ECURIE - Atomwarnsystem der EU

Redaktion, 5. Juni 2008, 13:08
Brüssel - Das europäische Frühwarnsystem bei nuklearen Störfällen ECURIE wurde von der Europäischen Union nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl eingerichtet. Das System sieht nach Angaben der EU-Kommission vor, dass alle potenziell betroffenen EU-Staaten sowie die Brüsseler EU-Behörde selbst unverzüglich im Fall eines größeren Atomunfalls oder einer radioaktiven Notsituation informiert werden, um die Bevölkerung rechtzeitig warnen zu können.

Während die erste Warnung sofort vom betroffenen EU-Staat kommen muss, ist eine Strahlenschutz-Einheit innerhalb der EU-Kommission für das weitere Management verantwortlich. Die EU-Kommission muss alle EU-Staaten über den Störfall informieren. Die zuständige Stelle innerhalb der EU-Kommission steht nach Angaben der EU-Behörde rund um die Uhr in Bereitschaft, um das Warnsystem zu aktivieren. Die EU-Staaten wiederum müssen in angemessenen Intervallen den Brüsseler Krisenstab über getroffene Gegenmaßnahmen und die auf ihrem Territorium gemessenen Radioaktivitätswerte benachrichtigen.

Dabei sollen so schnell wie möglich Daten über das vorhersehbare Ausmaß des Unfalls, die jeweiligen Wetterverhältnisse und nationale Gegenmaßnahmen ausgetauscht werden. Rechtsgrundlage für das ECURIE-System ist eine Entscheidung der EU-Staaten im Jahr 1987. ECURIE steht für "European Community Urgent Radiological Information Exchange" ("Europäische Gemeinschaftsvereinbarung für den beschleunigten Informationsaustausch im Fall einer radiologischen Notstandssituation").

Alle 27 EU-Staaten sowie die Schweiz und Kroatien nehmen an dem Atom-Frühwarnsystem teil. Das europäische Warnsystem ergänzt und erweitert das Übereinkommen der Mitgliedstaaten der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) über die gegenseitige Benachrichtigung bei nuklearen Unfällen und bilaterale Abkommen mit Nachbarländern.

Das ECURIE-System wurde bereits früher aktiviert, etwa 2004 nach einem Störfall im tschechischen Atomkraftwerk Temelin. Damals waren nach einem Leck im Primärkreislauf des AKW 3.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten und zwei Arbeitsräume kontaminiert worden, in die Umwelt trat keine Radioaktivität aus. Die EU-Kommission schickte damals Inspektoren nach Temelin, um den Störfall zu untersuchen. (APA)

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