Streitobjekt Prater: Lieber alles beim Alten lassen?

Redaktion
9. Juli 2008, 19:55

Projekt Riesenradplatz aus unternehmerischer Sicht - Kommentar der anderen von Peter Petritsch

Ich selbst betreibe seit mehr als 25 Jahren das Wiener Riesenrad, das im Jahr 1990 den Höchstwert von 1 Million Besuchern verzeichnen konnte und nun jährlich rund 650.000. Das liegt einerseits an der wirtschaftlichen Lage insgesamt, andererseits am geänderten Freizeitverhalten der Menschen: Heute ist man mobiler und Vergnügungsattraktionen im Wiener Umland und im grenznahen Ausland werden eher besucht.

Städtetouristen bleiben weniger lang an einem Ort als früher und uns trifft vor allem der massive Rückgang von italienischen Besuchern, die begeisterte Prater-Gäste sind. Zusätzlich sind in Wien andere Angebote wie das Museumsquartier, die Albertina oder der Tiergarten Schönbrunn entstanden oder wurden kontinuierlich attraktiviert. Auch wir haben unser Angebot laufend verbessert und zuletzt hat meine Firmengruppe beschlossen, sich auch im Rahmen des Projektes Riesenradplatz zu beteiligen. Schon bald werden sich auch die Praterbesucher/innen davon überzeugen können, dass hier neue Maßstäbe gesetzt wurden

Mit einem Investment von 8,5 Millionen Euro bin ich eingestiegen, war über die bisherigen Projekte von Explore 5D informiert und habe mich für eine Zusammenarbeit entschieden, weil ich von Konzept und Idee von Anfang an begeistert war.

Was mich als Unternehmer und Investor ärgert, sind die Kommentare von unterschiedlichen Fachleuten (vgl. Othmar Pruckners Gastkommentar "Ein Projekterl fürs Freunderl?", Standard, 29. 5.), die selbst oft schon lange nicht mehr im Prater waren und sich nun als Richter in Sachen Geschmacksfragen aufspielen. Denn das Feedback der regelmäßigen Praterbesucher/innen ist durchaus positiv und der Prater ist immer schon - ich erinnere an Venedig in Wien - für eine Architektur der Illusion gestanden.

Auch die Diskussion jener Experten, die sich ernsthaft mit Freizeit- und Eventkultur auseinandersetzen, ist dabei ins Hintertreffen geraten, aus wirtschaftlicher Sicht aber nicht unwesentlich: Der Vorteil, als Unternehmer im Prater, ein Standort mit Geschichte, tätig zu sein, wandelt sich zum Nachteil, wenn das persönliche und finanzielle Engagement, das einzelne UnterneherInnen auf sich nehmen, nicht mehr gesehen und pauschal über einen Standort hergezogen wird.

Kompliment an Merlin

Insofern ist das Interesse eines internationalen Konzerns wie der Merlin Entertainments Group, die u. a. das Londoner Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds betreibt, ein großes Kompliment.

Klar, über Geschmack lässt sich immer streiten. Aber ganz objektiv - als rund um das Riesenrad ein Sammelsurium an Ständen war (woran sich heute kaum jemand erinnern möchte), hat das Ambiente schon gar nicht entsprochen. Auch für uns Praterunternehmer/innen ist es wichtig, unsere Angebote ständig neu zu erfinden, um konkurrenzfähig zu bleiben. (Peter Petritsch/ DER STANDARD Printausgabe

Zur Person: Peter Petritsch und seine Familie sind Besitzer und Betreiber des Wiener Riesenrads in der dritten Generation und Projektpartner beim Riesenradplatz im Prater
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24 Postings

grundsätzlich ist die errichtung eines eingangsbereichs nicht so schlecht, die ausführung ist halt dilletantisch und wenn man dann so mitbekommt, wie eine halbe mrd schilling (klingt halt eindrucksvoller als 35 mio euro) verbraten wird und offensichtlich sämtliche vorschriften umgangen wurden, freunderlwirtschaft usw ...

... dann geht einem das g´impfte hoch.

Das ganze sieht wie eine Kreuzung von Disneyland-Kitsch und Wienerwald-Restaurant aus (und das ist schon lange pleite gegangen).

Natürlich ist es Herrn Petritsch lästig, wenn das Projekt kritisiert wird. Schließlich kommt eine Menge Geld auf ihn zu, wenn geschmacklose Touristenhorden den Kitschbunker stürmen.

Der Prater gehört den Wienern vor allen anderen. Touristen können ihn sich ja anschauen.

Anschauen, aber nicht umbauen.

Bis er so schwachsinnig und grauslich ist wie er in den Touristenbücheln.

Der Prater hat Charakter, weil er etwas Gewachsenes ist. Und der Kitsch, der dort ist, ist herzensnäher, weil er natürlich gewachsen, und nicht von langer Hand und gierigem Blick geplant worden ist.

man könnte..

..glauben,der stronach hat einen teil seines micky-mouse-ungetüms in ebreichsdorf abmontiert und die gipsplatten billig an den prater verkauft.an hässlichkeit sind die beiden dinger ebenbürtig.
aber über geschmack kann man tatsächlich nicht streiten und es wird mmn viel zu viel wind um das ganze gemacht.

"Also ganz objektiv -

hat das Ambiente um das Riesenried schon früher einmal nicht entsprochen."
Aber für das "nicht entsprechende Ambiente" auch noch 500 Mio Schilling zu zahlen kommt mir ein bisserl viel vor.
Wenn schon Scheiszße, dann bitte selbst finanziert.
Und denen, die das nicht soo suuupper toll finden, ein "Lieber alles beim Alten lassen?" entgegenhalten, ist schon eine stark unbeholfene Chuzpe, aber wer so ein Ambiente verteidigt, muss die Leute wohl für bled halten.

Es hätte ja nicht alles beim Alten bleiben müssen

Der Prater ist nun mal kein rein privates Gelände, und die öffentliche Hand hat ordentlich drauf gelegt. Geschmack hin, Geschmack her: die Auftragsvergabe war ganz offensichtlich geschmacklos! Und es scheint so, daß hier ein paar Hobbyarchitekten - einschließlich einer Wiener Stadträdtin - ihre Volksschulzeichnungen endlich verwirklichen durften. Leider halt auch mit öffentlichen Geldern.
Herr Petritsch sollte vielleicht auch einmal über eine winzige Kleinigkeit nachdenken: warum kriegt man in seinem Shop keine Briefmarke, wenn man schon Ansichtskarten um einen angemessenen Preis kauft? Nur weil er daran nichts verdient? Es ist eine Schande für den Wiener Tourismus! Vielleicht sollte Frau Laska die Marken subventionieren?

moment mal

was der herr riesenradbetreiber hier zu erwähnen "vergißt" , sind die 16 mille, die der platz die steuerzahler bisher gekostet hat, bei denen es aber nicht bleiben wird. das hat mit geschmacksfragen nichts zu tun. freunderlwirtschaft im öffentl. bereich zu kritisieren ist ebenfalls legitim und keine einmischung in geschmacksfragen.
was dieser herr mit seinem geld macht, geht hingegen keinen was an und stand hier nie zur diskussion.

Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht! Warum ist dieser Herr gar so empfindlich?

interessante argumentation:

nicht, dass die wortwahl verblüffend deckungsgleich mit laska-sprech ist, mag den gelernten wiener überraschen. eher, dass eingangs das fehlen von gästen beklagt wird, später aber jene wenigen, die noch kommen, als zeugen für die gelungene architektur herangezogen werden. böse behauptung: die, die eh immer kommen, wären auch ohne plastik dageblieben. die, die nicht kommen wollen, wird man mit der grind-offensive aber auch kaum anlocken. merlin zähl ich da gerne dazu. blöd halt, dass der spaß 35 mio gekostet hat, die recht freihändig und, glaubtman der berichterstattung, nicht gerade an echte kompetenzwunder vergeben wurden. aber schuld am niedergang der sp ist einzig der gusi.

Ich fände ein Sammelsurium an gewachsenen Standln wesentlich sympathischer als diese überteuerte Kitschorgie.

Aber als Schausteller und Schaubudenbetreiber braucht man halt keinen Geschmack, da reicht Gespür für zahlungswillige Kundschaft.

Kitsch an sich wäre ja nicht so schlimm. Aber was die da hingebaut haben, ist einfach nur grauslich.

nicht alles beim alten lassen

sofern das alte nicht mehr funktioniert - kein problem.

etwas neues machen - ja, aber dann unter geordneten bedingungen, öffentliche ausschreibung für die vergabe von millionen an steuergeld inklusive.

Ein Vergleich muß her, erst dann können wir mit offenen Augen sehen.

Es gibt ja noch andere Vergnügungsparks auf der Welt, einige davon ebenso historisch wie der Prater. In Wien ist natürlich eine GEsamtkonzeption wie bei den Disney Parks undenkbar, aber muß deswegen alles so chaotisch sein?
Der Prater hat noch einiges an Gepäck. Unangemeßene Formen der Vergnügung wie Spielclubs und übel beleumdete Lokale hätten in Vergnügungsparks andernorts keinen Platz, in Wien gibt es sie.
In Kopenhagen gibt es mehrere sehr edle und gute Restaurants im Tivoli - in Wien scheint das unvorstellbar. Die gastronomische Versorgung ist, nun ja....
Die Attraktionen selbst sind schon ein bisschen angejahrt, ein paar davon scheinen schäbig. Da ist ein Wachsfigurenkabinett eine Bereicherung

Im Prater gibt es aber wesentlich mehr Attraktionen als im Tivoli, wo es zB nicht einmal eine Geisterbahn gibt. Das liegt aber wohl auch am Größenunterschied. Außerdem wird für den Tivoli Eintritt verlangt (der aber noch nicht eine einzige Attraktion beinhaltet, für die noch extra gezahlt werden muss), was ich persönlich eine bodenlose Frechheit finde. Schließlich gibt es dort drin neben einem halbwegs schönen Garten nur Dinge zu kaufen (essen, trinken, Fahrgeschäfte) und um die nur anzusehen soll man zahlen? Also was den Eintritt anbelangt und ganz allgemein die Preise soll sich der Prater ja nichts vom Tivoli abschauen. Und wer "gut" essen will, geht dafür wohl kaum in einen Vergnügungspark.

Ein Kleinod

Mag sein, dass ein Kleinod gewünscht ist. Alles klein und lieb. Kleine Attraktionen, liebe Hütten. Ok. Ist der Prater. Liebevolle Eigenart. Aber dann dazwischen Spielhallen. Das soll zusammenpassen? So ist das geplant?

GOLD ARM

Was hier das Milchmädchen über den Leisten der eigenen Rechnung - sprich: Investment & Interesse - bricht, ist wenig besser als das Erbrochene neben dem Schweizerhaus. Phrasen über Phrasen. Ein Faszinosum bedarf keiner Kulisse ringsum. Sollte selbiges versiegt sein: Abreissen oder Zusperren. Ansonsten würd ich grad meinen: Alles beim Alten lassen. Das kann man von der Innenarchitektur unzähliger Szenelokale weltweit berichten. Das Schmierige kann man nicht schmieren oder an den Mann bringen. Es ist die Seife im Getriebe und der Schaum des Abgrunds. Was ich auf Bildern sah, war erschreckend. Ich bitte inständig, dass bei meinem nächsten Wien Besuch die Schiessbude mit dem Namen ZUM GOLDENEN SCHUSS immer noch aufgetakelt hat.

YW

Vielleicht liegt's ja auch am Fahrpreis von hundertzehn Schilling...

...und zehn Groschen, der Geschäftsrückgang. Ich meine, damit komme ich mit der ebenfalls elektrischen Eisenbahn bis Wiener Neustadt. Acht Euro, und man ist keinen Schritt weiter... ;-)

Ich kenne den Wiener Prater seit fast 10 Jahren. Es wurde viel umgebaut, aber es bleibt die proletenhafte Atmosphäre.

Gott sei Dank! Man will ja dort schließlich Spaß haben
und mit gutsituierten Granitgesichtern hat noch niemand eine Gaude gehabt

Halbwelt Illusion Magie Volksvergnügen ... Man muss wohl sehr markante Hornbrillen tragen um zu übersehen, dass ein solcher Gärkessel gerade des BILLIGEN und des TALMIGLANZES sich weder auf die Seite des Proleten, noch auf die des gallsauren Spiessers schlägt. Antiseptisches amerikanisches BURLESQUE vs. dem gierigen, billigen und abschäumlichen Vergnügen. Da ist keine Hochnäsigkeit angesagt, sondern FETT.

Billig, da stehst du doch drauf! Yep. Schwarze Magie von Kohlenhändlern, die nach Auslieferung entspannen. Draußen knarrt mächtig das Rad Piranesis. Leicht, eh? Eh leicht! ... Und a scheene Leich obendrauf!

YW

@ der Österreicher

Schön auch, dass Sie denPrater seit 10 (!) Jahren kennen. Da ich nicht annehem, dass sie 15 jahre alt sind, heisst das nicht viel.

http://www.notizblog.ch/wp-conten... island.jpg

YW

genau diese..

..atmosphaere macht aber den prater,neben anderem,erst zum prater.
fuer sterilisiertes mickey-mouse ambiente gibt es besser geeignete plaetze.

Drum heißt der Wurschtlprater ...

... ja auch VOLKSprater und nicht Schnöselprater!

Wurschtl

kommt aber von Hanswurst. Das hat per se nichts mit Klassen zu tun. Humor ist universal!

wer ist bei Ihnen das Volk? Grenzen Sie das Volk vom Herrscher ab? Oder sollten wir nicht langsam soweit sein, dass wir alle zum Volk zählen?

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