangsmaterial für den Faden von Glühbirnen und fand dieses in dem schwer schmelzenden Metall Osmium. Mit seiner Osmium-Lampe lieferte er den Vorläufer der bis heute verwendeten Metallfaden-Glühlampe. Das von Auer von Welsbach eingesetzte Osmium wurde allerdings bald durch das besser geeignete und billigere Wolfram ersetzt.

Absolutes Neuland betrat Auer von Welsbach mit seiner dritten Erfindung. Schon während seiner Studienzeit bei dem damals schon sehr angesehenen Wissenschafter Robert Wilhelm von Bunsen in Heidelberg fiel ihm die lebhafte Funkenbildung von Cer-Eisen bei mechanischer Bearbeitung auf. Er plante daher, das Material für Zündungszwecke zu nutzen.

"Auer-Metall"

Nachdem er 1903 das günstigste Legierungsverhältnis von 70 Prozent Cer und 30 Prozent Eisen gefunden hatte, ging er auch schon daran, ein Verfahren zur industriellen Herstellung der als "Auer-Metall" in die Geschichte eingehenden Legierung auszuarbeiten. 1907 gründete er dafür die Treibacher Chemischen Werke in Kärnten und stellte das erste automatische Feuerzeug her. Das Unternehmen ist als Treibacher Industrie AG bis heute tätig.

Das Schloss Welsbach inklusive Labor konnte Auer von Welsbach nicht zuletzt durch seine gut gehenden Geschäfte errichten. Dazu erwarb er 1893 den Besitz Ratsenfeld bei Meiselding. Er starb am 4. August 1929 in Kärnten. (APA)

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    Die Silber-Niob-Münze "Faszination des Lichts" ist dem Erfinder Carl Auer von Welsbach gewidmet.

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