Historiker Segev: Erfolgsgeschichte Israels ein "Mythos"

17. Juni 2008, 17:45
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Buch über die ersten Jahre des Staates Israel präsentiert

Wien - Der israelische Journalist, Historiker und Buchautor Tom Segev hat am Montag im Jüdischen Museum in Wien die erste deutschsprachige Auflage seines Buches "Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates" präsentiert. Die sechzigjährige israelische Erfolgsgeschichte bezeichnete er darin als "Mythos" und verwies auf die Schwierigkeiten der Kulturenvielfalt.

Statt der erwarteten Lesung hielt der Historiker einen Impulsvortrag, der den Inhalt des Buches zum Thema hatte. "Die Geschichte Israels hat sehr viel zu tun mit Hoffnung", sagte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen aus der ganzen Welt Juden zusammen, um hier ihr "Glück zu finden", sagte Segev. Sie kamen aus verschiedenen Kulturen und mussten erst eine eigene israelische Identität entstehen lassen. Segev bezeichnete Israel als "buntes Mosaik" an Kulturen.

"Keine klaren Grenzen"

Doch die Erfolgsgeschichte Israels sein ein "Mythos", so der Autor. Er meinte, dass Israel "keine klare Identität" und "keine klaren Grenzen" besitze. Bei der Gründung des Staates erwarteten die Zionisten einen europäischen Staat, doch durch die Zuwanderung vieler arabischer Juden sei es nun ein "Nahost-Staat", gegen den sie eine "kulturelle Abneigung" hatten, so Segev. "Das einzige, was die Kulturen gemeinsam haben ist, dass sie verschieden sind", sagte er.

Die meisten Menschen kamen in den 1940-er Jahren nach Israel, weil sie "keine andere Möglichkeit" hatten. Die heutige israelische Generation könne auswandern, "wohin sie wolle", doch im Unterschied zu 1948/49 bezeichnen sie Israel als ihre Heimat und bleiben deswegen freiwillig, obwohl sie "nicht an Frieden" glauben, erklärte Segev.

Das Buch "Die ersten Israelis" erschien erstmals 1984 auf hebräisch. Segev berichtete, dass es in freute zu erfahren, dass das Buch kurz darauf auch auf arabisch erhältlich war. "Worte haben keine Grenzen", fügte er hinzu. Segev wird einer losen Gruppe israelischer Historiker zugeordnet, die unter dem Begriff "New Historians" mit einer Neubewertung der Geschichte des Zionismus und des Landes Israel begonnen haben. (APA)

Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates, Siedler Verlag: Berlin 2008, ISBN 3886808890 Gebunden, 414 Seiten
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