Biologische "Essens-Uhr" im Hirn gefunden

Redaktion, 2. Juni 2008, 13:44

Wenn Nahrung in der Nacht vorhanden ist, stellen Tiere ihren circadialen Rhytmus um - Forscher leiten daraus praktischen Tipp gegen Jetlag ab

Boston/Washington - Wir Säugetiere tragen unsere biologische Uhr tief im Kopf. Und ihre Basisinformationen erhält sie über das Auge. Sprich: Die Retina gibt Hell-Dunkel-Signale an die Zellen des Suprachiasmatischen Nukleus (SCN) weiter, der sich im Kerngebiet des Hirns (genauer: im ventralen Hypothalamus) befindet. Von dort aus werden die Signale an den Dorsomedialen Nukleus des Hypothalamus (DMH) weitergeleitet, der unter anderem die Schlaf-Wach-Zyklen und viele andere Aktivitätsrhythmen steuert.

Neben dieser biologischen "Master-Clock" scheint es aber noch eine zweite Uhr zu geben, die mit der Essensaufnahme zu tun hat. Das behaupten jedenfalls Forscher des Beth Israel Deaconess Medical Center in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts), die bei Untersuchungen an Mäusen auf diesen zweiten Zeitgeber gestoßen sind - und daraus auch einen praktischen Tipp gegen den Jetlag ableiten.

Wie die Neurobiologen rund um Clifford B. Saper in der aktuellen Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Science (Bd. 320, S. 1074) berichten, funktioniert die herkömmliche biologische Uhr - also die Ausrichtung nach der Helligkeit - perfekt, wenn reichlich Essen vorhanden ist. Wenn allerdings Nahrung nur in der Nacht verfügbar ist, dann stellen die davon betroffenen Tiere ihren sogenannten circadianen Rhythmus um.

Den experimentellen Beweis dafür lieferte ein relativ kompliziertes Experiment an Mäusen, bei denen das für die biologische Uhr wichtige Gen Bmal1 abgeschaltet war. Diesen Mäusen wurde das Gen dann mittels viralem Vektor entweder in den SCN oder in den DMH injiziert. Aus der Analyse der Reaktionen schlossen die Forscher dann auf die biologische "Essens-Uhr", die bei längerer Hungerphase und anschließender Nahrungsaufnahme die biologische "Licht-Uhr" ersetzen kann.

Was für die Mäuse eine Überlebensfrage ist, könnte uns Menschen die Zeitumstellung bei der Schichtarbeit und beim Reisen erleichtern, wie Clifford Saper folgert: Eine 16-stündige Fastenperiode würde ausreichen, um diese zweite Essens-Uhr zu aktivieren. Sprich: Wer bei längeren Flügen auf das Essen an Bord verzichtet und dann unmittelbar nach der Landung isst, sollte sich bei der Zeitumstellung viel leichter tun. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2008)

maxinthemix
01
23.5.2008, 07:20
Sollte ...

"Wer bei längeren Flügen auf das Essen an Bord verzichtet und dann unmittelbar nach der Landung isst, sollte sich bei der Zeitumstellung viel leichter tun."

Klingt so, als wären noch Testpersonen gesucht. Bitte also um Freiwillige, die beim nächsten Transatlantikflug auf die Nahrungsaufnahme verzichten ...

h 90
03
23.5.2008, 13:09

kann ich in der Vergleichsgruppe sitzen?

maxinthemix
00
23.5.2008, 14:21

nur wenn Sie auch eine Testperson auftreiben!

h 90
00
23.5.2008, 14:56

koennte meine Frau mitnehmen und ihr ihre Portion wegessen.
Falls es nicht der AUA Sautrank ist, von dem kann keiner 2 Portionen essen.

Jim de la Papaya
00
23.5.2008, 12:13

o gott! wie soll ich bloss auf die gummi-sandwichs und packerl-pasta verzichten können?

ich weiss nicht ob ich zu solchen opfern schon bereit bin...

friedrich wilhelm voigt
00
25.5.2008, 17:32

bin letztens mit qatar airways geflogen, die hatten super essen. und dann auch noch gleich zwei mahlzeiten pro flug. da steht die aua mit dem ach so tollen do&co blöd da daneben.

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