Sechs Häuser stehen in einem kleinen Dorf im Mostviertel, in ihnen wohnen 25 echte Hickersberger. Neben Kühen und Schafen gibt es natürlich auch einen kleinen Fußballplatz
Hickersberg - Friedlich grasen die Kühe. Der Blick reicht bis ins Donautal. 25 Einwohner zählt das idyllische Dorf in Niederösterreichs Westen. Und die sind sich ihrer Sonderstellung bewusst. Schließlich leben sie in Hickersberg. "Ja, so wie der Nationaltrainer", pflegt Christian Lengauer zu antworten, fragt man ihn nach der Schreibweise seiner Adresse.
Der Küchenchef bewohnt mit seiner Familie seit mehr als 15 Jahren eines der sechs Häuser im kleinen Ort im Bezirk Amstetten - Hickersberg 243. Viel habe sich in den vergangenen Jahren im Dorf verändert, berichten Lengauer und seine Frau Karin. Mittlerweile gibt es nur noch einen Vollerwerbsbauern. Die anderen Bauernhöfe wurden renoviert und zu großzügigen Wohnhäusern umgebaut.
Einst war auf dem Hickersberg (Mostviertlerisch: Higischberg) ein großer Vierkanthof gestanden. In der Zwischenkriegszeit wurde das Gut aufgelöst. Rund um das Dorf werden heute Mais und Hopfen angebaut. Die Straße auf die kleine Anhöhe ist bis zu 13 Prozent steil. Autos verkehren ohnehin nur vereinzelt zwischen Zeillern und Leitzing. Nur der Schulbus stoppt einige Male täglich in Hickersberg.
"Wir genießen die Ruhe", erklärt Herr Lengauer, warum es ihm in Hickersberg gefällt. "Und trotzdem ist man in zehn Minuten in der Stadt." In Amstetten - dort, wo Josef Hickersberger aufgewachsen ist und kickte. Für einen gebrauchten VW-Bus war der spätere Nationalspieler 1966 mit 18 Jahren vom ASK Amstetten zur Wiener Austria gewechselt.
Mitten in Hickersberg befindet sich ein kleiner Fußballplatz. "Mit Originaltoren", wie Lengauer betont. Das Spielfeld ist leicht abschüssig. Für das Gruppenspiel gegen Deutschland (16. Juni) hat sich Lengauer mit seiner Sauna-Runde etwas einfallen lassen. "Wir haben uns den nächsten Tag freigenommen. Wir werden hier bei mir im Garten einen Beamer aufstellen." Public Viewing in Hickersberg.
Wahl-Hickersberger Lengauer schloss eine kühne Wette ab. "Wenn wir bei der EURO ein Tor schießen, muss ich das ganze Essen bezahlen. Wenn wir in allen drei Spielen keines schießen, sind meine Freunde dran." Er habe schon vor Weihnachten gewettet, verteidigt sich Lengauer. "Jetzt würde ich das nicht mehr tun. Zuletzt haben wir ja ganz anständig gespielt." Dennoch könnte sich das Interesse an Hickersberg bald wieder in Grenzen halten. "Mal schauen, ob er in drei Wochen überhaupt noch Teamchef ist." (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 3. Juni 2008, APA, red)