Streitobjekt Prater: Lieber alles beim Alten lassen?

Projekt Riesenradplatz aus unternehmerischer Sicht - Kommentar der anderen von Peter Petritsch

Ich selbst betreibe seit mehr als 25 Jahren das Wiener Riesenrad, das im Jahr 1990 den Höchstwert von 1 Million Besuchern verzeichnen konnte und nun jährlich rund 650.000. Das liegt einerseits an der wirtschaftlichen Lage insgesamt, andererseits am geänderten Freizeitverhalten der Menschen: Heute ist man mobiler und Vergnügungsattraktionen im Wiener Umland und im grenznahen Ausland werden eher besucht.

Städtetouristen bleiben weniger lang an einem Ort als früher und uns trifft vor allem der massive Rückgang von italienischen Besuchern, die begeisterte Prater-Gäste sind. Zusätzlich sind in Wien andere Angebote wie das Museumsquartier, die Albertina oder der Tiergarten Schönbrunn entstanden oder wurden kontinuierlich attraktiviert. Auch wir haben unser Angebot laufend verbessert und zuletzt hat meine Firmengruppe beschlossen, sich auch im Rahmen des Projektes Riesenradplatz zu beteiligen. Schon bald werden sich auch die Praterbesucher/innen davon überzeugen können, dass hier neue Maßstäbe gesetzt wurden

Mit einem Investment von 8,5 Millionen Euro bin ich eingestiegen, war über die bisherigen Projekte von Explore 5D informiert und habe mich für eine Zusammenarbeit entschieden, weil ich von Konzept und Idee von Anfang an begeistert war.

Was mich als Unternehmer und Investor ärgert, sind die Kommentare von unterschiedlichen Fachleuten (vgl. Othmar Pruckners Gastkommentar "Ein Projekterl fürs Freunderl?", Standard, 29. 5.), die selbst oft schon lange nicht mehr im Prater waren und sich nun als Richter in Sachen Geschmacksfragen aufspielen. Denn das Feedback der regelmäßigen Praterbesucher/innen ist durchaus positiv und der Prater ist immer schon - ich erinnere an Venedig in Wien - für eine Architektur der Illusion gestanden.

Auch die Diskussion jener Experten, die sich ernsthaft mit Freizeit- und Eventkultur auseinandersetzen, ist dabei ins Hintertreffen geraten, aus wirtschaftlicher Sicht aber nicht unwesentlich: Der Vorteil, als Unternehmer im Prater, ein Standort mit Geschichte, tätig zu sein, wandelt sich zum Nachteil, wenn das persönliche und finanzielle Engagement, das einzelne UnterneherInnen auf sich nehmen, nicht mehr gesehen und pauschal über einen Standort hergezogen wird.

Kompliment an Merlin

Insofern ist das Interesse eines internationalen Konzerns wie der Merlin Entertainments Group, die u. a. das Londoner Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds betreibt, ein großes Kompliment.

Klar, über Geschmack lässt sich immer streiten. Aber ganz objektiv - als rund um das Riesenrad ein Sammelsurium an Ständen war (woran sich heute kaum jemand erinnern möchte), hat das Ambiente schon gar nicht entsprochen. Auch für uns Praterunternehmer/innen ist es wichtig, unsere Angebote ständig neu zu erfinden, um konkurrenzfähig zu bleiben. (Peter Petritsch/ DER STANDARD Printausgabe

Zur Person: Peter Petritsch und seine Familie sind Besitzer und Betreiber des Wiener Riesenrads in der dritten Generation und Projektpartner beim Riesenradplatz im Prater
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