Genug von Córdoba. Und zwar echt genug - von Peter Menasse
Genug von Córdoba. Und zwar echt genug. Dieser argentinische Ort hat bereits einen mindestens ebenso abgedroschenen und unangenehmen Klang wie die Wörter Gesundheitsreform, Benzinpreiserhöhung oder Kopfläuse. Wir bräuchten ein neues Córdoba, wollen sie uns weismachen, überall schreien sie danach, überall schreiben sie darüber. Seit bekannt ist, dass wir das dritte Match in der Gruppenphase gegen die Piefkes spielen, werden wir belästigt. Nach zwei verlorenen Partien (wir erinnern uns an die WM 1978: Italien 0:1 und Holland 1:5) gegen Deutschland gewinnen, das soll das Ziel sein. Sollen wir denn tatsächlich nicht darauf hoffen, dass unsere Mannschaft die nächste Runde erreicht, sondern dass sie nach zwei Niederlagen in einem für den eigenen Aufstieg unbedeutenden Match die Deutschen reinhaut? Nein, danke. Überall sonst wollen die Leute Europameister werden oder zumindest unter die letzten Acht kommen. Unser Kanzler hingegen, um nur ein schlechtes Beispiel zu nennen, setzt sich vor internationale Journalisten und redet von Córdoba.
Die können nur erstaunt sein über dieses seltsame kleine Land. Oder das bunte Wochenmagazin, das dem Heft eine kostenlose DVD über Córdoba beilegt und damit ungewollt ausdrückt, was Sache ist: Nie war ein Match mehr umsonst als dieses. Stattdessen sollten wir über Gijon reden. Die Wiederholung der Ausgangslage von Gijon und diesmal auf Sieg spielen, das wäre was.
WM 1982: Österreich hatte die beiden ersten Spiele gewonnen, Algerien überraschend Deutschland geschlagen. Im letzten Spiel trafen Österreicher und Deutsche vier Jahre nach Córdoba erneut aufeinander. Diesmal ging es für beide um den Aufstieg. So wie es sein sollte. Deutschland brauchte einen Sieg, Österreich durfte nur knapp verlieren, sonst wäre Algerien aufgestiegen. Die Deutschen schossen ein Tor, und beide Mannschaften stellten - das Wunschergebnis war erreicht - ihre Angriffsaktionen ein.
Statt selbstbewusst gegen Deutschland aufzutreten, fair und mit vollem Risiko auf Sieg zu spielen und zu den Helden von Gijon zu werden, ließen die Österreicher nach und blamierten sich kräftig. Die Algerier saßen auf der Tribüne und winkten vielsagend mit Geldscheinen. Diese Schande könnte unsere Mannschaft tilgen. Sie braucht dazu aus den Spielen gegen Kroatien und Polen so viele Punkte, dass sie noch eine Aufstiegschance hat. Und dann schnupfen wir die Deutschen. Die DVD vom "Wunder von Wien" werden wir uns gerne kaufen und immer wieder anschauen. Allein, ich fürchte, diese Ausgabe bleibt uns erspart. (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 3. Juni 2008)
Zur Person:
Peter Menasse ist Kommunikationsberater in Wien und Chefredakteur des Magazins NU. (www.nunu.at)