Dem ÖFB-Team werden einer Studie der Uni Wien zufolge nur geringe Erfolgschancen eingeräumt
Wien - Die österreichischen Fußball-Fans befürchten bei der EURO 2008 eine Blamage der österreichischen Mannschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Abteilung Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Uni Wien. Insgesamt werden dem Nationalteam nur geringe Chancen eingeräumt. Etwas optimistischer sind jüngere Männer bzw. generell Frauen. Letztere sehen allerdings mehr Chancen "eher in wohlwollend mütterlicher Manier, die den Kindern Erfolg wünschen", heißt es in der Studie. Für die Untersuchung wurden 60 in Wien lebende Fußballfans, also Personen, die regelmäßig Spiele besuchen, qualitativ befragt.
Die EURO insgesamt wird von den Fans positiv gesehen. Vorteile orten sie in der Mischung aus Internationalität, Wirtschaftlichkeit und Event sowie in den Investitionen in die Infrastruktur, Negativa im drohenden Vandalismus, der Terrorgefahr, einem möglichen Verkehrschaos sowie Preissteigerungen, Verschmutzungen, zu wenigen Tickets und allgemeinen Fehlinvestitionen. "Besonders freuen" sich die Fans aufs Feiern, die Fanmeile, schöne Spiele und speziell auf die Partie Österreich gegen Deutschland.
Als Hauptgrund für die Schwächen des österreichischen Fußballs wird von den Fans in erster Linie die hohe Präsenz zweitklassiger ausländischer Spieler angeführt. Weiters wurden "eine nicht entsprechende körperliche Verfassung", die "Überbezahlung der Spieler", "zu wenig Nachwuchsförderung und Ausbildungsmöglichkeiten", "zu geringe Motivation und Selbstvertrauen", "wirtschaftliche Probleme der Clubs" und "spielerische und technische Mängel" genannt. Ähnlich die Einschätzung des Clubfußballs: Vor allem die mangelnde Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich und die vergleichsweise geringe Professionalität wurden häufig genannt.
Viele erkennen auch die "strukturelle Unmöglichkeit eines kleinen Landes, großen Fußball hervorzubringen" - obwohl durchaus auch auf Länder vergleichbarer Größe mit mehr Erfolgen wie Tschechien oder die Schweiz verwiesen wird.
Gemischt ist die Einschätzung über Teamchef Josef Hickersberger und den ÖFB. Häufig wurde etwa die Meinung geäußert, dass "ein Trainer keine Wunder wirken kann". ÖFB-Chef Friedrich Stickler wiederum wird bescheinigt, wirtschaftlich und organisatorisch durchaus kompetent zu sein, vom Fußball aber eher wenig Ahnung zu haben. (APA)