T-Shirt-Held Guevara

Redaktion
27. Mai 2008, 17:00
  • Das am öftesten vervielfältigte Foto von Alberto Korda ziert Millionen T-Shirts.
    foto: www.shirtpiraten.de

    Das am öftesten vervielfältigte Foto von Alberto Korda ziert Millionen T-Shirts.

  • In der Ausstellung "80 Jahre Che Guevara. Das Kultbild einer Generation" im WestLicht steht ganz klar Kordas Bild im Mittelpunkt.
    derstandard.at/schersch

    In der Ausstellung "80 Jahre Che Guevara. Das Kultbild einer Generation" im WestLicht steht ganz klar Kordas Bild im Mittelpunkt.

  • Bücher, Tassen, Schlüsselanhänger, Geldtaschen ... das Angebot mit der Marke Che ist vielfältig.
    foto: www.thechestore.com

    Bücher, Tassen, Schlüsselanhänger, Geldtaschen ... das Angebot mit der Marke Che ist vielfältig.

  • René Burri: "Che Guevara mit seiner Zigarre", Havanna 1963 © René Burri / Magnum Photos
    burri/magnum photos

    René Burri: "Che Guevara mit seiner Zigarre", Havanna 1963 © René Burri / Magnum Photos

  •  Che Guevara fotografiert von René Burri während eines Interviews mit einer Jouralistin der Zeitschrift "Look".
    burri/magnum photos

    Che Guevara fotografiert von René Burri während eines Interviews mit einer Jouralistin der Zeitschrift "Look".

Alberto Kordas Fotografie von Che Guevara mit Barett, Bart und sehnsüchtigem Blick eroberte die Welt – und vor allem auch die Märkte

Als Alberto Korda am 5. März 1960 auf den Auslöser seiner Leica M2 drückte, wusste er nicht, was er damit in Gang setzten sollte. Kordas Fotografie von Che Guevara, mit Barett, Bart und entschlossen-sehnsüchtigem Blick in die Ferne, aufgenommen bei einer Trauerfeier, eroberte die Welt.

Wer war Che?

Ernesto Rafael Guevara de la Serna studierte Medizin und wurde in seiner Jugend durch Südamerika-Reisen auf das Elend, indem die Bevölkerung lebte, aufmerksam. Sein Wunsch nach einer gerechteren Welt wuchs, zugleich auch seine Abneigung gegen den Kapitalismus, der für ihn in US-amerikanischen Großkonzernen Gestalt annahm. Che schloss sich im Exil lebenden kubanischen Rebellen an und gehörte unter Fidel Castro zu jener Gruppe, die 1956 den kubanischen Diktator Fulgencio Batista stürzte. Nach dem Erfolg der Revolution wurde Guevara Präsident der Nationalbank, später Industrieminister. Sein Versuch die Revolution in andere Staaten wie dem Kongo oder Bolivien zu exportieren, scheiterte. Am 9. Oktober 1967 wurde er vom bolivianischen Militär, mit Unterstützung des CIA, hingerichtet.

Che und die politisch Linke

Der Arzt und Guerillero Che steht bis heute für den Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit, Revolution, den unermüdlichen Glauben an Ideale sowie für den aktiven Versuch, gesellschaftliche Missstände zu beseitigen. Vergessen wird oft seine nicht so rühmliche Seite: die Härte und Gnadenlosigkeit bei Hinrichtungen von politischen Gegnern, Verrätern und Deserteuren aus seinen Reihen. Sein früher und gewaltsamer Tod machten den damals 39-Jährigen zum Volkshelden und Märtyrer. Es dauerte nicht lange und er wurde nicht nur in Südamerika verehrt: Auf Flaggen prangte das berühmte Konterfei bei den Demos der 1968er Bewegung und in den Zimmern von StudentInnen und Jugendlichen. Die politisch Linke sieht in seinem Abbild das Streben nach Unabhängigkeit und Rebellion für eine bessere Welt. Bei vermeintlichen "Che-Verehrern" kursiert aber oft nur eine diffuse Vorstellung über sein Wirken.

Der Mythos lebt

Jakob sitzt im Wiener Museumsquartier auf seinem Skateboard. Der 16-Jährige trägt eine Billabong-Hose und Emerica-Schuhe, die hellbraunen, mittellangen Haare fallen ihm ins Gesicht. Auf die Frage nach der Bedeutung des Che-Abbildes, das sein T-Shirt ziert, spricht Jakob den revolutionären Charakter Guevaras an: "Che hat sich nichts gefallen lassen, er war ein echter Revolutionär, der gegen das Unrecht kämpfte." Fragen, wofür Guevara genau sein Leben ließ, oder ob er andere Personen kenne, die an Ches Seite kämpften, lassen Jakob verstummen. Er trage das T-Shirt, weil er sich gegen ein Leben in "Angepasstheit" auflehne und es die Sinnhaftigkeit, an seine Ideale zu glauben, betone.

Der tote Che: ein Bestseller

Auch, oder gerade deshalb, weil Che-Produkte als Symbol für Nicht-Konformität und als "Gegen-etwas-sein" gelten, lässt sich sein Antlitz so gut vermarkten.

Bei linken Demonstrationen ist Ernesto Guevara heute ebenso gegenwärtig wie bei Festivals oder am Schulhof. Die vage Vorstellung vieler KonsumentInnen lässt die Einnahmen in die Höhe schnellen: Che-Barrets, Che-Shirts, Pullis, Sticker oder Taschen. Hollywood-Stars und Models machen den Che-Style chic. Jonny Depp tut es und auch Gisele Bündchen – sie tragen Che in Hollywood spazieren, ob auf einem T-Shirt oder Bikini ist belanglos. "Es ist besser Che im Inneren zu tragen und nicht äußerlich, in Form eines T-Shirts", meint Camilo Guevara, ältester Sohn Che Guevaras. Der Trend der Vermarktung sei schwer aufzuhalten, "deshalb müsse man aber noch lange nicht alle Che-T-Shirts verbrennen", so Guevara im Gespräch mit derStandard.at

Zur Vermarktung hat zu einem Gutteil auch Ches Äußeres beigetragen, das jugendlich in Erinnerung bleibt, obwohl er bei seinem Tod bereits 39 Jahre alt war. Er wurde gut konserviert, in Bildern, wie jenem von Alberto Korda oder René Burri ("Che Guevara mit seiner Zigarre"), die im Gedächtnis haften bleiben. Die Wiener Galerie WestLicht nimmt den 80. Geburtstag Ernesto Che Guevaras als Anlass für die Ausstellung "80 Jahre Che Guevara. Das Kultbild einer Generation". Neben René Burris Bildern des Zigarre-rauchenden Revolutionärs, steht Kordas legendäre Fotografie im Mittelpunkt. Sein Porträt zählt zu einem der meistgedruckten weltweit und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Protestkultur.

Hauptsache rebellisch

Im Laufe der Jahrzehnte hat der Freiheitskämpfer nichts an Popularität eingebüßt, lediglich die Assoziationen haben sich geändert. Die "Neue Linke" in den 1960ern wurde aufgrund politischer Motive auf Guevara aufmerksam. Seine Schriften verbreiteten sich zu dieser Zeit im europäischen Raum, er wurde von vielen als Politiker und Revolutionär, zugleich auch als Guerillero bewundert. Denken und Handeln vereint in einer Person. Heute liest selten jemand seine Schriften und jene, die ihn wirklich zu kennen glauben, bilden die Ausnahme. Die Konfrontation mit seinem Abbild findet in der Regel statt, bevor man/frau überhaupt weiß, wer dieser T-Shirt-Held ist. Er begegnet uns auf Taschen, Flyern von Konzerten und bei Demos. Bald wird aber klar: aufrührerisch und unangepasst war er – häufig genau richtig für das pubertäre Alter. Das Symbol für Widerstand lässt sich heute besser vermarkten denn je. Auch wenn es Ernesto Guevara wahrscheinlich nicht gefallen hätte, er avancierte längst zur Marke und entwickelte sich in ein sehr einträgliches Konsumgut. (urs, derStandard.at, 27. Mai 2008)

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alle 30 jahre wieder

den poster und t-shirt hype um den knilch hatten wir doch schon mal. in meiner jugend hatte ich auch ein poster und ein t-shirt (da war ich allerdings auch einseitig informiert).

das t-shirt habe ich noch, ziehe ich bei grill abenden an, falls das mao-shirt gerade in der wäsche ist...

Ja, auch andere Massenmörder werden gut vermarktet.

Etwa in Italien auf Weinflaschen.

die nachfrage bei deutschen und österreichischen touristen nach solchen waren ist groß.

'tschuldigung

da kommt ihr erst jetzt drauf? oder wie alt ist denn der artikel - vielleicht eine reminiszenz an 1968?

kleine ergänzung: im vorjahr habe ich auf einem flohmarkt in amsterdam unterhosen(!) mit dem berühmten che-foto gesehen... viel tiefer geht's nimmer.

Er war seiner Zeit einfach voraus. Heute wäre er sofort ein Unterhosen-Model geworden.

"viel tiefer geht's nimmer. "

socken wären noch weiter unten...

Das Shirt gibts in dem Stil auch mit Bud Spencer Konterfei, gfalltma besser ;)

jop...
hab auch eins mit Mr. T im Che Stil...

Kann etwas die totale Niederlage

des Kommunismus besser dokumentieren als die totale Vermarktung des Konterfeis einer seiner größten Ikonen?
Es ist im Grunde auch gut so: Totalitäre Systeme sollten total vernichtet werden.
Auch dem totalen Markt wird es einmal so ergehen...

Der Kapitalismus hat nicht gesiegt !
Er ist nur übriggeblieben.

und was soll ma jetz ikonisieren? den österreichischen wirtschaftsrebellen schüssel wolphi?

und die totale vernichtung totalitärer systeme?

totale vernichtung?

klingt jetzt a net unbedingt untotalitär!

gute ideen und ideologie hin oder her, der mann hat einen haufen menschen getötet und zahlreiche todesurteile unterschrieben.. lebte der heute würde ihn jeder dafür anprangern.

... idealistischer Kämpfer gegen Ungerechtigkeit ?

Im Guerilla-Camp Guevaras
waren im Führungszelt des "Comandante"
immer etliche hübsche Frauen anzutreffen,
während bei den niederen Dienstgraden
wegen Frauenmangel "Handbetrieb" herrschte :-(

Ich kann mir den Comandante so lebhaft vorstellen,
wie er im Führungszelt in Boss-Manier
mit Zigarre im Maul
von seinen Schönheiten umsorgt wird ...

... die Erotik der Macht :-)

Vorbote
einer egalitären, solidarischen Gesellschaftsordnung ?

Moment mal,

Zigarre, war da nicht noch jemand?
Könnt ihr mir weiter helfen?...

Quelle?

Er hatte beim Kampf um Santa Clara und davor eine Freundin, davor war er verheiratet mit einer Peruanerin (die ihn mit den kubanischen Revolutionären im Exil bekannt machte) und dann hat er Aleida March getroffen. In Bolivien weiss man nicht wirklich ob was zwischen Tania und ihm war, die Überlebenden meinen aber, dass das ganze Unterfangen so anstrengend war, dass man an soetwas nicht im entferntesten denken konnte. (Guevara musste zeitweise von einem Pferd/Esel getragen werden weil die Luft dort oben ziemlich kontraproduktiv für sein Asthma war)

Frauen waren keine bestimmende Macht in seinem Leben und wenn dann war er starken Frauen zugetan.

Ich muss schmunzeln ...

"Er hatte eine Freundin" "davor war er verheiratet" ...

... soll das ein Argument sein ?

Auch Bill Clinton war verheiratet ;-)

buchtipp:

b. alakus, k. kniefacz, w. reisinger: chevolution. mythos und wirkung des ernesto guevara, wien, 2007.

Mal ehrlich: Gibt es eine reale Persönlichkeit die es wert wäre auf einem T-Shirt kultig abgebildet zu werden. Mir fällt keine ein

Alfred Gusenbauer?

WÜRG!

Dorli Bures natürlich.

Mir ist eigentlich nur Donald Duck eingefallen. Als alleinerziehende, männliche Ente, also eigentlich ein Erpel ein gutes positives Signal für unsere Gesellschaft. Aber der hat ja leider nicht real existiert

"the people`s relvolution is gonna be a podcast"

wie leichtgläubig die jungend doch noch ist... immer lustig auf diversen konzerten zu beobachten. meistens sind gerade die punks die langweiligsten konformisten (chickenshit conformists - dead kennedys) überhaupt.teilweise kommt man sich vor wie auf einem faschingsball ;-). sie zum großen teil tragen die selben marken (vans, converse, etc....) die auch noch die von sog. unabhängigen, revolutionsbands promotet werden (music sells shoes for venture-capitalists) und merken dabei halt nicht dass ihre Idole (egal ob tot oder lebendig *brrr*) zuallererst mal von deren Aktionären abhängig sind. will man den kapitalismus wirklich den rücken kehren, hat man heute kein leben mehr...

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