Sozialdemokratie - wohin?

Redaktion, 4. Juni 2008, 20:44

An der Misere der europäischen Sozialdemokraten sind viele schuld; nicht nur die Parteivorsitzenden

Mit der möglichen Ausnahme Spaniens befinden sich die sozialdemokratischen Parteien in den meisten europäischen Ländern in einer kritischen Situation. Vor allem die Umfragebilanz ihrer Führungspersönlichkeiten ist von Großbritannien bis Deutschland, von Italien bis Ungarn und Österreich beinahe katastrophal. Überall lösen permanente innerparteiliche Konflikte den fast unvermeidlichen Autoritätsverfall des jeweiligen Parteichefs aus. Im Fernsehzeitalter werden in der Regel in erster Linie die Parteiführer als Sündenböcke demontiert.

Der britische Premierminister Gordon Brown konnte zum Beispiel nach fast einem Jahrzehnt als Schatzkanzler den Rücktritt des Strahlemannes Tony Blair kaum erwarten. Nach knapp zehn Monaten führten die schweren Niederlagen bei den Kommunalwahlen und zuletzt bei der Nachwahl in einem traditionell linken Wahlbezirk zu einem beispiellosen Ausbruch der Unzufriedenheit mit dem so oft grimm wirkenden Premierminister.Künftige Historiker werden wohl darüber wundern, laut der "Economist", warum Gordon Brown so schnell so unpopulär wurde, obwohl eigentlich so wenig geschehen sei.

Die 145 Jahre alte Sozialdemokratische Partei Deutschlands sehen auch die linksliberalen Medien in einer "äußerst traurigen, nahezu erbarmungswürdigen Lage."Dieser Tage haben nur noch acht Prozent der Wähler Vertrauen in die Politik der SPD.

Der einflussreichste deutsche Sozialdemokrat im Europaparlament, Martin Schulz sieht die Konservativen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und Frankreich im Vormarsch. Vor allem der klare, dritte Sieg Berlusconis sei ein ganz schwerer Schlag für die Linke und für Europa gewesen, meinte Schulz. Die Tatsache, dass in Rom der frühere Jugendführer der Neofaschisten nach einem klaren Sieg Bürgermeister geworden ist, bestätigt den pessimistischen Befund von Schulz.

Obwohl sich auch die Zufriedenheit mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, vor allem durch seine peinliche Selbstverliebtheit, auf einem Tiefpunkt befindet, ist das Bild der Sozialisten nach wie vor durch Gruppenkämpfe, nicht zuletzt zwischen den einstigen Lebenspartnern Ségolène Royal und François Holland verdüstert. Auch die letzten Umfragen in Österreich oder in Ungarn erschrecken die Verantwortlichen im linken Lager. Sowohl Bundeskanzler Gusenbauer wie auch der ungarische Sozialistenführer und Chef einer Minderheitenregierung, Ferenc Gyurcsany stellen "Negativrekorde" beim jeweiligen Vertrauensindex auf.

An der Misere der europäischen Sozialdemokraten sind freilich viele schuld; nicht nur die Parteivorsitzenden. Bei den Konflikten zwischen Modernisierern und Traditionalisten wirken die sozialdemokratischen Regierungsparteien oft unglaubwürdig. Im Kampf um die Mitte, also auch um die Aufsteiger, hat die Sozialdemokratie die (zahlenmäßig geschrumpfte) Arbeiterklasse, die Geringverdiener und ihre Familien, auch die Pensionisten vergessen. Es geht also nicht oder nicht nur um das fehlende Charisma, sondern auch um das eigene Profil und um eine glaubwürdige politische Strategie. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2008)

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Titus Petronius
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19.6.2008, 13:54
Vielleicht begreifen die Europäer endlich...

dass permanente Steuerhöhungen und -erfindungen nicht den Bürgern zu Gute kommen, sondern nur in die Taschen der bladgefressenen roten Bonzen fliessen.

Hoffentlich verschwinden diese Rosstäuscher bald endgültig in der Versenkung.

Abzocke
00
solche Diskussionen hätte es bei niedrigeren Spritpreisen nicht gegeben!

also dann ...
00
naja ... gründe gibt es wahrlich viele, stimmt. der kampf um die mitte (welche den ?) ist...

nicht entscheidend
- da es (z.b. D+Ö ) immer mehr "working poor" (steigen der armut, starke REAL-EINKOMMENS-VERLUSTE in D+Ö ... SCHWACHE gewerkschaften)
und globalisierungsverlierer ( ! ) gibt...
- d.h. die "mitte" ... schrumpft !

dass der durch die rasante entwicklung des welthandels entstandene zuwachs an WOHLSTAND
... UNGLEICH ( ! ) verteilt ist ...
- ist auch kein geheimnis.

gerade die SOZIALdemokraten hatten ungleich bessere "markt-chancen" ...
die oft i n f e r i o r vergeben wurden.

richtig ist,
dass die soz.demokraten NICHT mehr ihre kern-zielgruppen vertreten...
und viel ihrer glaubwürdigkeit eingebüßt haben.

charisma ?
W E R ... hat das schon ?
egal ob konservativ, oder sozial-demokratisch !

Haus Österreich1
16
die Konservativen haben es wohl endgültig geschafft ...

...jahrzehnte langes schlecht reden von sozialpolitischen Zielen - sogar bei nachweisbaren guten Erfolgen der Sozialdemokraten, finden nun endlich Zuhörer. Die, die unter einer sozialdemokratischen Führung Österreichs zu Wohlstand kamen, sind nun die Selben die anderen nichts vergönnen. Groß geworden in einem sicheren sozialdemokratischen Umfeld, verhetzt durch konservative Politiker, die sich die Macht oftmals durch Falschaussagen und Populismus erkauften, sehen wir uns nun einer Generation von Nichtdenkern und Nichtzuhörern gegenüber, für die Worte wie "Gesellschaftspolitik, Zusammenhalt, Helfen und Nachbarschaft" Fremdworte sind.

Igor Gassner
01
Die Konservativen ?

An denen ist nichts Konservativ da gehts nur ums Geld

Hugo der Bär vom Bodental
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wenn ich so ansehe, was sich die sozibetriebsräte in meiner firma so leisten, wird die sozialdemokratie bald komplett im keller sein. die blauen betriebsräte machen wenigstens den mund auf. die roten auch, aber mit aussagen wie:" da kemma eh nix mochn".

Ich auch!
00

den Mund aufmachen ohne umsetzbare Lösungsvorschläge zu haben, ist ebenso schlecht wie zu resignieren.

hermine granger
 
00
wer immer nur mit sich selber beschäftigt ist...

man würde halt einen guten PR-Berater brauchen,
vor allem einen lebendigen

und den müsste man auch gut bezahlen

avocado102
00
Das Problem der Sozialisten ist,

dass die meisten ihrer alten Forderungen bereits erfüllt sind, da die großen Parteien sich in ihrer Programmmatik nur noch in Nuancen unterscheiden.
Während klassische rechte Wähler eine politische Heimat gefunden haben, tun sich die klassischen Linkswähler, denen die SP schon zu gemäßigt ist schwer, vor allem jene, die aus ärmeren Arbeiterschichten kommen.
Dies schürt Unzufriedenheit, insbesondere wenn diese Menschen das vorliegende Dilemma als leere Wahlversprechungen erleben. Ohne Versprechungen sind für die SP jedoch kaum noch Stimmen (außer jene von Pensionisten) zu gewinnen, was wohl zur Gründung von echten Linksparteien führen muß, welche eine weitere Erosion der klassischen Sozialdemokratie bewirken werden.

Lew Dawidowitsch
 
00

Woher die blöde Annahme, das eine sozialistische Partei nur eine Partei für Arbeiter mit Niedrigsteinkommen und Mindestpensionisten sein soll.
Ja die Sozialisten haben momentan anscheinend schwere Zeiten. In 10 Jahren ist wahrscheinlich wieder alles anders und die Sozis sind oben und die Konservativen unten, usw. usw.

Das traurige ist nur, dass sich diese zwei Lager sowieso immer ähnlicher werden und sich bald nur mehr durch den Namen unterscheiden werden.

Es muss doch andere Optionen geben als ständig zwischen diesen Blöcken, die sowieso nur die Interessen ihrer Funktionäre befriedigen, hin und her zu pendeln.

Pacific green sphinx
01
das problem ist einfach zu erkennen

die sozialdemokratie kann kein zukunftsträchtiges modell anbieten, ohne sich selbst zu verleugnen.

ich halte nichts von den rechten, aber die linken sind eher am schwinden.

der einzige ausweg aus dem dilemma: die spö aufspalten und überhaupt neue parteien wie eine neue lif gründen, sonst gewinnt rechts.

natan
 
31
gut so.Wir Konservative gewinnen weltweit.

stiamo avanzando,la Sinistra indietreggia.Und zwar weltweit ! FORZA AS ROMA !

also dann ...
00
d e r z e i t ... sieht es so aus. stimmt. wenn jedoch die globalisierungs-verlierer ... auf die strasse gehen, dann hilft doofes neo-liberales-geschwätz auch nicht mehr ...

die zeit wäre "ideal" für ECHTE sozial-demokraten !
leider sind sie ZU saturiert, vom (beamten)system
längst "korrumpiert" ... sodass sie es verlernt haben, um ihre werte permanent und tagtäglich (!) zu kämpfen ...

naja ...
just wait & see ...

Lex Looser
06
Nicht mehr authentisch...

Die mittlerweile in den lniks-Parteien beEntscheidungsträgerInnen haben keinen Bezug mehr zu der Klientel, die sozialistische Parteien früher vertreten haben.
Die mittlere und obere Führungsliga sind entweder selber "Aufsteiger" oder schon Kinder aus guter Mittelschicht. Gut ausgebildet - mit allen neuen Strömungen, New Economy, New public Management, Finanzmanagement... das ist ja an sich sehr gut! Nur, die meisten haben überhaupt keinen Bezug mehr zu "schwachen Bevölkerungsgruppen". Wer sich nicht mit an der armutsgrenze lebenden Alleinerzieherinnen, Arbeitern, ungebildeten Globalsierungsverlieren abgeben kann (weil er keine kennt) und will - kann auch keine Politik für diese machen. Die jetzige SPÖ ist eine "bisserl linkere" ÖVP

Markus -
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Als die Sozialdemokraten vor über hundert Jahren gegründet wurden wars genauso: die führenden Funktionäre alle aus der Oberschicht.

Buxkandl
00

Die ÖVP stellt dem Koalitionspartner die Rute ins Fenster und der Standard zündelt mit. Sofort werden die Meldungen der deutschen Nachbarn mitverwurstet und ein europäisches Horrorszenario skizziert. Ein Medienexperiment hart an der Kante, angesichts der EM.

Buxkandl
30
Tiefdruck

Wenn man den SPIEGEL öffnet und sich gleichzeitig dieses Stück peinlicher österreichischer Selbstentblößung durch den Kopf gehen läßt, könnte man fast befürchten, daß der Umsturz knapp bevorstünde. Vielleicht knattern demnächst Guido und Zack auf ihrem heißen Krad über die Ringstraße, gefolgt von deutschliederschmetternden Marschierern und unter dem tosendem Beifall hundertausender wimpelschwingender Anschlüssler.
Daß ich diese Stimmung noch erleben darf.

Baer8
03
Viele rote Parteiführer kann man in die Schublade "Genosse der Bosse stellen" legen...

abgehoben, von sich eingenommen, weltfremd, ideenlos, egoistisch, großmäulig etc. Darin besteht die Krise.

cantanto
11
Was bitte ist an den Sozialisten sozial?

Die größten Skandale Europaweit spinnen sich seit Jahrzehnten immer um Linke Politiker.

Schauen sie sich doch bitte z.B. den Fall Androsch an. Ein - angeblicher - Paradesozi mit Strafverfahren und einem sagenhaften finanziellen Aufstieg. Natürlich passt das nicht!

Auch wenn man die ÖVP nicht mag, muss man doch objektiv feststellen, dass die ganz offen und klar ihre Ziele verfolgt und den Leuten nichts vormacht. Man muss sie ja nicht wählen.

Die SPÖ hingegen verkauft schon seit Kreisky die Menschen für dumm und war in Österreich für die größten Fehlentscheidungen verantwortlich. Leute wie Vranitzky haben etwa die BA verkauft, ausschließlich um sich ein ordentliches "Taschengeld" zu holen. Die Belegschaft war und ist denen vollkommen egal

Haus Österreich1
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na bitte, schon wieder einer ...

... der sich im Umdrehen von Tatsachen geübt hat. Die Haupttaktik der Konservativen - eigenen Mist unter den Teppich kehren zu wollen (siehe Verkauf / privatisierung der Austria Tabak, Vöest, ÖBB, ...) also dem Eigentum des österreichischen Volkes in Zeiten wie diesen und damit den Ausverkauf Österreichs ein zu läuten - auch die Wasserrechte wollten sie verkaufen und haben es sogar einmal geschafft - genau diese Sachen werden klammheimlich unter den Teppich gekehrt - so schaut's aus !!!

dölerich hirnfidler
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verehrter freund, sie singen falsch. schlagen sie mal unter "russland-krise" nach, vergleichen sie die daten und schauen sie sich dann an, wann die ba verkauft wurde. ad androsch: hätte der arm bleiben sollen, um sozialdemokrat zu sein? es spricht für die qualität eines politikers, wenn der auch in der privatwirtschaft erfolgreich ist - zum teil mit unternehmen, die schon totgesagt wurden. die steuergeschichte war freilich wenig appetitlich. die sozialdemokraten müssen lernen, wieder antworten zu finden, den seit 2001 geöffneten neidgraben schließen und eigene ideen zu haben, statt zwischen grün, blau und scharz zu oszillieren.

Franz Stefan
00
hätte der arm bleiben sollen, um sozialdemokrat zu sein?

Also der hätte gar nich "arm bleiben" können, weil er das nie war. Lesen Sie nach!
Und zur "Qualität" sollten Sie auch nachlesen, Stichwort Consultatio.

Grasser war nichts wirklich neues, er hat sich nur ein bissel patscherter angestellt.

Günther Reisenauer
00
Sind`s neidig auf Androsch?

Soll er vielleicht als Sozialdemokrat in Sack und Asche gehen? A bisserl ein schlichtes Weltbild dass Sie da haben. Befassen Sie sich bitte einmal näher mit den Aktivitäten des Dr. Androsch. Im Gegensatz zu vielen Lippenbekentnissen so mancher Politiker, ist sein Engagement hinsichtlich Förderung von Wissenschaft und Forschung ein großes. Sprechen Sie einmal mit den Leuten im Salzkammergut über den "Salzbaron", da würden`s was anderes hören als den Sermon den Sie da absondern. Und dass Vranitzky die BA verscherbelt hat, das dürften wohl nur Sie wissen. Hauptsach ist Platitüden dreschen.

didi111
03
Die (österr) Sozialdemokratie lamentiert des Öfteren über ihre Performance..

Hier ein Beispiel über die Blödheiten, welche die Mitglieder der SP so absondern:

In der heutigen Printausgabe der Presse (Seite 4)
meint ein gewisser Androsch u.a.

"..Beides, mit 65 den Ruhestand antreten UND die normale Penion beziehen, "das geht nicht"".

Androsch, welcher unter Kreisky Vizekanzler war, und solche Sachen raushaut (unabhängig von der sachlichen Richtigkeit), sind u.a. die Sargnägel der Sozialdemokratie.

Das lesen heute u.a. auch Leistungsträger, welche die SPÖ wähl(t)en, und werden sich angesichts dieser Perspektiven von dieser Partei mit Grausen abwenden.

Das war nur EIN Fallbeispiel..

jeff5
00
bei 45 arbeitsjahren sollte es möglich sein, darum halte ich die hacklerregelung für sehr gut.

aber der akademiker, der in der kurier reportage zum sozialmarkt befrag wurde, ist mit 40 in frühpension gegangen. jetzt ist er 67. wenn der noch lange studiert hat, wurde eher nicht viel eingezahlt.
also, der braucht sich nicht aufregen wegen 800 euro pension.

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