Die ungedachte Seite des Krieges

Redaktion, 10. Juni 2008, 11:32
  • Sprachlose Trauer: Tommy Lee Jones und Susan Sarandon als Eltern in "Im Tal von Elah".
    foto: constantin

    Sprachlose Trauer: Tommy Lee Jones und Susan Sarandon als Eltern in "Im Tal von Elah".

US-Star Tommy Lee Jones spielt in Paul Haggis’ pessimistischem Filmdrama "Im Tal von Elah" einen Mann, der angesichts des Irakkriegs seinen Glauben an Amerika verliert

Wien – Ein nächtlicher Anruf aus dem Irak, bei dem ein Soldat ein paar Worte in den Hörer stammelt: "Hol mich hier raus", fleht der Sohn seinen Vater, Hank Deerfield, an, während sich dieser am anderen Ende der Leitung den Schlaf aus den Augen reibt. Er glaubt zu diesem Zeitpunkt noch, das sei das übliche Fracksausen, das man am Anfang eines Kriegseinsatzes erst überwinden lernen muss.

Hank Deerfield, die zentrale Figur in Paul Haggis’ Film Im Tal von Elah/In the Valley of Elah, ist zunächst einmal eine großartige Rolle für Tommy Lee Jones – ein sturer, eigensinniger Einzelgänger, der noch seinen Alltag mit militärischer Disziplin bewältigt. Bedeutsamer aber ist, dass er jene Seite Amerikas vertritt, die nie gegen den Irakkrieg war. Als Konservativer glaubt er an den "good war", an dessen Ende die erfolgreich verteidigten Ideale der freien Welt alle Verluste aufwiegen werden.

Marode Fundamente

Wenn Haggis einen solchen Protagonisten nun sukzessive an jene Gräuel des Irakkrieges heranführt, die sich mit dieser Auffassung nicht mehr zusammenbringen lassen, dann rüttelt er an den Fundamenten des amerikanischen Selbstverständnisses. Hank Deerfield wird damit konfrontiert, dass sein Sohn Mike auf bestialische Weise ermordet wurde. Kaum zurück aus dem Irak, wurde er erstochen, dann zerstückelt und verbrannt. Der Vater beginnt in dem Fall zu ermitteln und erhält in der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) bald eine Verbündete. Sie sind geeint in ihrem Argwohn gegenüber der Militärpolizei, die nahe an der Vertuschung agiert.

Dennoch geht es in Im Tal von Elah weniger um die kriminalistische Aufklärung des Falls als um einen Bewusstwerdungsprozess. Hank Deerfield wird an die Wahrheit über seinen Sohn und den Krieg herangeführt. Auf dem Handy des Ermordeten findet er eine Reihe von Schnappschüssen und verpixelten Videos, die im Laufe des Filmes rekonstruiert werden.

Es sind die einzigen Aufnahmen, die man aus dem Irak zu sehen bekommt, und schon deshalb haftet die Aura des Verbotenen an ihnen. Tatsächlich handelt es sich um visuelle Trophäen der Soldaten, die gleichermaßen Zeugnisse vom Wertezerfall wie traumatische Spuren des Krieges sind. Das Gleichnis von David und Goliath, auf das sich nicht nur der Filmtitel bezieht, wird in einem der Videos zur Allegorie des Krieges.

In seinem Pessimismus ist Im Tal von Elah ein Film aus jener Zeit, in der es in den USA noch keine Mehrheit gegen den Krieg gab. Mittlerweile, in einem Wahljahr, in dem sich alles um "Change" dreht, zeugt er von einer scheinbar schon überwundenen Hoffnungslosigkeit. Bleischwer liegt hier noch die Trauer über jenen Szenen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Mutter (Susan Sarandon) die Überreste ihres Sohnes betrachtet. Trostlos liegen Nachtclubs und Imbissbuden in Roger Deakins’ aufgeräumten Breitbandbildern der Steppe New Mexicos verstreut. Ein einsamer Mann bestreitet hier seine Suche nach der Wahrheit, nur um am Ende alle Gewissheiten zu verlieren. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 31.05/01.06.2008)

Wenn das Ähnlich primitiv ist wie "Crash", dann, neine danke.

Moralischer Zeigefinger, ins Auge gestoßen zu kitschiger Handlung und papierenen Charaktären: das ist Haggis´Markenzeichen.

"Crash" habe ich unter Aufbietung von enormer Willenskraft bis zum öden Ende angeschaut.

Nie schau ich mir dieses Machwerk eines Gesinnungsheuchlers und Kitschbergers an.

"crash" kenne ich nicht aber "im tale..."

hat mit ganz gut gefallen. viel kitsch und moralisch erhobene zeigefinger konnte ich nicht feststellen, war für einen amerikanischen film ganz ok; kein meisterwerk aber was das man sich durchaus anschauen kann.

Prädikat sehenswert

Man würde im Irak kämpfen, um Demokratie und Freiheit zu verteidigen meint Hank Deerfield (Tommy Lee Jones). Die Konsequenz daraus: unter seelischer Verrohung, Gewaltperversion und Brutalität völlig aus der Bahn geworfene junge Soldaten, die nach ihrer Heimkehr als "Helden" nicht mehr ins "normale" Leben zurückfinden.
Sehr guter Film; bekommt allerdings in den USA mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Filmpreis.

Fand den Film auch toll

In europäschen Kritiken wurde ja gern über Die US Flagge am Anfang und am Ende des Films gelässtert. Ich fand das aber durchaus passend.
In Amerika wurde über diese Szenen eher geschimpft.

Das sind Filme wegen denen ich gerne in die Sneak Preview gehe.

der pessimus ist der optimismus des anderen

auschliesslich standpunktfrage.

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