Stück für Stück zum Glück

29. Mai 2008, 16:10
  • Artikelbild

    Das goldene Bettelarmband von Romy Schneider kommt in der Juwelenauktion im Wiener Dorotheum am 17. Oktober 2008 unter den Hammer. Die Schauspielerin hatte das Schmuckstück vor ihrem Wohnungswechsel 1958 nach Paris im Hotel Sacher an einen Fan verkauft.

Das Bettelarmband hat wieder Saison - Sein Ursprung findet sich im magischen Amulett der Jungsteinzeit, das Schaden abhalten sollte

Im letzten Jahr entpuppten sie sich als Renner der Schmucksaison. Sammel-Armbänder, vormals Amulette als Schutz gegen Unglück und zum Bewahren der Liebe getragen, standen plötzlich als modische Spielerei, bunt, dekorativ und kitschig, wieder hoch im Kurs. Und: der Trend für die zusammensetzbaren Armbänder hält an.

Bettelarmband

Besonders in den 50er- und 60er-Jahren schmückten sich Mädchen und Frauen häufig mit sogenannten Bettelarmbändern, an denen Anhänger mit verschiedenartigen Symbolen baumelten. Diese Jou-Jous können unterschiedliche Bedeutung haben: Liebeszeugnisse, Glücksbringer oder Glaubenszeichen wie Herz, Kleeblatt, Pilze, Schlüssel etc., aber auch Erinnerungsstücke an Personen und Orte sein. Der Begriff "Bettelarmband" geht vermutlich auf das kontinuierliche "Zusammenbetteln" von Anhängern und Bestandteilen zurück.

Ursprung im Neolithikum

Ursprünglich galt das Amulett, lateinisch amuletum - "Kraftspender", als "magischer" Schmuck, der Schaden abhalten, die Liebe bringen und die Gesundheit erhalten sollte. Schon in der Jungsteinzeit wurden nachweislich Wünsche damit zum Ausdruck gebracht. "Modeaccessoire" wurde das Amulett in Form eines Armbandes mit kleinen Medaillons erst im 19. Jahrhundert durch die englische Königin Viktoria.

Modisches Revival

In den 1980er-Jahren hat die italienische Firma Nomination die Idee wieder aufgegriffen - und damit einen Bestseller geschaffen. Unternehmensgründer Paolo Gensini, vormals Inhaber eines Eiscafés bei Florenz, widmete sich nach seiner Pensionierung dem Schmuckdesign. Ein Armband, "das wir nach unserem individuellen Geschmack zusammenstellen können", wie ein Eis eben, wollte er kreieren.

In Anlehnung an die traditionellen Amulett-Armbänder entwarf Gensini ein aus Gliedern bestehendes Schmuckstück. Die einzelnen Teile können ausgewechselt oder durch neue Symbole erweitert werden. Das sogenannte Italienische Glücksarmband - "italian charm bracelet" - wird nach und nach mit persönlichen Glückssymbolen oder Buchstaben vervollständigt. Mehr als 3.000 verschiedene Designs stehen mittlerweile zur Verfügung. Das Angebot wurde im Lauf der Zeit um weitere 13 Schmuckkollektionen aus Stahl erweitert. (red)

  • Christlicher Revolutionär schuf Mao-Anzug [7]

    TitelbildIn den 1960er- und 70er-Jahren prägte der schlichte Anzug den Begriff von den "blauen Ameisen"

  • Plitsch-platsch [10]

    TitelbildKnallbunte Gummistiefel sind der Renner der Saison - Als praktische und wasserdichte Fußbekleidung werden sie bereits seit 1840 hergestellt

  • Historie der Unterwäsche

    Munkeln übers Liebesleben [3]

    TitelbildBis zum 19. Jahrhundert war Damenunterwäsche eine gegenstandslose Sache

  • Stück für Stück zum Glück

  • Vom "Lobaufetzerl" bis zum Oben-ohne-Trend [36]

    TitelbildBademode spiegelte in Wien auch immer die Gesellschaft wider

  • Schalen für die Brüste [4]

    TitelbildNeueste Forschungen über WikingerInnen belegen überraschend bunten, glitzernden und "gewagten" Kleidungsstil beider Geschlechter vor der Christianisierung

  • T-Shirt-Held Guevara [64]

    TitelbildAlberto Kordas Fotografie von Che Guevara mit Barett, Bart und sehnsüchtigem Blick eroberte die Welt – und vor allem auch die Märkte

  • Das Appetitröckl [7]

    TitelbildSittsam, schelmisch und verschwiegen: Die Röcke und Kleider als Dessous haben ihren Ursprung im Mittelalter

  • Betucht, aber unpolitisch [76]

    TitelbildLinke, Nazis, Krocha: Alle tragen ein Palästinensertuch - Mit politischem Statement hat das heute kaum mehr etwas zu tun

  • Gipsy-Stil

    TitelbildDer Folklore- beziehungsweise Carmenlook tauchte bereits im 19. Jahrhundert auf - In den späten 1970er-Jahren hatte er Hochsaison

  • Ski heil! Oder so ähnlich [6]

    TitelbildVon der Knickerbocker über die Kristianiahose zur Baggy-Pant - Die Entwicklung der Skimode beginnt Ende des 19. Jahrhunderts

  • Männer in Röcken [6]

    TitelbildHeute gilt der Kilt, auch Schottenrock genannt, postmodern abgewandelt, wieder als en vogue - Seinen Ursprung hat er im 18. Jahrhundert

  • Hauptwärmer [4]

    TitelbildSeit der Bronzezeit ist die Kapuze als Wetterschutz bekannt - Als Gugel war sie modische Kopfbedeckung des Mannes im Mittelalter

  • Hosen, die krachen [31]

    TitelbildDie Trachtenhose aus Leder unterscheidet zwischen der Krachledernen und der Bundledernen - Erstere ist bereits für den Anfang des 18. Jahrhunderts belegt

  • Auf Stelzen gehen

    TitelbildOder unterm Pantoffel stehen - Patschen bieten nicht zwingend Komfort - Die Chopine beispielsweise, Stelzpantoffel des 14. Jahrhunderts, erreichten eine Stöckelhöhe von 50 Zentimetern

  • Die Brustverbesserer [57]

    TitelbildDie Geschichte des BHs führt in die Antike - Von der "Fascia pectoralis" zu Brustleibchen, "No-bra"-Bra, Wonderbra und Push-up

  • Mini- und Maximalismen [4]

    TitelbildDer "Total Look" von Mary Quant konnte sich genauso wenig durchsetzen wie die Maximode - Midi errang über Jahrzehnte einen dauerhaften Sieg

  • Ein Kleid für die Dirn' [58]

    TitelbildDas Dirndl als Teil der österreichisch-bayrischen Tracht ist um 1870 entstanden und ging in den 1930er-Jahren als modische Novität um die Welt

  • Einengungen und Befreiungen [8]

    TitelbildGehobene Brüste und Wespentaille - Schnürbrust, Schoßmieder, Justaucorps - Die Figurbetonung durch das Mieder beginnt bereits in der minoischen Kultur

  • Die Gemse am Kopf [20]

    TitelbildUnd Goiserer oder Haferl an den Füßen - Die zünftigen Trachten-Accessoires gehen auf die Zeit des Biedermeier zurück

  • Weg mit dem "Weiberspeck" [3]

    TitelbildModegeschichtliche Strategien des Verbergens mittels Hüftpolster und Hüftmieder - Die ersten Modelle kamen um 1600 auf

  • Accessoires zum Schwimmen [2]

    TitelbildBademantel und Schwimmschuhe kamen erst im 19. Jahrhundert auf, als das öffentliche Baden für die Oberschicht populär wurde

  • Muff und Schlurpfer [3]

    TitelbildDer "Handwärmer" wurde von beiden Geschlechtern getragen und erreichte seinen modischen Höhepunkt im 18. Jahrhundert

  • Knopf-Knebel-Brandenbourgs [1]

    TitelbildKnöpfe fanden bereits im Altertum als Verschlussart Verwendung und als "Bouton à queue" ab dem 17. Jahrhundert Verbreitung

  • Beinlinge [19]

    TitelbildMit dem Revival der 80er-Jahre sind auch die Wadenwärmer wieder zurück - Was Jane Fonda zum Aerobic trug, gilt nun als ausgehfein

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.