Ich sage ja nicht, dass ich ruhig schlafe. Im Gegenteil mitten in der Nacht...
...wache ich schweißgebadet auf, und nein, es liegt nicht am grippalen Effekt, der mich seit Tagen niederstreckt, sondern an den Zahlen, an der verflixten Nummer acht, die mir die Grausbirnen in die Höhe treibt. Und Nacht für Nacht derselbe Traum, ich sitze beim Heurigen "Zum schwarzen Kader" und rufe: Ober! Zahlen! Der Kellner, er sieht sehr nach Friedrich Stickler aus, kommt und flüstert mir ins Ohr: 806, 2008, 23, 60, 52, 4711.
Aber das sind die falschen Zahlen, mein Quälgeist ist die Acht, dieses aufgestellte Zeichen für Unendlichkeit, dieses Konsumkind unter den Nummern. Ach! Acht Spieler müssen aus dem Kader, das sind zweimal vier zu viel. Zieht man den Gratzei ab, bleiben noch sieben. Das war meine Rückennummer in Córdoba - und jetzt muss ich sieben Spielern sagen, dass ihr Traum geplatzt ist, sie sich die Heim-EM daheim im Heimkino reinziehen können. Die sieben Geißlein und der böse Wolf, der bin dann ich. Weissenberger fällt mir ein, der ist angeschlagen und nicht mehr der Jüngste, hat aber Erfahrung und mehr Spielpraxis als der Harnik, andererseits hat der Martin gegen Deutschland toll gespielt, keinen Holler gegen Holland. Auch von den Stürmern müssen zwei, drei weg. Janko oder Kienast? Milchmädchenrechnung: Ein, zwei lange Lackeln brauche ich. Kuljic ist außer Form, aber gegen Kuba hat er prompt getroffen, blöd.
Wenn sich wenigstens einer verletzt hätte, eine natürliche Auslese, aber nein, nicht einmal das. Vielleicht gegen Nigeria, Länderspiel Numero 52, damit bin ich Zweiter, nur der Hugo Meisel hat mehr. Was tun in der Verteidigung? Der Hiden ist nicht der Schnellste, der Ibertsberger stets für einen Schnitzer gut, aber beide sind Routiniers. Der Pogatetz weiß, was er seinem Körper antun kann, der investiert gezielt in sein Kapital, den Pogatetzkörper, aber der ist eine Primzahl, ein Primus, keine Primel, der steht außer Frage. Soll ich den Patocka nach Hause schicken? Den Dober oder den Katzer? Der ist der Schwiegersohn vom Krankl. Dann heißt es wieder, mein Verhältnis zum Goleador wäre gestört. Das kann ich nicht riskieren. Lindabrunn ist nicht zur Schweinebucht geworden, ich werde nüchtern auf 23 reduzieren. Nur wie?
Ich deliriere, habe viel zu viele Zahlen im Kopf, den Geburtstag meiner Frau, Hochzeitstag, Kontonummer, Fahrradschloss, Nummer der Kreditkarte, Kontonummer, IBAN, BIC, Sozialversicherung, Handy-Pin, Tresor, 4-1-4-1 oder 2-5-3? Dreimal 35 Minuten, 31 Tage hat der Mai, 16 Mannschaften, 90 Minuten, 2:0. Elf Tage noch. Ober! Zahlen! Bloß welche? (Franzobel; DER STANDARD Printausgabe 27. Mai 2008)