
"Migranten sind keine Opfer": Emeka Assor
derStandard.at: Wie kommt es, dass man Wilhelm Molterer und Waltraud Klasnic auf Ihren Vereinsfotos sieht?
Assor: Frau Klasnic wollte uns unbedingt kennen lernen. Und Willi Molterer hat uns zum Frühstück eingeladen, weil er sehr an unseren Ideen interessiert war.
derStandard.at: Warum braucht es einen Verein wie Ihren?
Assor: Dieses Opferrollendogma bei den Migrantenvereinen ist einfach falsch. Außerdem sind 80 Prozent der Migranten konservativer Herkunft, sehr religiös und familienbewusst. Es geht nicht, dass man uns immer den Liberalen zuschreibt.
derStandard.at: Was ist konservativ an Ihnen?
Assor: Der Glaube, die Religion. Das ist ein sehr großer Teil. Ich bin evangelisch, im Verein gibt es aber auch Muslime. Da gibt es ja sehr viele Werte, die übereinstimmen - Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft.
derStandard.at: Was sind Ihre politischen Forderungen?
Assor: Wir wollen die Partizipation der Migranten fördern. Und es kann nicht sein, dass jemand, der konservative Werte hat, eine liberale Politik verfolgt.
derStandard.at: Vielleicht fühlen viele MigrantInnen sich einfach von den liberaleren Kräften besser vertreten.
Assor: Natürlich. Ich sage nicht, dass da nicht Fehler gemacht wurden. Aber es sind nicht alle Sozialdemokraten. Migranten haben vielfältige Gesinnungen.
derStandard.at: Sie sind ein ÖVP-naher Verein. Wie stehen Sie zur Fremdenpolitik der Volkspartei?
Assor: Die Fremdenpolitik der ÖVP ist die Fremdenpolitik mancher Ministerien. In der Partei gibt es ja noch andere Meinungen und integrationsfreundliche Personen wie Leitl und Mitterlehner.
derStandard.at: Die ÖVP hat bei vielen MigrantInnen aber offensichtlich ein Imageproblem. Wie wollen Sie sich hier abgrenzen?
Assor: Die ÖVP ist unsere Partnerorganisation, aber was sie machen, ist ihre Sache. Niemand von uns ist Parteimitglied.
derStandard.at: Werden Sie von der ÖVP finanziell unterstützt?
Assor: In keinster Weise. Wir finanzieren uns aus privaten Mitteln.
derStandard.at: Wo ist Ihr Vereinssitz?
Assor: Wir haben von der Bundespartei ein provisorisches Büro im zweiten Stock der Lichtenfelsgasse bekommen.
derStandard.at: Also doch finanzielle Unterstützung durch die ÖVP.
Assor: Nein. Ich würde eher sagen: materielle Unterstützung.
derStandard.at: Stichwort Familie: Viele binationale Ehepaare leben seit Jahren in der Ungewissheit, ob der ausländische Ehepartner abgeschoben wird. Wie verträgt sich das mit ihren Wertevorstellungen?
Assor: Ich als Christlichsozialer muss sagen, dass Menschen, die in einer Familiengemeinschaft leben, auf jeden Fall ein Recht haben sollten, ihre Familie zu beschützen und zu ernähren.
derStandard.at: Sollten also alle ausländische EhepartnerInnen nach der Hochzeit automatisch Aufenthalts- und Arbeitsrecht bekommen?
Assor: Arbeit sollte jedem zustehen. Das ist Leistung, die der Allgemeinheit zugute kommt. Ich sehe nichts Negatives darin, wenn jemand arbeitet.
derStandard.at: Auch AsylwerberInnen?
Assor: Natürlich.
derStandard.at: Warum ist die ÖVP dagegen?
Assor: Das weiß ich nicht.
derStandard.at: Sind Sie die Vorzeigemigranten der ÖVP?
Assor: Das glaube ich nicht. Den Kontakt zur ÖVP haben wir gesucht.
derStandard.at: Vielleicht ist der Innenminister aber ganz froh, zum Beispiel bei der Präsentation eines neuen Fremdenrechtspakets einen Nigerianer beim Fotoshooting an der Seite zu haben. Würden Sie sich dafür hergeben?
Assor: Ja, sicher. Aber ich würde da auch meine Meinung vertreten.
derStandard.at: Sie würden vor versammelter Presse dem Minister widersprechen?
Assor: Widersprechen hört sich so aggressiv an, das schafft nur Konflikte. Aber ich würde sicher meine Ideen einfließen lassen.
derStandard.at: Wenn Ihre Ideen den Ideen der Reform widersprechen, ist ein Konflikt aber wahrscheinlich.
Assor: Das weiß ich nicht. Aber Wilhelm Molterer kennt mich und weiß, dass ich ein aufrichtiger Mensch bin. Er kennt auch meine Ideen.
derStandard.at: Sie haben Molterer also schon gesagt, dass Sie für ein Arbeitsrecht von Drittstaatsangehörigen eintreten?
Assor: Natürlich.
derStandard.at: Dann hat er Ihnen wohl schon erklärt, warum die ÖVP dagegen ist?
Assor: Nein, so tief sind wir in das Thema noch nicht gegangen.
derStandard.at: Gibt es eine österreichische Kultur, ein österreichisches Wertesystem?
Assor: Es gibt überall Werte, aber das sind ewige Werte, und die gibt es auch in Südamerika oder Asien. Das ist nicht auf eine bestimmte Nation konzentrierbar. Werte fangen ja nicht bei der Grenze an.
derStandard.at: Der Innenminister hat die ÖsterreicherInnen aufgerufen, ihm mitzuteilen, was für sie eine "österreichische Identität" ausmacht. Eine gute Idee?
Assor: Natürlich. Er möchte ein Archiv sammeln, um zu schauen, was die Allgemeinheit denkt, was die Werte sind.
derStandard.at: Wenn es aus Ihrer Sicht ohnehin nichts typisch Österreichisches gibt, könnte man sich das ja sparen.
Assor: Nein, jeder Mensch hat ja andere Werte, und so sieht man dann, wie verschieden die Werte sind.
derStandard.at: Sehen Sie rassistische Tendenzen in Österreich? Haben Sie selbst schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht?
Assor: Konflikte gibt es überall. Und Diskriminierung hängt davon ab, wie viel Respekt man jemandem entgegen bringt - und das hat oft mit sozialem Status zu tun.
derStandard.at: Sie meinen, je mehr Afrikaner es in höheren Positionen gibt, desto weniger Rassismus?
Assor: Das würde der afrikanischen Community stark zugute kommen.
derStandard.at: Wenn aber Rassismus auch eine Barriere für schwarze Menschen im Berufsleben ist, dann beißt sich die Katze in den Schwanz.
Assor: Ich glaube nicht, dass mir irgendjemand sagen kann, wo meine Grenzen sind. Migranten sind keine Opfer, die sind nicht schwach. Jeder kann etwas erreichen, wenn er möchte, jeder hat Stärken.
derStandard.at: Fällt es Ihnen schwer, Rassismus beim Namen zu nennen?
Assor: Natürlich muss man Ungerechtigkeiten beim Namen nennen. Aber was man vermeiden muss, ist, eine Opferrolle anzunehmen. Das ist für keinen Menschen gut.
derStandard.at: Warum gibt es so wenige MigrantInnen in höheren Positionen, in öffentlichen Ämtern?
Assor: Das sind Dinge, die sich die MigrantInnen zur Pflicht machen müssen – diese Ämter und Positionen zu besetzen. Das wird sich in nächster Zeit sicher ändern.
derStandard.at: Warum gelang es nicht schon früher?
Assor: Sprachliche Barrieren wurden einfach zu lax behandelt. Wenn man nicht Deutsch kann, ist es einfach sehr schwierig.
derStandard.at: Sie meinen, es lag nur an den Deutschkenntnissen?
Assor: Das Bild des Gastarbeiters war viel zu lang in den Köpfen der Menschen. Die nächste Generation lernt auch sehr viel aus alten Fehlern. Da wird sich viel ändern.
derStandard.at: Was erhoffen Sie sich von der ÖVP?
Assor: Dass es in zehn Jahren ÖVP-Funktionäre mit Migrationshintergrund gibt.
derStandard.at: Zum Beispiel Sie?
Assor: Die ÖVP ist sicher eine sehr interessante Partei für mich, weil sie in einigen Dingen manchen nigerianischen Parteien ähnelt. (Maria Sterkl, derStandard.at, 25.5.2008)
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"...Die ÖVP ist sicher eine sehr interessante Partei für mich, weil sie in einigen Dingen manchen nigerianischen Parteien ähnelt..."
Nigeria ist der Staat, in dem der Shell Konzern absolute Handlungsfreiheit hat. In dem Konzernsecurities zusammen mit Polizisten in Demonstrationen schiessen. In dem international bekannte Literaten gehängt werden, weil sie gegen Shell protestiert haben.
laut wikipedia: "Insbesondere seit dem Ende der Militärdiktatur 1999 haben sich in Nigeria zahlreiche Bürgerwehren, Schutztruppen, Milizen, Geheimbünde und Gangs formiert, die sich teils als ethnische, teils als religiöse, teils als politische Bewegungen verstehen...."
meint er etwa solche parteien?
also das wikipedia nicht den anspruch auf absolute wahrheit hat ist klar, die haben nur der pabst und der CIA. aber es ist dort besser und kürzer formuliert, als ich das zusammengebracht hätte. ich habe mich lange genug mit entwicklungspolitischen probleme beschäftigt, um zwischen ursachen und zuständen unterscheiden zu können.
in meinem statement gings nicht um die ursache der probleme in Nigeria, auch nicht um die ursache des schlimmen zustandes der parteien. aber dieser ist fakt. und da nimmt es wunder, wenn die als vorbild für die VP genannt werden,. oder eben nicht.
abseits von dem was viele unbedarfte österreicher denken zählen ja für die migranten insbesondere aus afrika asien lateinamerika sehr konservative bürgerliche werte. ich kann das auch in meiner familie feststellen.
z.b. ist die ehe für viele ein entshceidender wert.homosexualität ist zumindest eher anrüchig auch falls es geduldet wird. zeigen sie einem schwarafrikaner ein schwules männerpaar bei der hochzeit und er wird es sehr krank finden. detto natürlich religion abe auch harte arbeit und familiensinn sind zentral. wobei leider familie sehr weit geht ist lästig wenn ständig ein cousin des neffen zu unterstützen ist.
von daher sicher klassisch övp und dann wenn aufstieg vielleicht grün.
glaube aber das die "jugoslawen" spö wähl.
z..b
das ist alles richtig, aber das hat alles kulturelle, soziale, religiöse und ideologische hintergründe, und keinen "hautfarblichen" (wie Sie eh selber wissen, aber es kommt eben immer so missverständlich rüber, wenn man "schwarzen" - oder sonstigen farben - irgendeine einstellung zuschreibt).
und "er" wird gar nichts!
mancher wird vielleicht aggressiv reagieren,
mancher verstört,
mancher desinteressiert,
mancher locker und
mancher neugierig.
und wenn auch erstere reaktionen vielleicht häufiger vorkommen, als letztere (wie übrigens auch bei vielen Österreichern, Schweizern, Polen, Italienern oder Ungarn),
finde ich dieses "in-einen-topf-werfen" von angehörigen einer bestimmten hautfarbe oder einer "ethnie" ziemlich merkwürdig.
trotzdem könnte man vereinfachend anmerken dass nichteuropäer und nichtamerikaner .. egal welcher provenienz wohl ein weniger "entspanntes"(als wärs hier entspannt) verhältnis zu einem knutschenden homosexuellenpaar hätten .. einzelfälle ausgenommen.
mir fällt immer spontan jamaika ein ...
die postings hier lassen tief blicken - offenbar sind nur migranten mit einer affinität zu rot und grün gute migranten.
wobei doch kein grüner ernsthaft annehmen kann, dass etwa ein gläubiger moslem tatsächlich die politischen ziele der grünen teilt und vertritt. es mag ja sein, dass sie (noch) von dieser gruppe gewählt werden, aber das hat bestenfalls strategische gründe.
auch ich teile die einschätzung von herrn assor, dass 80% der migranten konservativ sind. allerdings ist die övp eine linke anarchotruppe im vergleich zu "konservativen" moslems.
auf alle fragen, die die övp betreffen, antwortet er wie ein braver parteisoldat. er widerspricht nicht, er "läßt seine ideen einfließen" - bestes spindoktor-gebrabbel.
und das büro in der lichtenfelsgasse ist keine finanzielle unterstützung, nur eine materielle - sowas hört man sonst nur im kabarett ...
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